Abenteuer Arbeiten – Wie Nima durch Spanien reist und von unterwegs arbeitet

Nima lebt in einem Oldtimerbus und erkundet Spanien. Sie ist gerade dabei sich als Digitale Nomadin ein Onlinebusiness aufzubauen. Das heißt: Zum Arbeiten klappt sie einfach ihr Notebook auf.

Ob das wirklich so einfach ist, welche Herausforderungen das Arbeiten unterwegs mit sich bringt und was sonst noch so los ist, erzählt Nima in diesem Interview.

Lies auch hier, wie sich Langzeitreisende die Weltreise finanzieren.

Arbeiten auf Rädern: Die Herausforderung Reisen in Spanien und Arbeiten unterwegs unter einen Hut zu bringen.

Zunächst wäre es toll, wenn du dich kurz vorstellen würdest. Wo und wie lebst du? Wo und wie reist du? Womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?

Digitale Nomaden Spanien: Nima an ihrem Arbeitsplatz im Wohnmobil
Nima an ihrem Arbeitsplatz im Wohnmobil

Hey, bin ich Nima, 41 Jahre alt und wohne seit sechs Monaten in einem Oldtimer-Mercedes Bus namens Horst.

Zusammen mit meinem Freund und unseren zwei Hunden reisen wir durch Spanien und stehen mit unserem Bus grundsätzlich frei.

Als totale Fans von Outdooraktivitäten sind wir am liebsten sind irgendwo in den Bergen unterwegs, von denen es in Spanien mehr als genug gibt. Wir können ca. eine Woche autark stehen, dann müssen wir den Wasservorrat wieder auffüllen.

Unseren Lebensunterhalt bestreiten wir teilweise von Erspartem, das wir uns in den letzten zwei Jahren zur Seite gelegt haben. Ich arbeite aber auch von unterwegs und bekomme dadurch verschiedenen Einnahmen.

Zum Beispiel schreibe ich Texte für andere Blogs oder Unternehmen und habe zwei eigene Projekte, die ich gerade aufbaue:

  1. Einen Onlineshop mit originellen Geschenken für Kletterer Klettergeschenke
  2. Coaching für Menschen, die sich mehr Mut, mehr Spaß und mehr Freiheit in ihrem Leben wünschen

Und dann habe ich noch meinen Blog rund um Spanien, den ich natürlich auch ständig mit aktuellen Infos fülle.

Wir haben festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist Arbeiten und Reisen unter einen Hut zu bekommen.

Wie empfindest du das?

Damit man es einfach unter einen Hut bekommt, müsste es jedenfalls ein sehr, sehr großer sein …

Ich sehe es auch so, dass es eine echte Herausforderung darstellt und ich viel Disziplin und Struktur benötige, um beides zu vereinbaren.

Als wir mit der Reise begonnen haben, war es immer klar, dass ich von unterwegs arbeite, allerdings keine 40 Stunden pro Woche. Schließlich möchte ich etwas von Spanien sehen und nicht dauernd vorm Rechner hocken.

Die Verlockungen, etwas zu unternehmen statt zu arbeiten, sind je nach Region wirklich groß.

Andererseits empfinde ich solche Klagen, zumindest in meinem Fall, als Jammern auf sehr hohem Niveau. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich Reisen und Arbeiten miteinander verbinden kann. Dass es manchmal herausfordernd ist, gehört halt dazu.

Wo liegen deiner Meinung nach die Herausforderungen beim Arbeiten „von unterwegs“?

Die größte Herausforderung liegt für mich darin, dass ich keinen fest strukturierten Alltag habe. Es ist schnell mal ein Tag vorbei, an dem wir Erledigungen gemacht haben, ohne, dass ich auch nur eine Sekunde zum Arbeiten gekommen bin.

Ein anderer Punkt ist die Notwendigkeit, online zu sein. Das Internet im Wohnmobil bietet mir zwar die Möglichkeit, ortsunabhängig zu arbeiten, aber es erzeugt halt auch eine Abhängigkeit. Ich kann maximal drei Tage offline sein. Das ist dann auch schon eine lange Zeit, in der sich die Arbeit anhäuft.

Wenn ich dann online bin, habe ich zig Dinge gleichzeitig zu tun und muss mich wirklich gut organisieren, um den Überblick zu behalten.

E-Mails und Kommentare beantworten, Auftragstexte versenden, Blogartikel einstellen, meine Social Media Kanäle betreuen – nach einem Onlinetag bin ich abends echt erledigt.

An den anderen Tagen, an denen ich nicht im Internet bin, versuche ich, die Balance zwischen Freizeit und Arbeit zu finden. Denn nur, weil ich offline bin, heißt das nicht, dass ich nichts zu tun habe.

Ich schreibe die Auftragstexte, bereite Blogartikel vor, bearbeite die Fotos und schreibe an einem Buch.

Aber natürlich möchte ich auch etwas von Spanien sehen, Sport machen oder etwas mit meinen Hunden unternehmen. Das ist der Punkt, an dem die Disziplin ins Spiel kommt, wenn man von unterwegs arbeitet.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Internet an sich. Um online Geld zu verdienen, ist ein zuverlässiger Internetzugang notwendig. In den Bergen haben wir mit SIM-Karten schlechte Erfahrungen gemacht und es ist ein echtes Glücksspiel. Das kann ich mir aber nicht erlauben, deshalb haben wir uns für die Sat-Lösung entschieden.

Wenn ich ins Internet gehen möchte, baut mein Freund auf dem Bus die Sat-Schüssel auf. An Tagen, an denen wir rumfahren, bin ich komplett offline oder muss – wenn es was Dringendes gibt – irgendwo öffentliches WLAN nutzen.

Für meine Arbeit muss ich jedenfalls gut vorausplanen, denn mir ist Zuverlässigkeit sehr wichtig.
Deshalb muss ich einen guten Überblick über all meine Aufgaben behalten und sie vernünftig strukturieren.

Arbeiten unterwegs
Horst

Wo liegen deiner Meinung nach die Herausforderung beim Arbeiten unterwegs „auf Rädern“ in dem Land, in dem du gerade bist?

Für mich ist Spanien ein angenehmes Land, um auf Rädern zu arbeiten. Es gibt viele Orte, an denen wir vollkommen abseits freistehen können und das auch mal über mehrere Tage am Stück. Bisher hat sich auch noch nie jemand darüber beschwert, dass wir unsere Sat-Schüssel aufgebaut haben.

Was wir bei der Wahl unserer Stellplätze berücksichtigen müssen, ist der Sat-Empfang. Wenn es der Platz nicht hergibt, dass wir über Sat ins Internet gehen können, dann müssen wir an einen Ort fahren, an dem das möglich ist. Reine Online-Arbeitstage können deshalb auch schon mal in einem Umfeld sein, das nicht so idyllisch ist, dafür aber ein vernünftiges Arbeiten gewährleistet.

Wenn es eine Sache gibt, die mir das Arbeiten in Spanien manchmal etwas erschwert – zumindest im Winter – dann sind es die zum Teil heftigen Stürme. An solchen Tagen können wir kein Sat aufbauen, weil es uns sonst die Schüssel vom Bus fegt. Das sind dann die Momente, die das mobile Arbeiten erschweren.

Wie lange bist du im Schnitt an einem Ort?

Puh, das kann ich kaum beantworten.

Wir waren zum Beispiel fast drei Wochen in Albarracin und El Chorro, manchmal fahren wir aber auch nach einem Tag weiter.

Unser Ziel ist es aber schon, länger an Plätzen zu bleiben, an denen es uns gefällt. Das schwankt zwischen drei Tagen und drei Wochen.

Da spielen viele Faktoren rein, die das Ganze mitbestimmen. Durch das Freistehen hängt unsere Aufenthaltsdauer natürlich auch stark davon ab, ob wir dort längere Zeit ohne Probleme bleiben können.

Hast du einen bestimmten Workflow entwickelt, der an jedem Ort gleich ist?

Nein, bisher noch nicht. Meine Onlinearbeitstage fangen ungefähr gegen 10.30 Uhr an und hören abends gegen 19.30 Uhr auf.
An den anderen Tagen schiebe ich meine Arbeit so in den Tagesablauf, wie es sich ergibt.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Einen richtigen Alltag gibt es nicht.

In der Regel checke ich zuerst meine E-Mails und beantworte dringende sofort. Alles andere hängt davon ab, was gerade ansteht.

Wichtig ist mir aber immer, dass ich mittags eine ausreichend lange Pause mache, in der ich mich gut erhole und auch mal etwas Sport mache, um den Kopf frei zu bekommen.

Durch das Bloggen wird mein Alltag auch in privaten Bereichen stark beeinflusst. Wenn wir irgendwo unterwegs sind, habe ich den Blog immer in Hinterkopf und halte Ausschau nach guten Fotos oder interessanten Infos. Das kann manchmal ein wenig nervig sein …

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Wir haben einen Esstisch im Bus, an dem ich auch arbeite. Bisher war es im spanischen Winter zu kalt, um draußen zu sitzen. Vorm Bus haben wir aber eine große Markise, sodass ich auch im Freien arbeiten kann.

Die Sitzbank ist nicht auf lange Arbeits-Sessions ausgerichtet, da muss ich noch ein wenig nachbessern. Abends tut mir jedenfalls häufig der Rücken weh …

Arbeiten auf Rädern - Horst am See
Arbeiten auf Rädern: Horst

Was wünscht du dir, was könnte besser oder anders sein in deinem Arbeitsalltag?

Ich benötige an manchen Stellen noch mehr Fokussierung, um meine Aufgaben unter einen Hut zu bekommen.

Mein Buchprojekt fällt zum Beispiel oft hintenüber, weil andere Dinge wichtiger sind. So komme ich damit nur schleppend voran, obwohl es mir sehr am Herzen liegt.

Für unseren Onlineshop wäre es außerdem hilfreich, wenn ich zwischendurch häufiger die Mails checken könnte. Deshalb überlege ich nun, ob ich mir doch eine Datenkarte besorge.

Erleichtert hat sich mein Alltag dadurch, dass ich inzwischen einen Autoresponder eingestellt habe. Darin informiere ich Kunden und Auftraggeber, dass ich mobil aus dem Bus heraus arbeite und nicht täglich online bin. So wissen sie Bescheid, dass meine Antwort manchmal ein paar Tage dauern kann und sind beruhigt. Bisher haben alle sehr verständnisvoll reagiert, darüber bin ich froh.

Wie reagieren andere, wenn sie erfahren, dass du im Wohnmobil lebst und arbeitest?

Die meisten können sich das nur für eine Weile vorstellen, also für einen Urlaub oder eine längere Auszeit. Und sie fragen immer danach, womit ich denn mein Geld verdiene. Dass es einige Möglichkeiten gibt, über das Internet zu arbeiten, ist vielen gar nicht bewusst.

Die Aussage „das könnte ich auf Dauer nicht“ höre ich jedenfalls häufig. Vielen wäre es zu eng oder zu unkomfortabel, da wir zum Beispiel nur eine Kaltwasser-Außendusche haben.

Für mich dagegen bedeutet unser aktuelles Leben Luxus, da ich viel mehr Freiheiten genieße und einen engen Kontakt zur Natur habe.

Hast du Tipps für Menschen, die auch unterwegs arbeiten wollen?

Mit Tipps ist das immer so eine Sache.

Einen pauschalen kann ich gar nicht geben, weil das Arbeiten auf Rädern von vielen Faktoren abhängt.

Wie will der- oder diejenige reisen? Überwiegend auf Stellplätzen oder freistehend? In welchem Land? In der Natur oder mehr in der Nähe von Städten? Welche Erfahrungen werden mitgebracht, wenn es um das Thema Selbstorganisation geht? Soll es Arbeit über das Internet sein oder Jobs vor Ort? Besteht schon eine gut laufende Selbstständigkeit oder wird diese gerade aufgebaut? Wie gut muss die Online-Erreichbarkeit sein?

Wer noch nie selbstständig gearbeitet hat, fühlt sich vielleicht beim Arbeiten auf Rädern überfordert, seinen Alltag zu strukturieren. Andere sind darin vielleicht grundsätzlich gut und haben damit keine Probleme.

Für mich sind die wichtigsten Punkte Disziplin, Fokussierung und Struktur. Auf jemand anderen mag das nicht zutreffen.

Das Arbeiten auf Rädern ist eine tolle Option, sein Leben frei zu gestalten. Aber wie immer zahlt man irgendeinen Preis und sollte sich der damit verbundenen Konsequenzen bewusst sein.

Dies war ein weiteres Interview aus der Reihe „Arbeiten auf Rädern“.

Wenn du noch mehr darüber erfahren möchtest, dann lies auch diese Interviews:

⇒Bulli-Office: Wie Carina durch Südamerika reist und unterwegs arbeitet

⇒Das Wohnmobil als Rolling Office: In diesem Interview erzählt Carsten von seinem Leben als Digitaler Nomade mit Wohnmobil

⇒ Landrover-Office: So finanzieren sich Ellen und Jonas eine zeitlich unbeschränkte Weltreise

⇒ Work and Travel mal anders: Wie du als Digitaler Nomade Australien bereisen kannst

⇒ Work. Travel. Surf: So findest du die perfekte Surf-Work-Ballance

Und du?

Hast du Fragen an Nima?

Hast du ebenfalls Erfahrungen als Digitaler Nomade im Wohnmobil oder in Spanien?

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Kommentare zum Beitrag

9 Gedanken zu „Abenteuer Arbeiten – Wie Nima durch Spanien reist und von unterwegs arbeitet“

  1. Hola Nima,

    habe gerade gelesen, dass Ihr jetzt in Griechenland unterwegs seid.
    Ich wohne zZt noch fest auf La Palma und bin gerade dabei, mich auf exakt den gleichen Weg zu begeben – ich arbeite als Übersetzer, habe zwei Hunde und einen 1971er Mercedes-Bus mit dem gleichen spitz zulaufenden Alkoven :D

    Den fahre ich jetzt erst mal nach Deutschland um ihn ein bisschen zu restaurieren, und im Herbst 17 geht’s dann los nach Spanien. Vielleicht bist du ja bis dahin auch mal wieder in Spanien und man läuft sich über den Weg? :D

    Liebe Grüße

    Wolfi

    Antworten
    • Hey Wolfi, das sind ja einige Parallelen :-) Unser grober Plan für den nächsten Herbst ist Nordspanien, Portugal und Marokko. Wäre schön, dich unterwegs zu treffen :-)
      Liebe Grüße Nima

      Antworten
  2. Ich find deinen Blog einfach so inspirierend ;) Ich überlege selbst, wie ich mir eigene Inspirationen für ein bewusstes Leben einholen kann ! Mich würde es interessieren, wie andere Blogs mich zunächst als Texterin einstellen? Hättest du in der Hinsicht Tipps für mich? Deine Art zu leben ist echt toll *_* Ich bin selbst eine Anders- Denkende und möchte mich von dem System der Gesellschaft irgendwann abnabeln.
    Ebenso finde ich den Blog zu Spanien hinreißend. Bin selbst Spanierin und schmelze schon dahin, wenn ich Andalusien höre . ! Mach weiter so!!Wie hast du eigentlich deinen Blog erstellt? Ich möchte auch gerne einen Blog erstellen, weiß nur nicht genau wie.

    Antworten
    • Hallo Jessica,
      das sind ja direkt einige Fragen und ich schaue mal, dass ich sie dir alle beantworte :-)

      Also, Aufträge als Texterin habe ich dadurch bekommen, dass mein Blog immer bekannter geworden ist und andere thematisch auf mich aufmerksam geworden sind. Zum Teil sind Leute auf mich zugekommen und haben gefragt, ob ich gerne für sie schreiben möchte, teilweise habe ich mich aber auch beworben. Dafür war es natürlich gut, den eigenen Blog als Referenz verwenden zu können.
      Aufträge als Texterin bekommst du aber auch in einigen spezifischen Facebook-Gruppen rund ums Texten.

      Meinen Blog habe ich mit einem kostenpflichtigen WordPress-Theme erstellt und es war im Grunde recht einfach. Im Internet findest du eine Menge Anleitungen dazu, wie du vorgehen kannst.

      Mein Rat:
      Fang einfach an, nachbessern kannst du im Laufe der Zeit immer :-)

      Und natürlich lieben Dank für dein Lob zu meinem Blog. Auch wenn ich aktuell in Griechenland unterwegs bin, hängt mein Herz weiterhin sehr an Spanien!

      Liebe Grüße
      Nima

      Antworten
  3. Coller Artikel vieles kommt mir bekannt vor auch wenn ich mich noch ausschließlich in Österreich aufhalte.

    Das Leben auf der Straße ist toll bringt aber auch immer wieder neue Herausforderungen mit sich, welche?

    Ich habe es vorgezogen den Winter in den Bergen auf einer Hütte zu verbringen. Es war traumhaft.

    Nina ich wünsche euch alles gut und vl. stell ich mich ja mal zu euch würde mich sehr über E-Mail Kontakt freuen. wennnichtdu@gmx.at

    Alles liebe Stephan

    Antworten
    • Hey Stephan,
      in den Bergen auf einer Hütte zu sein, finde ich auch genial! Aus Österreich, aus dem Stubaital, kommt eine meiner beiden Hündinnen. Ich bin dort jahrelang hingefahren und liebe es dort.
      Wir können sehr gerne im Kontakt bleiben. Wie wir uns finden, wissen wir ja ;-)
      Liebe Grüße aus Andalusien
      Nima

      Antworten

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