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Ich bin ausgezogen

Schweren Herzens habe ich mich vom Laster getrennt.

Diesen Winter kommen ganz neue Aufgaben auf mich zu und deshalb habe ich dem Laster einen warmen Winterstellplatz gesucht und bin ausgezogen. Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen. Doch so ist es einfach viel praktischer.

Nach 6 Jahre, die ich im Wohnmobil gewohnt habe, wieder in einem Haus zu sein ist ein sehr merkwürdiges Gefühl.

Es ist ein ganz anderes Leben. Kaum zu vergleichen.

Da es nicht mein Haus ist, in dem ich jetzt wohne, und ich auch nicht viele Dinge habe, mit denen ich es füllen könnte, fühle ich mich etwas fremd. Ich erobere Raum für Raum. Da ich es gar nicht mehr gewohnt bin überhaupt mehrere Räume zur Verfügung zu haben, muss ich erst wieder lernen, mich auszubreiten. Ein ganz anderes Körper- oder Raumgefühl bringt das Leben in einem Haus mit sich. Mir fällt es wirklich schwer, gerade diesen Eindruck in Worte zu fassen. Zunächst habe ich mich auf ein Zimmer beschränkt und es war eine sehr eindrückliche Erfahrung in ein anderes Zimmer zu gehen, um dort irgendetwas zu machen.

Mir sind so viele Dinge aufgefallen, die so grundsätzlich anders sind.

Toll ist die Sache mit dem Platz. In der Küche kochen, essen und dann einfach alles stehen und liegen lassen und ins Wohnzimmer gehen. Großartig! War im Laster unmöglich. Da wird immer gleich abgewaschen und alles wieder weggeräumt. Auf 9 qm kann man nichts einfach liegen lassen. Aber das Aufräumen ist nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Irgendwann muss ich es eh machen.

Überhaupt bewege ich mich im Haus mehr. Von Raum zu Raum, Treppe runter, Treppe rauf… Im Laster kann ich gerade mal zwei Schritte machen. Dafür findet alle Bewegung jetzt viel mehr drinnen statt. Das Draußen ist plötzlich unendlich weit entfernt. Dicke Mauern trennen mich von der Welt. Ich höre den Regen nicht mehr und bin jedes Mal überrascht, wenn ich rausgehen will und ihn erst in dem Moment wahrnehme.

Das Haus steht in der Stadt. Mein Ausblick ist verstellt von Mauern. Keine Wiese, kein Strand, kein Meer. Wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich immer das gleiche. Das Schöne im Laster ist, dass der Ausblick immer wieder neu ist – und wenn er langweilig wird, parke ich einfach um.

Es ist einsam im Haus. Mit dem Laster bin ich viel näher dran. Das ist zwar nicht immer toll und ich habe mir schon oft einen Rückzugsort gewünscht – aber einen temporären. Ob an der Straße, auf dem Strandparkplatz oder im Wald – einsam fühle ich mich im Laster nie. Vielmehr spüre ich eine tiefe Verbundenheit mit der Welt. Die ist mir jetzt abhanden gekommen. Im Haus wohnend erlebe ich die Welt da draußen als einen fremden, ja fast feindlichen Ort. Ich hoffe, das vergeht mit der Zeit wieder.

Strom und Wasser kommen im Haus ganz selbstverständlich aus der Leitung. Es gibt einen Kanal, eine Waschmaschine, eine Dusche. Nichts von alledem muss herangekarrt und abtransportiert werden. Geht alles automatisch. Einfach. Zu einfach. Das, was ich im Laster jeden Tag sehr bewusst erlebe, nämlich meinen Umgang mit Ressourcen – ist total in den Hintergrund gerückt. Mein Wasser- und Stromverbrauch ist wahrscheinlich gerade ins Unermessliche gestiegen. Ich weiß es nicht, denn darüber habe ich irgendwie die Kontrolle verloren.

Überhaupt habe ich ein Gefühl von Kontrollverlust. Das Leben im Haus fühlt sich für mich weniger selbstbestimmt an. Dafür tun sich andere Möglichkeiten auf. Ich bin hin und her gerissen zwischen den “Möglichkeitenpaketen” die das eine, oder das andere Leben mit sich bringen. Ich stehe ja erst am Anfang und bin gespannt, was ich empfinden werden, wenn ich wieder ausziehe.

Kennst du das? Wie empfindest du die Unterschiede zwischen dem Leben in einem Haus und dem Leben im Wohnmobil? Welche Art zu Leben ziehst du vor und warum? Schreib mir!

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About Steffi

Mein Name ist Steffi. Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor ich zum „Leben auf Rädern“ kam, bin ich mit dem Fahrrad gereist. Davor lebte ich in einem Haus, hatte einen ganz normalen Job bei einer Bank  - der ganz normale Wahnsinn... Schnell habe ich festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahm ich ein Jahr Auszeit und bin so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 bin ich wieder unterwegs und mein Leben hat sich komplett geändert. Folge mir via Feedly und Bloglovin´

13 comments

  1. Hi Steffi,

    ich kann beiden Leben viel abgewinnen. Die Freiheit, Aussicht und Flexibilität mit meinem VW-Bus genauso wie die Rückzugsmöglichkeit und vor allem eine Küche mit Backofen (!) zuhause.

    Und so wird es bei mir wohl immer eine nette Mischung geben. Wobei ich mir auch vorstellen kann, wenn es mir hier gar nicht mehr gefällt, auch mal längere Zeit oder ganz in einem Womo zu leben. Also sprich ein Upgrade zu meinem geliebten Dr D vorzunehmen 🙂

    Wenn du noch verraten würdest, warum du in ein Haus gezogen bist, wäre meine unendliche Neugier befriedigt 😉

    Liebe Grüße
    Mischa

    • Lieber Mischa!

      Vielen Dank für deine Worte.

      Ne gute Mischung ist immer fabelhaft. Quasi der mittlere Weg. Dogmatisch wollen wir ja auch nicht sein. Mein mittlerer Weg verläuft aber eher woanders 🙂 Den Winter über möchte/wollen/müssen wir näher bei der Familie sein, da ist es einfach praktischer, abends nicht nach Hause zu gehen, um eh gleich morgens wieder zu kommen. Vor der Tür parken geht hier leider nicht.

      🙂

  2. Hallo Markus!

    Auch cool – 6 Monate Womo, 6 Monate Asien. Mein Traum wäre ja eine Reise mit dem eigenen Fahrzeug nach Südostasien! Da kann ich auch beruhigt die Lucy mitnehmen.

    Ich habe diesen “Schritt” gemacht, weil es für mich gerade einfach praktischer ist und es ist nur vorübergehend bis zum Frühling.

    🙂

  3. …..warum hast Du diesen Schritt jetzt nach 6 Jahren gemacht?!
    Ich “überwintere” jedes Jahr in Südostasien. Dort kann man für unter 800€ monatlich toll leben und dabei noch täglich in die Sonne blinzeln.
    Ich kann das nur empfehlen!
    Sommer Wohnmobil (6 Monate), Winter Asien!

  4. Back in Wohnhaft. Herzliches Beileid.

    Welche Art zu Leben ziehe ich vor? Und warum?

    Nun, eigentlich kann ich gar nicht mitreden. Ich habe noch nie in einem Haus oder einer Wohnung gewohnt. Doch klar, damals bei Mama und Papa. Aber ne eigene Bude in dem Sinne hatte ich noch nie. Ich bin mit 19 in mein Wohnmobil eingezogen. Heute bin ich 36 und ich wohne noch immer in meinem Wohnmobil. Ich möchte aber auch nicht in Wohnhaft.
    Ich mag dieses Wort, WOHNHAFT! Es sagt so viel aus!
    Besitz verpflichtet, jeder Besitz den du mehr hast als das du ihn tragen könntest fesselt dich, schränkt dich ein in deiner persönlichen Freiheit. Ein Wohnmobil ist ein perfekter Kompromiss. Du hast einen warmen und trockenen Schlafplatz, eine Dusche, ein Klo, eine Küche, eine Steckdose um deinen PC einstöpseln zu können … du hast all das was heute “Standard” ist und doch hast du nicht mehr als du mitnehmen kannst. Alles was du besitzt ist auf Rädern. Du kannst damit wegfahren wenn du das möchtest.
    Wenn du in einer Behausung ohne Räder wohnst, dann kannst u das nicht. Du bist gefangen an dem Ort an dem deine Behausung Erbaut ist. Du bist INHAFTIERT! Bei einer Mietwohnung kannst du vielleicht noch weg. Aber bei einem Haus? Du hast es gekauft, es eingerichtet. Du hast so viel Geld da rein gesteckt. Und Geld ist immer gleichbedeutend mit Lebenszeit. Gleichbedeutend mit der Lebenszeit die du benötigt hast um dieses Geld zu erwirtschaften. Wenn du ein Haus hast, dann hast du so viel dafür malocht, das dich dein Eigentum in Gefangenschaft nimmt.
    Schau, die Leute die Häuser an der belgischen Grenze haben. Ab Gestern (oder war es Vorgestern?) leben sie in Angst. Die Belgier fahren ein Atomkraftwerk hoch in dessen Reaktorblock unzählige Risse sind. Es ist eine Frage der Zeit bis Chernobil oder Fokushima nach Europa kommt. Jeder weiß das. All die Armen Schweine in Wohnhaft. All die armen Menschen die unzählige Jahre ihrer Lebenszeit in etwas investiert haben das sie nicht mitnehmen können.
    Lebst du in einem Wohnmobil, dann fährst du einfach weg.
    Frei und ungebunden. Ökologisch, bescheiden, unabhängig.

    Ich bleibe in meinem Wohnmobil und ich werde nicht aufhören das damit zu tun wozu es gebaut ist: Reisen!
    So viele Jahre ist es noch gar nicht her das du das Gleiche getan hast. Warum hast du da eigentlich mit aufgehört??
    Ich werde nicht in Wohnhaft gehen. Vielleicht werde ich mein Wohnmobil eines Tages gegen ein Fahrrad tauschen um eine Reise zu tätigen die ich mir mit einem Wohnmobil niemals leisten könnte. Aber danach wieder Wohnmobil. Oder ein Hausboot, das ist auch beweglich.

    • Hallo Stefan!

      Vielen Dank für deine Worte. Ja, das Wohnmobil ist ein sehr guter Kompromiss. Zum Reisen fand ich das Fahrrad toll.

      Es ist noch keine Jahre her, sondern gerade mal ein paar Tage, dass ich nicht mehr im Wohnmobil wohne. Und es ist ja zum Glück nur vorübergehend.

      So ist es gerade einfach praktischer – zu dogmatisch sollte man ja auch nicht sein, oder?

      🙂

  5. Hardy Dupont

    Ich bin mit einem Kastenwagen beruflich in Deutschland unterwegs.. Habe große Wohnung, dieses Jahr aber ⅔ im Kasten gewohnt.. Habe sogar schon im Wohnmobil vor der Wohnung übernachtet, statt rein zu gehen, weil ich dort besser schlafe..

  6. Steffi Mania

    Für mich nach 6 Jahren eigentlich auch. Aber unverhofft kommt oft und ist ja zum Glück nur vorübergehend.

  7. Alexius Brema

    Ich glaub ja ihr habt Licht angelassen …

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