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"Hätten sich die zwei gleich fürs Trampen statt für die TUI entschieden, wäre vielleicht jeder Abend so lustig geworden."
aus dem Buch von Anke Richter
"Aussteigen auf Zeit. Das Sabbatical Handbuch"



Langzeiturlaub ist beileibe keine Luxusveranstaltung für gelangweilte Spitzenverdiener, die den ganzen Tag in terrakottafarbenen Lofts sitzen, wo man lieber Prosecco als Kaffee trinkt und jede Ansammlung von mehr als zwei Leuten ein "Meeting" nennt. Nein, Langzeiturlaub ist eine handfeste Maßnahme für jedermann -von der Kindergärtnerin bis zum Facharbeiter. Und er ist ein wirksames Mittel gegen Arbeitslosigkeit. Das hat, neben vielen anderen, selbst Norbert Blüm erkannt. Der ehemalige Bundesarbeitsminister, der sich mit seiner Teilzeit-Diskussion an den Werkbänken und Schreibtischen nicht nur Freunde gemacht hat, plädierte schon vor 15 Jahren für die Einführung eines so genannten Sabbat-Jahres. Selbst in der eigenen Partei stieß er damit oft auf Ablehnung:
Ein CDU Mitglied empfand die innovative Idee als "Beleidigung der Arbeitnehmer, die um ihren Arbeitsplatz bangen". 1993 schob Blüm dann nach: "Wir müssen die Massenarbeitslosigkeit mit mehr Phantasie bekämpfe: Einen Teil des Urlaubs ansparen und dann mal für ein halbes Jahr oder länger Pause machen. Das schafft auch freie Arbeitsplätze für Arbeitslose."
In diesem Punkt hat der Mann ausnahmsweise Recht. Selbst ein gestandener Gewerkschaftler wie Detlef Hensche, Vorsitzender der IG Medien, beklagt mittlerweile "den kaum erträglichen Widerspruch, dass unserer gegenwärtiges Arbeitssystem auf der einen Seite Vollbeschäftigte daran hindert, ihren Wunsch nach individuell kürzeren Arbeitszeiten zu erfüllen, also Arbeitszeit abzutreten, und auf der anderen Seite Millionen von Menschen gegen ihren Willen von der Arbeit aussperrt."

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In den Statistiken tauchen sie zwar nicht auf. Aber indirekt zählen auch sie als Arbeitslose; Frühpensionierte, die vorzeitig in den Ruhestand entlassen wurden. Dem Klischee des glücklichen Rentners, der fortan seinen Hobbys nachgeht oder mit Frau Gemahlin rüstig um die Welt reist, entsprechen leider nur die Wenigsten.
Noch 20 Jahre (je nach Lebenserwartung) ohne Stechuhr, Kollegen und Kantine -für den, der immer nur gelebt hat, um zu arbeiten, kann diese Aussicht beängstigend sein. Und wer "Ferien" stets als vorgebuchte, verwaltete und rundum abgesicherte Angelegenheit mit Rückerstattungsanspruch erlebt hat, kommt mit der plötzlichen Dauer-Freizeit auch im vermeintlichen Urlaubsparadies bisweilen schlecht zurecht.
Auf Mallorca, wo mittlerweile rund 80.000 Bundesbürger überwintern, zeigen sich die Auswüchse am extremsten. Dort hat ein evangelische Pfarrer mittlerweile eine Selbsthilfegruppe für Anonyme Alkoholiker gegründet: Der Geistliche sorgt sich um die "Langzeiturlauber, überwiegend einsame ältere Leute, von denen erschreckend viele anfällig für Alkoholprobleme sind."

Unter 50 macht sich sicher noch niemand ernsthafte Gedanken über die sinnvolle Gestaltung des Lebensabends. Völlig zu Recht. Aber man sollte sich möglichst schon vorher Gedanken über ein Sabbatical machen. Denn wer nach einer langen Berufslaufbahn nicht nur auf vier Gehaltserhöhungen und zwei Beförderungen, sondern auch auf einen ganz persönlichen Ausstieg auf Zeit zurückblicken kann, hat wahrscheinlich intensiver und lustvoller als andere erlebt, dass das Leben nicht nur in der Zeit zwischen 9 und 17 Uhr an einem Ort stattfindet, wo man sich mit "Mahlzeit" grüßt.
Mit diesem Erfahrungsschatz lässt es sich besser "in Pension" gehen als mit jeder Rentenversicherung.

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Einer der größten Irrtümer heisst: Aussteigen auf Zeit kostet Geld. Zumindest kostet es viel weniger, als man meint. Die scharf kombinierte Überlegung "in vier Wochen Urlaub verbrate ich locker 2.500 Euro, also brauche ich für 6 Monate 15.ooo Euro" ist eine Milchmädchenrechnung.
Wer so denkt vergisst, dass sein ganz normales Leben zu Hause mit horrenden Mieten, Autoreparaturen und Handwerkerrechnungen wegfällt. Es gibt wohl kaum ein Dasein, das auf Dauer mehr Bares verschlingt, als die erwerbstätige Existenz in einer westlichen Groß- oder Kleinstadt. Dagegen ist die Finanzierungen eines Sabbaticals schon fast ein Betrag aus der Kaffeetasse.

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Meist sind es gerade nicht die Einkommensmillionäre, die sich eine unbezahlte Pause vom Job gönnen. Ob Lehrer, ob Heilpädagogen, ob freier Journalist oder Krankenschwester: Deutsche Sabbat-Jünger sind keine überdurchschnittlichen Spitzenverdiener uns so gut wie nie in den Genuss einer Erbschaft oder eines Lottogewinns gekommen. Sie gaben für ihren Ausstieg in der Regel zwischen 2.500 und 25.000 Euro aus und das für eine Zeit nicht unter sechs Monaten. Je länger es dauerte, desto billiger wurde es im Schnitt.
Wer über zwei Jahre jeden Monat 250 Euro beiseite legen kann, hat genug auf der hohen Kante, um davon mindestens ein halbes Jahr lang sorgenfrei zu eben -natürlich nicht zu Hause mit allen alten Hobbys und Lebensgewohnheiten.

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Erprobte Globetrotter, Survival-Künstler und Rucksackreisende kennen die Faustregel: vom organisierten Tourismus fernhalten und stets die preiswertere bzw. ursprünglichere Variante wählen, egal ob es sich um Unterkunft, Essen oder Fortbewegungsmittel handelt.

Wer seinen Jahresurlaub bislang nur in Mittelklassehotels zugebracht hat, kann sich wahrscheinlich kaum vorstellen, dass man an vielen schönen Orten dieser Welt für fünf US-Dollar eine passable Unterkunft und für einen Dollar ein leckeres Abendessen bekommt. Das Teuerste an einem längerem Aufenthalt in Ländern der so genannten Dritten Welt ist tatsächlich nur der Flug dorthin.

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Das man auf diese Weise nicht nur Unmengen spart sondern sehr viel mehr von Land und Leuten erfährt kann jeder Langzeit-Weltreisende bezeigen, Selbst manch Otto Normaltourist hat auf seiner Teneriffa-alles-inklusive-Tour festgestellt, dass der tollste Tag im Urlaub eigentlich der war, als der Mietwagen auf einer einsamen Bergstraße liegen blieb, er mit seiner Frau in nächste Dorf trampen musste, von einem kauzigen Bauern mitgenommen wurde, auf der Ladefläche des Lasters zwischen gackernden Hühnern saß, im Dorf dann gleich zu einer Hochzeitsfeier mitgeschleppt wurde, vom selbstgebrannten Schnaps trank, seiner Frau den Ententanz vorführte... usw.
Fazit: Hätten sich die zwei gleich fürs Trampen statt für die TUI entschieden, wäre vielleicht jeder Abend so lustig geworden.

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Für manchen kann es einer kleinen Erleuchtung gleichkommen, dass es eine mögliche Existenz jenseits von Bausparverträgen und 10.000 Euro Einbauküchen gibt -und das sie eine Lebensqualität besitzt, die man nicht kaufen kann.
"Das Thema Geld ist vorher oft eine Last gewesen", bestätigt ein Journalist, der ein Jahr lang durch mehrere Kontinente reiste. "Es ist eine Befreiung, wenn man feststellt, wie wenig man wirklich braucht."



Kurzbeschreibung:

Urlaub vom Job für mehrere Monate oder ein Jahr.
Immer mehr nutzen eine solche Auszeit: reisen um die Welt, legen einen Garten an oder verwirklichen einen Traum. Ein neues Gesetz unterstützt es, Unternehmensberater empfehlen es, und immer mehr Arbeitsgeber machen ein Sabbatical möglich, denn die Aussteiger auf Zeit kehren mit neuen Impulsen und Ideen, mit mehr Energie und Motivation zurück. In diesem Buch erfahren Sie alles, was Sie zur Vorbereitung und Durchführung eines Sabbaticals wissen müssen. Zum Beispiel: Wieviel Geld brauche ich? Wie bereite ich den Chef und die Kollegen vor? Was ist mit meinen Versicherungen? Was mache ich mit meiner Wohnung, meinem Auto, meinem Telefon? Wie kann ich wieder ins normale Leben einsteigen?
Dieses Handbuch, mit Erfahrungsberichten von zaghaften Neulingen und überzeugten 'Wiederholungstätern', ist der praktische Ratgeber für alle, die dringend weg wollen - und ein Buch zum Träumen für die, die sich noch nicht ganz trauen.