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Überwintern in Portugal: Serpa

Entdecke Serpa: Wir nehmen dich mit auf unseren Stadtrundgang

Lies hier wie wir auf unserem Roadtrip durch´s Alentejo die kleine Stadt Serpa entdecken.

Überwintern in Portugal: Roadtrip entlang des Rio Guadiana (Teil 9)

Roadtrip Tag 46

Die letzten Tage war das Wetter sehr durchwachsen. Es gab ergiebige Niederschläge.

Heute haben sich Regen und Nebel endlich verzogen. Richtig sonnig ist es aber immer noch nicht.

Den längst überfällig Großeinkauf schieben wir aufgrund des Regens seit Tagen vor uns her. Unsere “Reserven” sind angegriffen. Alles Frische ist schon alle. So gibt es seit 2 Tagen viel Reis und Nudeln.

Bis zum Discounter in Serpa sind es nur 6 km.

Da wird nicht mal der Motor warm.

Auf dem Supermarkt Parkplatz fallen uns viele alte Leute auf, die nicht portugiesisch aussehen. Vor allem weil sie recht sonderbar und untypisch gekleidet sind. Und E-Bikes fahren. Bei unserer anschließenden Stadtbesichtigung kommen wir auch recht schnell dahinter warum: Recht zentrumsnah gibt es einen Campingplatz, auf dem vor allem Briten, Franzosen und Deutsche lagern.

Entdecke Serpa

 

Serpa ist eine gemütliche Stadt mit 7.000 Einwohnern im südlichen Alentejo.

Das Alentejo war schon zur Bronzezeit von Menschen bewohnt. Und so gibt es Serpa schon sehr lange.

Die Römer kannten Serpa. Die Mauren waren hier. Die Berber. Die Galicier. Und nach einigem Hin und Her im Laufe der Jahrhunderte – in denen die schwer einnehmbare Burg eine große Rolle spielte im Kampf um Sieg oder Niederlage – kam Serpa 1267 zu Portugal.

Und so ist es bis heute. Was nicht heißt, dass es nicht immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn in Spanien kam. Die Grenze ist so nah, dass die Burg von immer mal wieder zerstört wurde.

Heute ist die Burg nur noch eine hübsche Ruine. Über die Wehrgänge kann man spazieren gehen und die Aussicht genießen.

Gleich zu Beginn unseres Rundgangs durch die Stadt schmeißt sich ein großer schwarzer Rüde an Lucy ran. Normalerweise macht sie sich nichts aus anderen Hunden – außer sie sind groß und schwarz.

Überwintern in Portugal: Serpa

Und so kommt es, dass wir den Weg zu viert fortsetzen. Es gibt viele Hunde in der Stadt. Die meisten sind alleine unterwegs, tragen Halsbänder und scheinen sich untereinander zu kennen. Ab und zu biegt unser schwarzer Begleiter mal links ab – oder rechts, um den einen oder anderen persönlich zu begrüßen. Immer wenn wir denken, er sei weg, reiht er sich plötzlich wieder bei uns ein.

Überwintern in Portugal: Serpa

 

Überwintern in Portugal: Serpa

Da recht wenig Verkehr in der Stadt ist – gerade im Ortskern – kann sich auch Lucy frei bewegen.

Die Stadt ist sehr sauber. Es liegt kein Laub, kein Müll herum. Mehrmals begegnen wir – meist weiblichen – Straßenfegern, die entspannt damit beschäftigt sind, dass das auch so bleibt.

Auf dem großen Platz vor der Kirche wird nochmals ausgiebig getobt.

Danach machen wir die Festungsruine unsicher. Klettern die schmalen, ungesicherten Treppen hoch. Toben über die Wehrgänge der Stadtmauer. Luken durch die Zinnen. Oder jagen im schwindelerregenden Tempo die engen Wendeltreppen hoch.

Überwintern in Portugal: Serpa

 

Überwintern in Portugal: Serpa

 

Überwintern in Portugal: Serpa

 

 

Überwintern in Portugal: Serpa

Beim Blick über die Dächer fällt auf, dass viele der kleinen Häuser nicht unbedingt im besten Zustand sind. Und viele Bewohner bewirtschaften einen kleinen Gemüsegarten.

Überwintern in Portugal: Serpa

 

Überwintern in Portugal: Serpa

 

Das Alentejo gehörte – oder gehört (?) – in weiten Teilen Großgrundbesitzern. Die während der Zeit der Diktatur in Portugal die arme Bevölkerung für sich haben schuften lassen. Aus diesem – und noch anderen Gründen – kam es am 25. April 1974 zur so genannten Nelkenrevolution.

Heute bekommen die ehemaligen Landarbeiter nur eine winzige Rente vom Staat. Es ist also kein Wunder, dass viele nur als Selbstversorger (über)leben können.

Selbstversorgung – der Traum vieler Zivilisationsaussteiger. Aber auch der Traum der Leute hier?

Auf dem Rückweg flanieren wir noch ein wenig durch die Gassen der Altstadt.

Überwintern in Portugal: Serpa

Hier hängen überall Lautsprecher an den Hauswänden, aus denen unablässig der leise Gesang von Männerchören auf uns herabrieselt.

Serpa ist die Hauptstadt des Cante Alentejano. Diese traditionellen Gesänge sind sogar Weltkulturerbe.

In einem urigen Laden für regionale Produkte verkauft eine ältere Dame mit Kopftuch vor allem Wein, allerlei Praktisches aus Kork, bestickte Tücher, hübsch bemalte Keramik, Honig… Ich gönne ich mir ein Stück handgemachte Seife aus Eselsmilch.

Überwintern in Portugal: Serpa

 

Überwintern in Portugal: Serpa

Auf unserem Weg durch Serpa kommen wir an einigen knorrigen Olivenbäume vorbei, die so aussehen, als wären sie schon ziemlich alt und hätten viel erlebt. Der älteste Olivenbaum wohnt übrigens auf Kreta und soll 4.000 Jahre alt sein.

Als wir auf dem Rückweg zu unserer Karre sind, biegt unser schwarzer Begleiter – wie schon so oft zuvor – in eine Seitenstraße ab. Und taucht, trotzdem wir einen Moment warten, nicht wieder auf.

Da wir in der Nähe unseres Ausgangspunktes sind, gehen wir davon aus, dass das hier wohl seine Heimat ist. Und er sich nun zu Hause erstmal eine Pause gönnen wird.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es in Portugal üblich ist, seinen Hund morgens rauszulassen. Damit er tagsüber spazieren gehen kann. Abends, wenn man dann von der Arbeit heim kommt, lässt man ihn wieder rein.

Keine Ahnung, was da dran ist. Abwegig finde ich es nicht. Es laufen überall in Serpa Hunde rum, sitzen vor Hauseingängen, liegen in Beeten. Scheint sehr normal zu sein. Und wir hoffen für unseren Begleiter, dass auch er zu den glücklichen gehört. Es ein Zuhause für ihn gibt. Wo eine zärtliche Hand ihn streichelt und versorgt. Oder er nicht irgendwann ein Opfer – des zumindest auf den Hauptstraßen mäßig – vorhandenen Verkehrs wird.

Im Alentejo gibt es eigentlich nur sehr wenig Verkehr. Selbst in den größeren Orten gibt es davon kaum etwas. Wo bei uns alle mit ihren Autos in Höchstgeschwindigkeit unterwegs sind. Die Paketdienste die Straßen verstopfen. Die Müllabfuhr ihren Dienst verrichtet. Taxis, Klempner, Maler, Elektriker gestresst von Staus und roten Ampeln von Kunde zu Kunde hetzen – immer darauf bedacht, es noch rechtzeitig zu schaffen – entsteht hier der Eindruck, dass niemand irgendwo hin muss.

Für die Nacht fahren wir wieder an den kleinen Stausee, denn wir haben morgen in Serpa noch etwas zu erledigen.

 

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Über Steffi und Olaf

Gemeinsam mit unserer Hündin Lucy wohnen wir in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor wir zum „Leben auf Rädern“ kamen, sind wir mit dem Fahrrad gereist. Davor lebten wir in einem Haus, hatten ganz normalen Jobs - der ganz normale Wahnsinn... Schnell haben wir festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahmen wir ein Jahr Auszeit und sind so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 sind wir wieder unterwegs und unser Leben hat sich komplett geändert. Folge uns via Feedly und Bloglovin´

5 comments

  1. Ich fahre gerade dem Guadiana runter. Gestern glaube ich haben sich unsere Wege in Moura gekreuzt.

  2. mein heimat ist klein aber sehr interessant

  3. Toller Beitrag 🙂 Und das mit den Hunden scheint wirklich so zu sein, dass die morgens raus gelassen werden und nach der Arbeit wieder in Haus dürfen. Denen geht es zumindest besser, als vielen anderen Freigängern. 😀 Und alle Portugiesen, die ich bisher gesehen habe, nehmen darauf Rücksicht und vor allem den “Fuß vom Gaspedal”.

    Ich wünsche mir oft, das andere Nationalitäten einmal genau so entspannt sind 😉

    Gruß, Klaus

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