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Bulli Office: Carina reist und arbeitet in Südamerika

Bulli-Office: Wie Carina durch Südamerika reist und unterwegs arbeitet

Carina reist für mindestens ein Jahr mit einem VW-Bus durch Südamerika. In ihrem Beruf kann sie ortsunabhängig arbeiten. So bringt Carina zwei Träume unter einen Hut: Den Traumjob und die Traumreise.

Wie sie das macht erfährst du in diesem Interview.

 

Carina

Hej, ich bin Carina, 27 Jahre alt und lebe und arbeite seit 6 Monaten in meinem VW T3 in Südamerika.

Nach Argentinien und Chile bin ich mittlerweile in Bolivien angekommen, von dort geht es entlang der Panamericana weiter gen Norden.

Ich bin Motion Designerin mit Schwerpunkt auf Filmschnitt und 2D Animation. Über meinen Reise-Lauf-Blog TRAVEL RUN PLAY und den dazugehörigen Youtube Kanal verdiene ich zudem Geld über Kooperationen und Beratungen im Bereich Youtube Marketing.

Wir haben festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist Arbeiten und Reisen unter einen Hut zu bekommen. Wie empfindest du das?

Da gebe ich Euch grundsätzlich Recht. Es kommt stark darauf an, wie man reist und wie man sich organisiert. Ich bevorzuge definitiv langsames Reisen, das heißt länger an einem Ort bleiben und ihn wirklich erleben statt nur zu bereisen. Im Idealfall besteht dadurch eine Balance aus Arbeitsalltag und Erkundungsaktivitäten, wodurch man nicht das Gefühl bekommt man hätte nur gearbeitet und hätte nichts von dem Ort gesehen.

Als Reisende/r mit eigenem Van oder Wohnmobil ist man jedoch natürlich flexibler und schneller mal von einem Ort zum nächsten gefahren (es gibt einfach so viele schöne Orte!). Manchmal ist das Weiterziehen zu verlockend. Da muss ich mich selbst oft ausbremsen.

Reisen und Arbeiten mit VW BusWo liegen deiner Meinung nach die Herausforderungen beim Arbeiten „von unterwegs“?

Als ortsunabhängige/r Selbstständige/r muss man meiner Meinung nach sehr viel mehr planen, als wenn man von Zuhause aus arbeitet. Da wäre zum Einen die Koordination verschiedener Zeitzonen, die Verfügbarkeit von schnellem Internet für Uploads (gerade für meine Arbeit mit Videos ein wichtiges Thema) oder SkypeMeetings und das Ausblenden von Ablenkungen, da die meisten anderen Reisenden um Dich herum ja „im Urlaub“ sind und keine Deadlines haben.

Dabei ist Disziplin natürlich ein wichtiges Thema, aber noch viel mehr hilft mir dabei der bereits oben genannte Punkt: langsames Reisen.

Wo liegen deiner Meinung nach die Herausforderung beim Arbeiten „auf Rädern“ in dem Land, in dem du gerade bist?

Hier in Bolivien finde ich es momentan echt klasse zu arbeiten, da das mobile Internet unschlagbar günstig und schnell ist.

In Argentinien und Chile, wo ich die letzten sechs Monate verbracht habe, war es sehr viel schwieriger eine stabile Internetverbindung zu finden. Zudem war das Datenvolumen übers Handy leider nicht für größere Uploads zu gebrauchen und auch recht teuer.

Das einzige Problem in Bolivien ist die Stromabdeckung. Da ich keine unabhängige Stromquelle im T3 habe bin ich auf externe Versorgungen angewiesen. Oft wird der Strom erst am Abend eingeschaltet oder es gibt Stromausfälle. So muss ich mir die (Akkulauf-)Zeit meines Laptops immer sehr gut einteilen.

Wie lange bist du im Schnitt an einem Ort?

Das kommt auf die Projektlage und die Orte auf meiner Route an. Wenn ein größerer Auftrag ansteht können das 2-4 Wochen sein. Für die Arbeit an meinem Blog, meinem Youtube Kanal und an meinem neuen E-Book GET READY TO RUN benötige ich keinen festen Standort, da ich die meisten Aufgaben und Veröffentlichungen vorplane.

Wenn mir ein Ort besonders gut gefällt, beispielsweise Valparaiso in Chile, bleibe ich auch einfach mal so länger. Generell bin ich jedoch immer mindestens 5 Tage an einem Ort.

Hast du einen bestimmten Workflow entwickelt, der an jedem Ort gleich ist?

Bisher nicht, außer dass ich erst einmal nach der nächstgelegenen Stromquelle suche 😉

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Ich habe eine ziemlich feste Morgenroutine, die aus Meditation, Morgenseiten schreiben und Laufen bzw. Yoga besteht. Das ist eigentlich der einzige „Alltag“, den ich habe, da jeder Arbeitstag grundsätzlich verschieden ist.

Bei der Planung meiner To-Do-Liste richte ich mich nach Internet- und Stromkapazitäten vor Ort. Wenn ich ein Video drehe muss ich zudem auf die Geräuschkulisse in meiner Umgebung achten. Somit stellt sich jeder Tages-
Arbeitsablauf an einem anderen Ort unterschiedlich neu zusammen.

Reisen und Arbeiten mit VW BusWie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Mein Schreibtisch ist das drehbare Tischchen in meinem T3, das auch als Esstisch dient. Wahlweise arbeite ich dann von der Couch aus oder ich setze mich für einen Perspektivwechsel aufs Cajon, das auf der gegenüberliegenden Seite steht und etwas höher ist.

Was wünscht du dir, was könnte besser oder anders sein in deinem Arbeitsalltag?

Ich habe die Angewohnheit mehrmals am Tag meine Emails zu checken, was mich in meiner Produktivität massiv ausbremst. Seitdem ich im Van lebe hat sich das aufgrund der Internetsituation zeitweise gebessert, doch habe ich nun mit meiner tollen SIM-Karte hier in Bolivien wieder den Freifahrschein zum Email abrufen.

Doch ab sofort ist Schluss damit! Ab morgen nehme ich mir vor: nur noch zwei Mal am Tag zu festen Uhrzeiten das Mail-Programm öffnen. Wer macht mit?

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Wie reagieren andere, wenn sie erfahren, dass du im Van lebst und arbeitest?

Oft werde ich erst einmal mitleidig angeschaut, da ich während dem Reisen arbeiten „muss“. Wenn ich dann erkläre, dass mir meine Arbeit riesigen Spaß macht und ich den Job gerne mit meiner anderen Leidenschaft, dem Reisen verbinde, herrscht etwas Verwirrung.

Für die meisten Menschen ist der Job eine eher nervige Angelegenheit, die jedoch das nötige Geld einbringt, um ihre wahren Träume zu verwirklichen. Die Möglichkeit, dass man mit seiner Leidenschaft Geld verdienen könnte, kommt vielen nicht einmal in den Sinn.

Ich finde es interessant zu sehen, wie viele Leute dann ins Grübeln kommen und mir und auch sich selbst eingestehen: „Ja, stimmt schon. Mein Job sollte mir eigentlich Spaß machen. Vor allem, da ich 40, 50, 60 Stunden meiner Woche und letztlich meines Lebens damit verbringe.“

Reisen und Arbeiten mit VW Bus

Hast du Tipps für Menschen, die auch auf Rädern arbeiten wollen?

Bevor Du Dir einen Camper kaufst und losziehst, leih Dir* für mindestens 1-2 Wochen mal probeweise ein Wohnmobil oder einen Van aus.

Fahre etwas raus, teste wie es ist dein Business auch mal ein paar Tage ohne Internet zu koordinieren und ob Campingplätze was für Dich sind. Denn in der Realität steht man doch häufiger auf einem Campingplatz als an einem einsamen Strand. Vor allem, da Wildcamping nicht überall erlaubt und auch nicht überall sicher ist.

 

Dies war ein weiteres Interview aus der Reihe „Arbeiten auf Rädern“.

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About Steffi

Mein Name ist Steffi. Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor ich zum „Leben auf Rädern“ kam, bin ich mit dem Fahrrad gereist. Davor lebte ich in einem Haus, hatte einen ganz normalen Job bei einer Bank  - der ganz normale Wahnsinn... Schnell habe ich festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahm ich ein Jahr Auszeit und bin so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 bin ich wieder unterwegs und mein Leben hat sich komplett geändert. Folge mir:

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