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Überwintern

Überwintern im Süden vs Überwintern im Norden Teil 2

Im ersten Teil von Überwintern im Süden vs Überwintern im Norden haben wir bereits vom „Experiment – Überwintern im Norden im Wohnmobil“ berichtet.

Der 2. Wintermonat in Deutschland liegt nun hinter uns. Der Dezember ist gerockt! Wie er war?

Überwintern im Norden: Dezember

Dank der milden Temperaturen haben wir den Monat technisch gesehen problemlos überstanden.

Einzig der Generator macht uns etwas Sorge, weil er nur schlecht anspringt und unrund läuft. Es gibt auch nur wenige Plätze, wo wir ihn anmachen können, ohne jemand anders zu stören. Uns selbst nervt das Gebrumme schon ziemlich. Glücklicherweise müssen wir ihn nicht jeden Abend starten, denn hin und wieder waren wir auf Wohnmobilstellplätzen, wo es einen Stromanschluss gab.

Wir merken aber, dass uns die viele Dunkelheit, der viel zu oft graue Himmel und die fehlenden Farben nach wie vor zu schaffen machen.

Auch wenn uns der Dezember in dieser Hinsicht freundlicher vorkam als der November, spielt sich unser Leben viel mehr drinnen ab, als dies im Süden der Fall gewesen wäre. Sogar Lucy wollte an manchen Tagen gar nicht gerne raus gehen. Die Erinnerung an Strand, Meer und Sonnenschein hat uns oft eingeholt und es kamen Gedanken auf wie „ach wären wir doch…“.

31.12.13 Boca do Rio
31.12.13 Boca do Rio

Natürlich sind wir immer noch oft draußen. Als Norddeutsche kennen wir das ja auch eigentlich: Den Regen, den Wind, das Schmuddelwetter. Also Gummistiefel an, Jacke zugeschnürt und los!

Kann man machen, ja. Toll ist aber anders. Interessant ist, dass wir draußen meistens nur auf andere Hundebesitzer treffen. Vor allem außerhalb der Stadt. Wer da keinen Hund hat, geht im Winter anscheinend nicht mehr vor die Tür.

01. Januar 2015 am Weserstrand in Kleinensiel
01. Januar 2015 am Weserstrand in Kleinensiel

Den Verkehrswahnsinn und die ständige Eile der Menschen nehmen wir immer noch stark wahr.

Irgendwie können wir uns daran nicht mehr gewöhnen. Es scheint, als befänden wir uns auf einem anderen Energielevel. Als würde unsere innere Uhr anders ticken und wir nicht mehr synchronisierbar sein mit dem Lebenstakt der Menschen hier im Norden.

Als besonders schlimm empfanden wir die Vorweihnachtszeit. Der allgemeine Stress lag in der Luft. Man konnte ihn atmen und spüren.

So suchen wir uns Nischen. Plätze, an denen wir davon nicht so viel mitbekommen. Das wird aber Zusehens schwieriger. Vor allem in der Stadt.

Aufgeatmet haben wir in den Weihnachtsfeiertagen. Es war schon fast unheimlich, als mittags am 24. Dezember eine so plötzliche Stille einkehrte. Überall gingen die Lichter aus, kein Auto fuhr mehr, niemand war mehr auf der Straße – wo eben noch das Chaos herrschte.

Wir konnten die Welt aufatmen hören und standen eine Weile ungläubig in Grasberg auf dem Wohnmobilstellplatz bis wir realisierten, was da gerade geschehen war.

Wenn es doch immer so wäre!

Ein großer Vorteil beim Überwintern in der Heimat ist: Wir treffen unsere Bremer Freunde.

In der Algarve, saßen wir gemeinsam draußen in der Sonne oder am Lagerfeuer. Wir machten Ausflüge, oder fuhren zusammen zum Einkaufen.

Freunde und Bekannte, die wir unterwegs treffen, haben meistens viel Zeit. Sie müssen nicht arbeiten, haben viel weniger Termine und man trifft sich zufällig oder spontan. Das klappt meist ganz ohne Verabredungen und Planung.

Und da wir dann oft noch „Nachbarn auf Zeit sind“, weil wir am gleichen Ort parken und wohnen, sieht man sich meistens nicht nur für 2 Stunden am Nachmittag auf einen Kaffee, sondern verbringt mehrere Tage zusammen.

Die Nachbarschaft vom Praia Barranco, Algarve, Portugal
Die Nachbarschaft vom Praia Barranco

Die Treffen mit Freunden in Bremen sind leider viel zu selten.

Manche sind den Winter über verreist, andere müssen den ganzen Tag arbeiten und haben auch sonst einen vollen Terminkalender. Und da wir das Stadtleben meiden und so oft es geht raus auf´s so genannte „Land“ fahren, bleiben gar nicht so viele Gelegenheiten für Unternehmungen mit Freunden.

Und wenn wir sie dann treffen, dann Drinnen, in deren Küchen oder Wohnzimmern, oder in Cafés. Was ein bisschen Schade ist, ist dass es für uns nicht so einfach ist, bei unseren bescheidenen Platzverhältnissen Besuch zu empfangen und zu bewirten.

Am Weserstadion
Am Weserstadion

In diesem Dezember waren wir viel unterwegs.

Auf der Suche nach Wohnmobilstellplätzen mit Strom unternahmen wir eine Erkundungstour ins Bremer Umland.

In den 31 Tagen wohnten wir an 9 Orten. Das heißt, dass wir im Schnitt 3,5 Tage an einem Ort verbracht haben. Wir sind ca. 500 km gefahren.

Letzten Dezember in der Algarve blieben wir viel länger an einem Platz. An 31 Tagen wohnten wir an 4 verschiedenen Orten. Wir waren im Schnitt also fast 8 Tage an der selben Stelle, bevor wir weitergezogen sind. Wir sind dort ca. 200 km gefahren.

Das wir jetzt so viel unterwegs waren liegt vor allem daran, dass wir Strom benötigen, um unsere Batterien zu laden.

Und daran, dass es gar nicht so viele vom Preis-Leistungs-Verhältnis interessante Wohnmobilstellplätze mit Stromanschluss in der Bremer Umgebung gibt, auf denen wir uns wohlfühlen.

Die Bremer Stellplätze kommen für uns aufgrund des Publikums, des Ambientes und der Kosten nicht in Frage. Außerdem ist das Stadtleben einfach nichts für uns.

Wohnmobilstellplätze um Bremen

Am nächsten liegt der Wohnmobilstellplatz in Delmenhorst. Der ist allerdings auf einem Großparkplatz mitten in der Stadt und meistens ziemlich voll und die 4 Stromsteckdosen sind meist schon belegt.

Der Wohnmobilstellplatz in Ganderkesee ist dagegen meistens leer. Liegt aber direkt an einer viel befahrenen Hauptstraße. Wir sahen selten mal Menschen, die nicht im Auto an uns vorbeirasten und fühlten uns dort irgendwie nicht wohl.

Wohnmobilstellplatz Ganderkesee
Wohnmobilstellplatz Ganderkesee

In Ottersberg gibt es wohl einen Stromanschluss, aber der ist an einer so unsinnigen Stelle aufgebaut, an der man eigentlich nicht parken kann. Er befindet sich zudem auf dem Parkplatz einer Sportanlage. Den ganzen Tag ein einziges Kommen und Gehen (per Auto natürlich).

Ganz nett ist der Wohnmobilstellplatz in Grasberg. Zwar auch mitten im Ort, aber dafür auf einer großen Wiese (gleich hinter Lidl). Da sind die Wege kurz. Aber nach ein paar Tagen wurde es langweilig, weil es dort nicht viel gibt, was wir unternehmen könnten.

Wohnmobilstellplatz Grasberg
Wohnmobilstellplatz Grasberg

Am Stoteler See entdeckten wir einen Parkplatz (kein Wohnmobilstellplatz) auf einer großen Wiese. Recht wenig los, immer mal wieder ein paar Leute, die mit ihren Hunden da waren. Nach Einbruch der Dunkelheit war da niemand mehr, so dass wir den Generator laufen lassen konnten. Nachteil: Direkt neben der Autobahn.

Am Stoteler See
Am Stoteler See

Schließlich waren wir dann noch in Kleinensiel. Da ist es auch super. Kostenloser Wohnmobilstellplatz mit Stromanschluss (8 Stunden/1 Euro), wenig los und viel Auslauf für Mensch und Tier an der Weser.

Wohnmobilstellplatz Kleinsiel
29.12.14 Wohnmobilstellplatz Kleinsiel

Ausgaben im Dezember

Knapp 30 Euro haben wir ausgegeben für Strom. 15 Euro haben wir in die diversen Automaten gesteckt und der Rest ist für Sprit für den Generator draufgegangen.

Über die Solaranlage auf dem Dach ist so gut wie nichts reingekommen, denn meistens hat die Sonne ja gar nicht geschienen und der Himmel war bedeckt. Wenn sie denn mal schien, hat auch das Aufstellen der Solarmodule in Richtung Sonne keinen nennenswerten Mehrertrag eingebracht, der den Aufwand gerechtfertigt hätte.

Im letzten Jahr in der Algarve haben wir keinen Euro für Strom ausgegeben.

Dank der milden Temperaturen in diesem Dezember halten sich auch die Kosten für´s Heizen in Grenzen. Im Schnitt verbrauchten wir jede Woche eine 11 kg Gasflaschenfüllung, macht 63,80 Euro.

Demgegenüber stehen keine Ausgaben für den Dezember 2013. In der Algarve hatten wir die Heizung meist nur morgens und abends kurz an.

Unser Kühlschrank läuft mit Strom (Kompressor-Kühlschrank). Zur Zeit ist der eh aus und die Lebensmittel, die gekühlt werden müssen, liegen vorne im Fahrerhaus.

Überwintern im Süden vs Überwintern im Norden: Wie viel kostet das?

Auch für den Dezember haben wir wieder die jeweiligen Ausgaben rausgesucht. Jetzt stellen wir die Ausgaben vom Dezember 2013 und vom Dezember 2014 gegenüber:

 

Dezember Deutschland 2014 Algarve 2013
Diesel 74,63 € 0,00 €
sonstige Reisekosten 0,00 € 0,00 €
Stellplatz 0,00 € 0,00 €
Wasser 1,00 € 0,00 €
Gas 63,80 € 0,00 €
Strom 28,43 € 0,00 €
Krankenversicherung 181,42 € 82,14 €
Gesamt 349,28 € 82,14 €

 

Diesel: Wir sind im Dezember 2013 etwa 200 km gefahren. Im Dezember 2014 etwa 500 km. Das liegt daran, dass wir in der Algarve viel länger an einem Ort bleiben konnten (im Schnitt 8 Tage).

Gas: Im Winter 2013 hatten wir die Heizung nur morgens und abends kurz an und haben so kaum Gas verbraucht. Im Dezember 2014 haben wir jede Woche eine 11 kg Füllung verbraucht.

Strom: Im Dezember 2013 in der Algarve hat die Solaranlage auf dem Dach ausreichend Strom geliefert und es entstanden keine Kosten. Im Dezember 2014 im Norden hatten wir so gut wie jeden Abend entweder den Generator für mindestens 2 Stunden an, oder wir hatten einen Stromanschluss auf einem Wohnmobilstellplatz. In der Summe sind auch die Anschaffungskosten für den Generator in Höhe von 329,13 Euro enthalten. Wenn wir den Generator im Frühling wieder verkaufen, wird der Verkaufserlös verrechnet.

Die Kosten für Lebensmittel sind fast identisch und kommen in der Aufstellung nicht vor.

Und jetzt noch die Aufstellung der Gesamtausgaben:

 

Gesamt Deutschland Winter 2014/15 Algarve Winter 2013/14
November 809,42 € 859,49 €
Dezember 349,28 € 82,14 €
Januar
Februar
März
Gesamt 1.158,70 € 941,63 €

 

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Über Steffi

Mein Name ist Steffi. Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor ich zum „Leben auf Rädern“ kam, bin ich mit dem Fahrrad gereist. Davor lebte ich in einem Haus, hatte einen ganz normalen Job bei einer Bank  - der ganz normale Wahnsinn... Schnell habe ich festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahm ich ein Jahr Auszeit und bin so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 bin ich wieder unterwegs und mein Leben hat sich komplett geändert. Folge mir via Feedly und Bloglovin´

13 comments

  1. Willy Wacker

    Ja auch ich hatte schon an ein Windrad gedacht

  2. Thomas Rose

    Mal ne Idee zu dem Stromprolem. Im Norden geht ja immer Wind soweit ich weiß, mein Onkel kommt aus Emden. Wäre es da keine Überlegung ein flaches bzw auch ausziebares Windrad in Turbinenausführung auf das Dach des Koffers zu setzen? In flacher Position würdes es sogar im fahren die Batterien aufladen können. Ich habe das für unseren LKW der sich leider noch in der Planung befindet vorgesehen.

  3. Hallo liebe Steffi,
    ich habe Dir ja geschrieben, dass ich überlegt habe, an der Algarve zu überwintern. Es ist etwas anders geworden, aber auch ich ziehe nach den herrlichen Wochen in Portugal das Überwintern im Süden vor. Ich war in Lissabon und für ein paar Tage in Lagos, da ich im Unterschied zu Dir ein ziemliches Stadtkind bin. Ich habe von Lissabon aus aber noch einige Ausflüge in die Umgebung gemacht und ich bin von Portugal begeistert. Es ist wunderschön dort. Jetzt bin ich weitergezogen nach Barcelona und bin gespannt, wie es mir hier gefällt.
    Liebe Grüße ins kalte Deutschland. Claudia
    PS die Situation der Strassentiere im Süden bleibt für mich problematisch, aber Du hattest Recht, dass Portugal kein Vergleich zu Griechenland ist.

    • Hallo Claudia!

      Schön, von dir zu lesen! In Lissabon war ich noch nicht. Viele schwärmen so sehr von dieser Stadt, dass ich – als absoluter Stadtvermeider – gerne mal hinfahren würde.

      Viel Spaß auf deinen Wegen!

  4. Hallo Steffi,
    wir brechen diese Woche für 8-10 Wochen nach Südspanien auf. Wenn ihr einen Haussitterjob sucht oder einen kostenlosen Stellplatz bei uns in der Einfahrt in Mecklenburg-Vorpommern, dann meldet euch. Eventell auch für das kommende Jahr(falls ihr nicht wieder nach Süden zieht).
    LG ivonne

  5. Puh, das raubt mir grade ein wenig meine Illusionen! 😉 Ursprünglich wollte ich diesen Winter auch endlich mal wieder gen Süden, dann hab ich mich doch dagegen entschieden und finanzielle Gründe vorgeschoben. Statt dessen hab ich mir nen größeren Laster gekauft. Tja, anscheinend ist die Tour nach Süden gar nicht unbedingt die teurere Variante den Winter rumzubringen. Egal, diesen Winter wird der Laster fertiggeschraubt und nächsten Winter treffen wir uns bestimmt irgendwo in der Sonne!

    • Hallo Philip, schön dich kennenzulernen 🙂
      Noch sind die Euros ja noch nicht komplett ausgezählt. Es lieben ja noch ein paar Wochen vor uns. Allerdings gehe ich auch davon aus, dass der Winter im Süden günstiger ist.

      Hätte, hätte Fahrradkette – aber wäre der Winter bis jetzt kälter gewesen, wären die Kosten wohl noch höher ausgefallen.

  6. Liebe Steffi,
    danke für deinen ausführlichen Bericht über eure Zeit im Norden. Ich muss gestehen, dass ich es mir im Vergleich zur Algarve schon ziemlich hart vorstelle. Besonders dass das Wetter nicht gerade nach draußen zieht und die Welt so klein wird im Wohnmobil.
    Ich glaube, ich hätte die Flucht Richtung Süden ergriffen.

    • Danke Christiane für deinen Kommentar. Ja, das stimmt, das Leben findet drinnen statt. Leider nicht nur bei uns, bei allen anderen ja auch. In der Algarve kann man viel mehr Leute treffen und etwas zusammen unternehmen. Vor allem kostengünstige Unternehmungen…

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