Radreise Rumänien: Kilometerstein

Zappzarapp Rumänien

Dies ist der dritte Teil unserer Radreise von Istanbul nach Bremen. In 2 Monaten radeln wir durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, die Slowakei und durch Tschechien.

Im 3. Teil unserer Radreise von Istanbul nach Bremen radeln wir durch Rumänien. Wir kommen gerade aus der Bulgarien und weiter geht es nach Ungarn.

Radreise Rumänien

Nach der Ausreise aus Bulgarien geht es über eine nicht enden wollende Brücke über die Donau. Auf rumänischer Seite umfahren wir auf der Gegenfahrbahn eine Desinfektionsanlage, durch die alle Fahrzeuge müssen.

Etwas hilflos irren wir dann über die riesige Grenzanlage, bis sich ein Grenzer erbarmt und uns heranwinkt. Man ist zu Scherzen aufgelegt, die Abfertigung geht schnell über die Bühne und der Zoll hat glücklicherweise kein Interesse an unseren Taschen.

Straße in Rumänien
Straße in Rumänien

 

Anschließend bleibt noch Zeit für ein kurzes Schwätzchen und wir erfahren, dass auf den Karpaten noch Schnee liegen soll.

Gleich hinter der Grenze machen wir Pause an einer Tankstelle und bekommen hier sogar eine vernünftige Straßenkarte. Trotzdem gestaltet sich der Start als schwierig, wir fragen uns durch und ein paar freundliche Polizisten schicken uns auf eine Straße, die es nicht mehr/noch nicht gibt und wir machen Bekanntschaft mit dem rumänischen Schlamm, der glücklicherweise nicht so sehr an den Reifen klebt wie der bulgarische.

Schon nach den ersten Kilometern wissen wir, warum man diese Gegend Walachei nennt.

Vor uns liegen nicht enden wollende Wiesen und Felder. Kein Baum und kein Strauch trübt den Blick.

Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Zeltplatzsuche. Als wir dann fündig werden und das Zelt fast steht, hören wir plötzlich unbekannte tierische Geräusche, denken an Wildschweine und wollen uns schon auf die Bäume retten, als ein laut blökendes Reh zwischen den Bäumen in unmittelbarer Nähe vor uns auftaucht, uns mustert und gemütlich davon trottet…

Radreise Rumänien: Zelten im Wald
Radreise Rumänien: Zelten im Wald

 

Radreise Rumänien: Wenig Freude bei schlechtem Wetter – 81 km über Videle

Unser zweiter Tag in Rumänien beginnt mit strahlend blauem Himmel, was sich jedoch schon nach dem Frühstück ändert. Wolken ziehen auf. Es beginnt zu regnen.

Viel fahren wir mit dem Rad und haben tierisches Glück, noch vor Einbruch der Dunkelheit ein kleines Wäldchen zum Zelten zu finden. So langsam bleibt der Spaß an der ganzen Sache ein wenig auf der Strecke. Es ist kalt (5-6 Grad), nass und ständig weht der Wind von vorne. Tagsüber können wir noch nicht mal irgendwie irgendwo schön Pause machen. Überall ist es nass, und wenn man längere Zeit irgendwo sitzt oder steht, wird es kalt.

Das Ende eines Supermantels – 86 km bis Cortea de Arges

Als wir unseren Weg fortsetzten, zeigt sich, was für ein Glück wir mit unserem Wäldchen hatten, denn es soll das einzige für die nächsten 40 km bleiben.

Radreise Rumänien: Kilometerstein
Radreise Rumänien: Kilometerstein

 

Zum zweiten Frühstück halten wir an einem “Magazin Mixte” (Dorfladen). Hier gibt es Grundnahrungsmittel und das Nötigste, was man so braucht und außerdem ist es Kneipe und Treffpunkt für Jung und Alt. Wir kaufen frisches Brot und ein paar Kleinigkeiten. Schnell ist ein Tisch für uns frei gemacht und so können wir gleich direkt im Laden unter den interessierten Blicken der Dorfältesten, die sich hier zum Frühschoppen treffen, essen.

Radreise Rumänien: Pferdekutsche
Radreise Rumänien: Pferdekutsche

 

Der Vormittag wird nicht langweilig. Der durch das ewige rauf und runter sehr mitgenommene Reifen gibt an der Seite das, was er bedecken soll, frei und durch ein Loch wölbt sich der Schlauch nach außen. Nun ist es soweit.

Nach ca. 5200 km versagt uns ein SCHWALBE MARATHON XR seinen Dienst. Im Großen und Ganzen sind wir ganz zufrieden mit diesen Reifen, denn wir hatten bisher nur einen konventionellen Plattfuß zu beklagen. Jedoch sitzen die Reifen auf keiner unserer Felgen auf Anhieb und beim Aufziehen muss man jedes Mal mit Seife, Vaseline oder Babypuder nachhelfen, damit der Reifen richtig aus der Felge kommt und rund läuft. Doch dass bei einem 30 Euro Reifen nach “ein paar Mal rauf und runter” das Gummi im Bereich der Felge das Gewebe frei gibt, erscheint uns doch sehr fragwürdig.

Wir ziehen den Ersatzreifen auf, den man uns in Bangkok geschenkt hat, leider sehen wir erst jetzt, dass dieser ein Loch hat im Bereich der Lauffläche.

In Pitesti versuchen wir, einen Ersatzmantel zu besorgen. Im Fahrradgeschäft haben wir leider keinen Erfolg, doch auf dem Basar können wir ein russisches Produkt zweifelhafter Qualität erwerben. Besser als nix.

Radreise Rumänien: Pitesti
Radreise Rumänien: Pitesti

 

Nach dem Mittagessen in einem gediegenen amerikanischen Restaurant hat man im Hotel andere Preisvorstellungen als wir. Dem rumänischen Preisniveau angepasste Unterkünfte scheint es nicht zu geben. Also, rauf aufs Rad und weiter.

Scheißidee. Dorf an Dorf, kein Wald, kein Baum, kein Strauch, oder sind wir nur wieder zu wählerisch? Dann, in einem Dorf unser ersten negatives Erlebnis seit…ja, seit wann eigentlich?

Radreise Rumänien: Haus
Radreise Rumänien: Haus

 

In einem heruntergekommenen Dorf kläffen uns erst die streunenden Hunde an und dann versucht eine Horde verwahrloster Kinder uns am weiterfahren zu hindern.

Danach müssen wir den Verlust unseres Wassersackes beklagen, der auf Steffis Gepäckträger war. Als wir umkehren, um den Verbleib zu klären, sind die Kinder verschwunden. Dafür werden die größeren immer zahlreicher und wir ziehen es vor, die Sache auf sich beruhen zu lassen und fahren weiter.

Radreise Rumänien: Cortea de Arges
Radreise Rumänien: Cortea de Arges

 

In Cortea de Arges finden wir ohne Umwege den Campingplatz.

Nach dem gestrigen völlig wolkenverhangenen Tag zeigt sich der Himmel heute von seiner freundlichen Seite und unser Ostermittagessen nehmen wir im T-Shirt im Restaurant des Campingplatzes ein. Da sich immer noch eine allgemeine Lustlosigkeit breit macht, gönnen wir uns ein geruhsames Osterfest.

Radreise Rumänien: Campingplatz Cortea de Arges
Radreise Rumänien: Campingplatz Cortea de Arges
Radreise Rumänien: Frühstück
Radreise Rumänien: Frühstück
Radreise Rumänien: BIC Permanent Marker
Radreise Rumänien: BIC Permanent Marker
Radreise Rumänien: Neues Design für die Taschen
Radreise Rumänien: Neues Design für die Taschen
Radreise Rumänien: Neues Design
Radreise Rumänien: Neues Design

 

Auch sind wir am überlegen, ob wir uns für die nächsten Kilometer den Luxus einer Zugfahrkarte leisten sollen. In den höheren Lagen der Kaparten soll noch Schnee liegen und auf der anderen Seite ist das Wetter wohl noch schlechter als hier.

Radreise Rumänien: Mit dem Zug nach Arad – 40 km nach Ramnico Valcea

Bei herrlichem Radwetter machen wir uns auf den Weg nach Ramnico Valcea. Hier im hügeligen Kapartenvorland zeigt sich Rumänien von seiner schönen Seite. Es gibt wieder Wälder und weite Täler, nach jedem Aufstieg werden wir mit einer schöneren Aussicht belohnt. In der Ferne sieht man die schneebedeckten Gipfel der Kaparten.

Radreise Rumänien: hügeliges Kapartenvorland
Radreise Rumänien: hügeliges Kapartenvorland

 

In R. V. wartet eine neue Herausforderung auf uns: Eisenbahnfahren in Rumänien!

Der Bahnhof ist schnell gefunden, der Fahrkartenkauf ist schon schwieriger, da hier niemand Englisch spricht, klingelt es bei dem Fräulein am Schalter erst, als wir einen Zettel mit zwei Strichmännchen und zwei Fahrrädern herüber schieben.

Dass mit den Rädern ist nicht ganz so einfach. Erst heißt es, dass geht nach Gewicht, dann kommt der Chef persönlich, um die Sache zu begutachten und macht einen fairen Schätzpreis.

Als dann der Zug kommt, will keiner Geld für die Räder, sie kommen nicht in den Gepäckwagen, sondern mit in den Wagon, wo sie beide Ein- und Ausgänge blockieren. Da kommen Pat und Patachon in Gestalt der beiden Schaffner. Von denen bekommen wir unsere erste Lektion in Sachen Korruption.

Die beiden wollen Bares für die Räder sehen. Wir stellen uns dumm, quatschen die beiden voll. Die Sprachbarriere ist auf unserer Seite.

Teilweise haben wir Erfolg, der eine winkt lachend ab und verschwindet. Aber Patachon bleibt hartnäckig. Er will 50.000 Lei. Wir einen Beleg von ihm und sind auch hartnäckig.

Ziemlich blöd von uns, denn jetzt bekommen wir einen Beleg, sind 100.000 Lei los und die Sprachbarriere ist plötzlich auf seiner Seite.

Bis Sibiu fahren wir die 100 km in drei Stunden. Dort müssen wir umsteigen.

Radreise Rumänien: Umsteigen in Sibiu – 76 km bis Gyula (Ungarn)

Von 22 Uhr bis 3 Uhr warten wir frierend und müde auf unseren Anschlusszug. Als er dann endlich kommt, ist vom Bahnpersonal keine Auskunft bezüglich der Räder zu bekommen. Also werden wir selbst tätig und verfrachten unsere Räder in den nächsten Wagon. Das ist nicht so einfach, da es keinen Bahnsteig gibt, ist der Einstieg über einen Meter hoch. Plötzlich steht doch ein Schaffner vor uns, der sich für unsere Räder interessiert und wissen will, ob wir für die Räder bezahlt haben. Haben wir, aber nur bis Sibiu. Sagen wir aber nicht, um unsere Weiterfahrt nicht zu gefährden. Im Zug ist das Gemecker groß.

Und so geht es endlos langsam weiter, bis wir morgens um 9 in Arad ankommen.

Völlig kaputt und übermüdet fahren wir aus der Stadt. Nach einer Frühstückspause beschließen wir, noch heute nach Ungarn zu fahren, denn wir haben ausnahmsweise mal schönes Wetter und einen kräftigen Wind von hinten. Leider hält der Rückenwind nicht so lange, wie wir ihn gebraucht hätten. Nach vier Stunden peitscht uns der Gegenwind dann auch noch Regen ins Gesicht, es zucken Blitze im Himmel und aus dem Wind ist ein Sturm geworden.

Am späten Nachmittag erreichen wir endlich die Grenze. Aus- und Einreise waren problemlos.

Radreise Rumänien: Freundlich und lebendig – unser Fazit

[one_half]Mit Rumänien hatten wir das selbe Problem wie mit Bulgarien. Nie konnten wir uns hier sorglos und unbefangen bewegen, weil die Menschen hier ja alle so böse sein sollen… sagt man… was wir jedoch nicht bestätigen können. Allerdings haben unser Wassersack und unsere Seifenschale, die direkt neben unserem Zelt auf dem Campingplatz lag, hier einen neuen Besitzer gefunden.

Auch die Rumänen selbst haben uns mehrfach darauf hingewiesen, dass hier alles wegkommt, was nicht dreifach gesichert ist. “Zappzarapp” nennt man das hier.

Dennoch machte das Land auf uns einen freundlicheren und irgendwie lebendigeren Eindruck als Bulgarien.

Gerade auf dem Land ist nicht alles so grau und trist und wirkt nicht so zerfallen und ausgestorben, wie viele Dörfer in Bulgarien.[/one_half]

[one_half_last]Nachdem wir die Walachei hinter uns gelassen haben, wurde es auch landschaftlich abwechslungsreicher und dass, was wir von den Karparten und ihren Ausläufern gesehen haben, macht Lust auf mehr.

Das Lebensmittelangebot in den Dorfläden ist überschaubar, in den Städten gibt es dafür alles, was es bei uns auch gibt.

Die meisten Nebenstraßen sind in einem verbesserungswürdigen Zustand. Bei Regen ist das mit dem Fahren nicht so einfach, denn manche kleine Pfütze, durch die man fährt, entpuppt sich als tiefes Loch.

So erkennt man den betrunkenen Autofahrer ganz leicht daran, dass er stur geradeaus fährt und keine Schlangenlinien wie alle anderen. [/one_half_last]

Weiter geht es in Ungarn!

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