Radreise Deutschland

Endspurt: Zurück im Dosenpfandland

Dies ist der 7. Teil unserer Radreise von Istanbul nach Bremen.

In 2 Monaten radeln wir durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, die Slowakei und durch Tschechien.

Endspurt: Im 7. Teil unserer Radreise von Istanbul nach Bremen radeln wir durch Deutschland.

Begrüßungskomitee im dunkelgrünen Auto

Radreise Deutschland: 78 km über Dezin und Bad Schandau (Deutschland)

Bis Dezin rollen wir fast ausschließlich bergab, was am frühen Morgen ja auch ganz angenehm ist.

In Dezin wundern wir uns, denn der Grenzübergang nach Deutschland ist gar nicht ausgeschildert und viele Straßenschilder nach Dresden sind durchgestrichen. Als wir die richtige Straße gefunden haben, stehen da ganz viele Schilder: VERBOT DER DURCHFAHRT und SACKGASSE.

Wir sind der Meinung, die meinen nicht uns und fahren trotzdem weiter. Hinweisschilder zur Grenze gibt es immer noch nicht und die vermeintlich viel befahrene Straße entpuppt sich als landschaftlich sehr schön direkt an der Elbe entlang und komplett ohne Verkehr – was uns nun doch eher misstrauisch macht.

Dann plötzlich Vollsperrung, schon wieder ist die Durchfahrt verboten. Baustelle, die halbe Straße fehlt. Aber mit dem Fahrrad kommt man ja überall durch. Und so mogeln wir uns vorbei an lärmenden Baumaschinen, Kiesellastern und irritierten Bauarbeitern.

Das geht insgesamt drei Mal so, bis wir nach ca. 15 km etwas sehen, was wie ein Grenzübergang aussieht. Hier zeigt sich, dass unser Misstrauen nicht ganz unbegründet war, denn der einsame tschechische Uniformierte gibt uns zu verstehen, dass dieser Grenzübergang geschlossen ist. Auch für Radfahrer.

Aber ein Stückchen flussabwärts soll es eine Fähre geben, die auf die andere Flußseite nach Deutschland fährt.

Nur für Fußgänger und Fahrradfahrer. Glück gehabt, mit dem Fahrrad kommt man eben doch überall durch.

Hier gibt es keine Grenzkontrollen mehr, doch als wir auf der Mitte des Flusses sind, sehen wir am anderen Ufer das Begrüßungskomitee im dunkelgrünen Auto vorfahren, scheinbar extra wegen uns:

GUTEN TAG! ZOLL SACHSEN! DÜRFEN WIR IHR PÄSSE SEHEN?

Wo wir herkommen? aus tschechien. Sehr witzig, haha, hat man selbst gesehen…

WAS ZU VERZOLLEN?

ne, haben wir nicht!

HABEN SIE DROGEN ODER WAFFEN?

klar, haben wir, drogen vorne rechts, waffen hinten links!

Da kann man nicht drüber lachen also Taschen auspacken.

Nun zeigt sich nach dem Studium unserer Pässe, dass wir in Istanbul waren.

Oh Oh, und auch noch Thailand – die müssen was haben.

Man läuft zur Höchstform auf und zieht sich Handschuhe an. Geistig hat man uns schon dingfest gemacht.

Sie, der Kopf einer weltweit operierenden Drogenbande, die all die guten Sachen mit dem Fahrrad um die halbe Welt verteilt.

Er, der Chef eines internationalen Waffenschieberrings… aber Beweise müssen her!

Was in dem großen Sack ist?
Da sind die Frauen aus Osteuropa drin!

Kann man gar nicht drüber lachen, wir schon!
Also wieder auspacken.

Das geht eine ganze Weile so und die Jungs resigniert aufgeben und ihre Träume vom GROßEN FISCH zerplatzen wie Seifenblasen.

Wenigstens konnte man der mitgeführten Praktikantin mal zeigen, wie man mit SOLCHEN LEUTEN umspringt.

Hinterher gibt es dann Manöverkritik von Olaf: Ihr guckt ja gar nicht richtig. Ich wäre ja blöd, was da zu verstecken, wo man es gleich findet. Am Rad habt ihr ja gar nicht geguckt und in den Lebensmitteln, etc. So findet ihr ja nie was.

ACH JA?

Der kleine Bärtige wird schon wieder hellhörig. Da ziehen wir es doch besser vor, das Feld zu räumen, bevor das Spiel von Neuem beginnt und die Praktikantin kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Der nächste Schock dann beim Einkaufen im Supermarkt.

2 Flaschen Wasser und 2 Dosen Bier 2 Euro? Das kann doch nicht stimmen? Bescheißen jetzt schon die Scanner?

DOCH DOCH, erklärt die Verkäuferin, ES GIBT DOCH JETZT DEN DOSENPFAND!

Vor der Tür gibt es dann ausführlichen Aufklärungsunterricht in Sachen Dosenpfand von einer der vielen netten Sachsen.

Nach diesem anstrengenden Start in Deutschland wird es nicht leichter und die Straße führt uns senkrecht den Berg hoch durch den Naturpark Sächsische Schweiz.

Willkommen zu Hause!

Bildzeitung und Spiegel

Radreise Deutschland: 54 km über Stolpen

Unser Frühstück nehmen wir in Form von frischen Bäcker-Brötchen auf einer Bank auf dem Marktplatz von Stolpen ein, einer kleinen und sehr feinen Stadt in Sachsen.

Hier gibt es auch eine Burg, die wir zwar von Weitem sehen, aber für eine Besichtigung ist es noch viel zu früh.

Wir hatten geplant hier einige Besorgungen zu machen, aber die Geschäfte, die wir benötigen, scheint es hier nicht zu geben. Also fahren wir noch ein paar Kilometer weiter durch das nur noch hügelige Land nach Radeberg.

Die Buchhandlung, in der wir uns ein paar Radwanderkarten kaufen wollten, hat ausgerechnet dieses Samstag nicht geöffnet und auch der D2 Laden scheint seine Türen heute geschlossen zu halten. Wir geben diesbezüglich also erst mal auf und fragen uns zum nächsten Supermarkt durch. Unverhofft haben wir hier mehr Glück, denn es sind gerade Radwanderkarten im Angebot!

Das Schöne an Deutschland ist ja, dass man die Leute wieder verstehen kann, die Schilder lesen und man sich sogar die Zeit damit vertreiben kann, mal etwas zu lesen. Nachdem wir die letzten paar Wochen vom Weltgeschehen gar nichts mitbekommen haben und von dem, was in der Heimat so geschieht seit Monaten nichts mehr wissen, kaufen wir uns heute eine Bildzeitung und den Spiegel.

Als wir uns am Abend ein Plätzchen suchen, entdecken wir auf einer Wiese ein schneeweißes Tier, von dem wir zuerst annehmen, dass es wohl ein Hase sei. Aber bald gibt es sich zu erkennen.

–Es ist ein Albino-Reh! Wer hat so was schon mal gesehen?

Sonntag und nur noch wenig Wasser

Radreise Deutschland: 56 km bis zum Grillplatz Kosilenzien

Mit unseren neuen Karten finden wir die schönsten Wege, weit ab vom tosenden Verkehr. Wir fahren durch Wald und Wiesen während Sonne und Wolken sich am Himmel vergnügen.

Heute ist Sonntag und anders als in allen anderen Ländern, durch die wir bereits gereist sind, ist hier in Deutschland wirklich jedes Geschäft geschlossen. Das wirft Schwierigkeiten auf, besonders bei der Wasserversorgung. Da uns unser Wassersack, wo 4 Liter reinpassen, in Rumänien ja abhanden gekommen ist, transportieren wir dieses nun in PET-Flaschen, von denen jeder von uns zwei am Rad transportieren kann. So haben wir 6 Liter Wasser, die irgendwann alle sind.

Nur an einer Tankstelle, die wir extra anfahren mußten (im Wald gibt es selten welche), können wir aus einem Hahn für Nachschub sorgen.

Auf unserer Karte ist ganz in der Nähe ein Grillplatz eingezeichnet, den wir uns mal anschauen werden. Mit Hilfe einer Ortskundigen finden wir ihn schließlich und endlich kann Olaf mal wieder Feuer machen und den Kocher in der Tasche lassen.

Dosenpfand

Radreise Deutschland: 61 km über Nexdorf

Heute müssen wir unsere Vorräte wieder auffrischen und so verbringen wir einige Zeit in Bad Liebenwerda. Die beiden Dosen, die wir seit Freitag mit uns herumschleppen, landen in einem Mülleimer, denn einen Penny-Markt haben wir nicht mehr gefunden.

wunderbare Wege

Radreise Deutschland: 63 km bis kurz vor Pölzig

Weil wir am Abend keinen Zeltplatz mit gutem Sichtschutz gefunden haben, stehen wir früh auf und fahren erst mal weg. Nach ein paar Kilometern machen wir dann auf einer Wiese Frühstückspause und trocknen das Zelt.

Auch heute ist es wieder bedeckt und es sieht verdächtig nach Regen aus. Passieren tut aber nix.

Besuch vom Foerster

Radreise Deutschland: 72 km über Loburg

Das Frühstück nehmen wir nach dem Zusammenpacken des Zeltes noch an Ort und Stelle in der warmen Morgensonne ein.

Kurz bevor wir fertig sind, bekommen wir Besuch vom Förster. Wie gut, dass das Zelt nicht mehr steht. Weil wir uns noch in den Printmedien über die Lage Deutschlands informiert haben, fahren wir erst gegen halb Zehn los.

Hier in Sachsen sind viele Dörfer mit einem neuen Spielplatz ausgestattet, auf dem nie ein Kind spielt, den wir aber gerne für unsere Pausen nutzen, wie auch heute Mittag.

Unsere Karte führt uns heute über viele “für Fahrradfahrer besonders gut geeignete Wege”, meistens quer durch den Wald. Leider wurde vergessen zu erwähnen, dass es hier oft eher OFF ROAD-mäßig zugeht und es außerdem relativ schwierig ist, diesen Weg auch zu finden. –Wie gut, dass wir einen Kompass dabei haben.

Trotzdem kommt man nicht immer dort aus dem Wald heraus, wo es eigentlich geplant war, was die Sache spannend macht. Abends sind wir in Friedensau, einem Dorf, das nur aus einem riesigen Altenheim, einer theologischen Hochschule und ein paar Wohnhäusern besteht. Auch einen Zeltplatz soll es hier geben…vor der Zufahrt steht allerdings eine Schranke und ein Schild erzählt uns, der Platz sei nur für Kinder und Jugendliche.

– Mit Olaf können wir da also nicht hin. So fahren wir ein Stück weiter und zelten neben einer frisch gemähten Wiese, an der ein Wanderweg lang zuführen scheint.

Es kommen zwar keine Wanderer, aber dafür haben wir eine Bank. Über der hängt ein Nistkasten, in dem tatsächlich ein Vogelpärchen seinen Nachwuchs füttert.

Das Einkaufen war heute übrigens wieder schwierig: Als Radfahrer bekommt man schlecht einen Zehnerpack Toilettenpapier mit und bis man mal ein Geschäft findet, das die Rollen auch ein- oder zweifach verkauft geht einige Zeit ins Land.

Elberadweg

Radreise Deutschland: 84 km bis kurz vor Trühstedt

Besonders morgens ist es in den letzen Tagen recht frisch. Kurz nachdem die Sonne sich dann durchgekämpft hat, bezieht es sich auch schon wieder und es wird Zeit, sich auf dem Rad warm zu strampeln.

Vorher beobachten wir aber noch die beiden Vogeleltern, die sich scheinbar sehr schnell an unsere Anwesenheit gewöhnt haben, beim Füttern der Kleinen.

Später landen wir dann auf dem Elberadweg. Hier versperrt uns zuerst eine Schranke den Weg und an einer Schleuse sollen wir allen ernstes unsere schweren Räder über eine Brücke mit recht steiler Treppe auf beiden Seiten auf die andere Seite hechten.

Aber ohne uns. Wir verlassen den Radweg lieber wieder und suchen uns einen anderen Weg.

Eine erneute Überquerung der Elbe steht heute außerdem an und wir wählen die Fähre nach Tangerhütte, die uns insgesamt 2 Euro kostet. –Das geht ja!

Auf der anderen Seite landen wir wieder auf einem Radwanderweg –dem Altmarkrundweg. Dieser führt uns über gut befahrbare Waldwege und herrliche Landschaft bis zu einem Rastplatz, den wir für die Nacht annektieren.

Der eiserne Vorhang

Radreise Deutschland: 75 km über Klötze

Seit einiger Zeit befinden wir uns nun schon in Sachsen-Anhalt und es fällt auf, dass wir hier von Kindern und Jugendlichen immer freundlich gegrüßt werden, auch wenn wir nur vorbeifahren…

Der “ eiserne Vorhang” ist ein großer Kiefernforst und ehe wir uns versehen, stehen wir im Landkreis Gifhorn.

angetrieben

Radreise Deutschland: 115 km über Celle

Das Wetter ist recht gut, die Strecke eben und wir kurz vor der Heimat –das treibt an.

So haben wir schon mittags 60 km auf dem Tacho. Ob wir es tatsächlich schaffen, morgen schon bei Thorsten in Achim zu sein, wissen wir gar nicht genau.

Auf den Fahrradkarten kann man so lange Strecken nur überblicken, wenn man mehre Karten aneinander legt und auch dann kann man nur grob schätzen.

Als wir am Abend unser Lager 20 km vor Verden aufschlagen ist aber klar, dass wir schon mittags bei Thorsten sein können.

Tag der Rückkehr

Radreise Deutschland: 46 km bis Achim

Bis nach Achim fahren wir im Regen. Aber über nasse Klamotten brauchen wir uns heute mal keinen Kopf machen, denn heute Abend haben wir ein Dach über dem Kopf.

Um zwanzig vor 12 erreichen wir unser heutiges Ziel und genießen unsere erste Dusche seit Mlada Boleslav.

Und die war auch wirklich nötig…

Abends kommen noch ein paar Freunde vorbei und wir feiern heute nicht nur den “Tag der Rückkehr”, sondern auch Steffis 28sten Geburtstag. –Vielen Dank, Thorsten!

wieder da

Radreise Deutschland: 55 km nach Blumenthal

So viele Leute auf einmal, dass war schon anstrengend, sind wir nicht mehr gewöhnt.

Trotzdem fahren wir heute auch noch bei unseren Eltern vorbei, bevor wir “nach Hause” zu Oma fahren.

Es ist schon ein komisches Gefühl wieder da zu sein. Die Sachen, die einem ja gehören, sind einem fremd und wirklich realisiert, dass die Reise nun zu Ende ist, haben wir wohl noch lange nicht.

 

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