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Citytrip Alentejo: Mertola, Moura, Luz, Monsaraz

Citytrip Alentejo: Mertola, Moura, Monsaraz, Luz & der Alqueva Stausee

Auf unserem Roadtrip entlang des Rio Guadiana in Portugal haben wir bisher fast ausschließlich die Naturschönheiten des Alentejo bewundert – jetzt schauen wir uns all die kleinen Städte an. Wir besichtigen Mertola, Moura und Monsaraz. Gehen sogar ins Museum von Luz – dem im Alqueva Stausee versunkenen Dorf.

Citytrip Alentejo

Das Ende unseres Aufenthalts am idyllischen Bach ist erreicht, als sich auch noch unsere Trinkwasservorräte dem Ende neigen. Zum Trinken und zum Kaffeekochen wollen wir das Wasser aus dem Bach, das wir in den Tank gefüllt haben, nicht benutzen.

Die nächste vernünftige Einkaufsmöglichkeit gibt es in Mertola. Dort parken wir gleich an der Ortseinfahrt auf einem großen Schotterplatz etwas abseits der Wohnmobile, die schon dort sind. Auch wenn es Olaf schwer fällt, sich damit anzufreunden hier die Nacht zu verbringen, bleiben wir. Es ist schon spät und Steffi will sich die Stadt anschauen.

Stadtrundgang Mertola

Während Olaf und Lucy sich ein verspätetes Mittagsschläfchen gönnen, macht Steffi sich auf den Weg und schaut sich die Stadt an.

Als wir die Stadt auf dem Hinweg passierten, parkten wir etwas außerhalb von Mertola am Rio Guadiana. Von dort konnten wir die hübsche Stadt aus der Ferne sehen. Nun habe ich endlich die Gelegenheit mir Mertola aus der Nähe anzusehen.

Mertola ist eine mittelalterliche befestigte Stadt. Hoch über dem Rio Guadiana thront eine alte aus Naturstein gebaute Festungsanlage. Und eine weiß strahlende Kirche. Am Hang die kleinen weißgetünchten Häuser. Schmale Gassen. Steile Treppen. Und coole Aussichten. Von ganz oben auf der Burg ist der Ausblick am besten. Eintritt frei. Es gibt auch ein kleines Museum im Turm. Das kostet 2 Euro. 3 Stunden laufe ich umher.

Mertola wurde von Kelten oder Phöniziertn gegründet – etwa im 5. Jahrhundert v. Chr. Die Stadt war einst der nördlichste Hafen des Rio Guadiana und hatte daher eine große strategische Bedeutung für Römer, Germanen und Mauren.

 

Am Rio Guadiana bei Serpa

Trotz der Nähe zur Straße hatten wir eine ruhige Nacht, da der Verkehr nach Einbruch der Dunkelheit zum Erliegen kommt.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Serpa. Vor allem weil die Einkaufsmöglichkeiten deutlich besser sind, als in Mertola.

Bei unserem letzten Besuch in Serpa haben wir viel versucht, um einen Zugang zum Rio Guadiana zu finden. Das hat leider nicht geklappt. Und eigentlich gibt es nur noch eine Piste, über die wir damals nicht versucht haben den Fluss zu erreichen. Es ist noch früh am Tag, ein Ziel haben wir auch noch nicht. So machen wir einen Abstecher über diese etwa 6 km lange Schotterstraße Richtung Fluss.

Und wir haben Glück. Die Piste endet auf einer großen von Büschen bewachsenen Ebene direkt am Ufer des Rio Guadiana. Leider ist der Weg am Ende so eng, dass wir uns eine fette Macke in die Felge eines Hinterrades fahren, als wir in einer engen Kurve mit dem Hinterrad in eine vom Wasser tief ausgewaschene Rinne rutschen und dabei einen Stein tuschieren. Glück im Unglück: Weder der Schmutzfänger reißt ab, noch entsteht ein gravierender Schaden.

Schade, dass wir den Platz bei unserem letzten Besuch nicht entdeckt haben. Wir werden wiederkommen. Für den Moment passt es allerdings nicht, weil es kein Internet gibt und wir dort einiges zu erledigen haben. So machen wir uns einen einzigen schönen Abend und grillen ein paar Doraden.

Am Rio Guadiana bei Serpa

Am Rio Guadiana bei Serpa

 

Stadtbesichtigung Moura

Von Serpa fahren wir am Rio Guadiana entlang in Richtung Moura. Denn wir wollen noch die andere Seite des Alqueva Stausees erkunden. Wir haben uns einige Plätze vor Moura bei Google Maps rausgesucht, die sich aber alle als wenig toll erweisen. Am Fluss gibt es viel Landwirtschaft. Da ist es schwierig was zu finden. Überall Tore. Überall wohnen Leute. So erreichen wir gegen Mittag Moura. Beim Intermarche ergänzen wir ein paar Vorräte und können recht günstig tanken (1,21 Euro/Liter) Dann schauen wir uns die Stadt an.

Moura ist hübsch. Nicht ganz so heruntergekommen wie Serpa oder Mertola. Die Häuser sind strahlend weiß gestrichen und Blumenkübel stehen vor den Türen.

Vielleicht auch weil heute Samstag ist, ist recht viel los. Meistens sind die Orte ja recht ausgestorben. Und wenn dann sind nur alte Menschen unterwegs. Hier und heute ist das anders. Junge Leute und Familie bevölkern die Straßen, sitzen in den Cafés und Restaurants. Viele Geschäfte haben zu. Kann an der Mittagspause liegen.

Die Burg ist recht groß. Die Aussicht auf die Stadt super. Das Museum hat zu. Auch Mittagspause.

 

Nach unserem Rundgang fahren wir weiter.

Nach etwa 10 km kommen wir an den ersten Arm des Stausees. Wir folgen einer der Straßen, die jetzt im See enden und parken bei einer Steineiche.

Viele Vögel zwitschern. Lucy geht baden. Und es gibt mal wieder gegrillte Dorade.

 

Alqueva Stausee

Nach zwei Tagen unter der Eiche fahren wir weiter. Unser nächstes Etappenziel ist Luz. Die Gegend um Luz bietet viele schöne Orte in unmittelbarer Nähe zum Stausee. Mit der Entstehung des Sees wurden die Täler geflutet und die Straßen, die einst durch die Täler führten, enden heute im Wasser. So gibt es viele Möglichkeiten das Ufer des großen Stausees zu erreichen.

Am Alqueva Stausee bei Moura

Und so ist unsere nächste Heimat ein Schotterplatz auf einer langgezogenen Halbinseln mitten im See. Leider endet der Weg vor einem Tor. Aber das macht nichts. Wir sind inmitten eines Kräutergartens. Lavendel, Thymian, usw. Immer mehr merken wir, dass der Frühling da ist. Es blüht und duftet wie verrückt. Wir sind von 3 Seiten von Wasser umgeben und haben mal wieder eine herrliche Aussicht.

Zwei Mal am Tag kommt ein Pick Up vorbei, fährt durch das Tor. Vermutlich um die auf der anderen Seite weidenden Rinder zu versorgen. Davon abgesehen ist es überwältigend still. Wir verbringen zwei ansonsten völlig ereignislose Tage. Wir arbeiten und machen ausgedehnte Spaziergänge durch die blühende Landschaft.

Um uns dann unserem eigentlichen Ziel – dem Dorf Luz – zuzuwenden.

 

Luz

Wir fahren nach Neu-Luz. Das Original Luz ist dem Alqueva Stausee 2002 zum Opfer gefallen und komplett im Stausee versunken. Die Bewohner wurden umgesiedelt. Bei der Errichtung des neuen Dorfes Luz hat man sich bemüht das alte Luz möglichst genau nachzubilden. Es wurde sogar wert darauf gelegt, dass Nachbarn Nachbarn bleiben. Das hat aber oftmals nicht wirklich geklappt. Für die ca. 300 Bewohner war es nicht unproblematisch ihre Heimat zu verlieren. Die neuen und besser ausgestatteten Häuser, die ihnen gebaut wurde, waren oft kein Trost.

Wir besuchen das Museum. Neben der Geschichte von Luz bietet es auch einen Einblick in das Leben der Menschen im Alentejo. Den Olivenanbau, die Fischerrei, Winzerei, oder die Bienenzucht. Schwerpunkt ist jedoch das Schicksal der Dorfbewohner. Ein Film, der während der Planungs- und Bauzeit des Sees gedreht wurde, dokumentiert in eindrucksvoller Weise, wie die Menschen in Luz mit dem Verlust ihrer Heimat umgegangen sind.

Man kann ein Haus ersetzen, man kann ein Stück Land ersetzen – Heimat kann man nicht ersetzen. Und gerade die ältere Generation hat dieser Verlust sehr getroffen. Wir können nur ahnen, wie es zum Beispiel den Bauern in China ergeht, die bei einem Staudammprojekt ihre Heimat, ihr Haus, ihr Land verlieren und sich dann in einer Hochhauswohnung – die sie als Entschädigung erhalten – wiederfinden und ihre ganze Art zu leben verlieren.

 

Im Anschluss müssen wir nicht weit fahren um mal wieder einen traumhaften Platz am Ende einer engen Piste auf einer Halbinsel zu finden.

Auf einer Halbinsel im Alqueva Stausee bei Luz

 

Auf einer Halbinsel im Alqueva Stausee bei Luz

Panorama – bewege die Maus über das Bild

Monsaraz

Etwas weiter nördlich von Luz endet der Alqueva Stausee und der Rio Guadiana wird wieder sichtbar. Da der Fluss nun bald wieder die Grenze zu Spanien bildet, fahren wir über die vorerst letzte Brücke auf die andere Seite.

In Reguengos füllen wir unsere Vorräte auf. Dann geht´s weiter nach Monsaraz.

Bei unserem letzten Besuch sind wir an Monsaraz nur vorbeigefahren und haben die Festungsstadt nur von unten gesehen. Nun fahren wir die recht steile Straße hinauf in den Ort. Hier gibt es einen explizit für Wohnmobile ausgewiesenen Parkplatz. Von dem wir uns aus religiösen Gründen allerdings fernhalten und etwas weiter unterhalb parken.

Trotzdem wir nicht ganz oben parken ist die Aussicht auf die grünen Hügel und den Stausee grandios.

Panorama Monsaraz

Panorama – bewege die Maus über das Bild

 

Der erste Versuch einer Stadtbesichtigung endet in einem Fiasko. Wir werden von einem starken Regenschauer überrascht und kommen völlig durchnässt wieder nach Hause. Lucy is not amused. Beim zweiten Mal haben wir mehr Glück.

Die Stadt auf dem höchsten Berg weit und breit, ist ein bisschen wie der Bremer Schnoor. Mehr Touristen Meile als Wohnort. Viele, sehr viele Restaurants auf kleinem Raum und viele Läden mit Kunsthandwerk. Die Stadt ist die kleinste von allen, die wir uns im Alentejo angesehen haben. Was wohl daran liegt, dass es eben keine so richtige Stadt ist. Da der steile Berg, auf dem Monsaraz liegt wohl keinen Raum dafür bietet. Zu dieser Jahreszeit ist angenehm wenig los. Die wenigen Reisebusse voll Menschenladungen, die hier angekarrt werden, lassen vermuten, dass das nicht immer so ist.

Monsaraz macht auf uns den Eindruck einer für den Tourismus aufbereiteten Kulisse. Dennoch sehenswert. Vor allem der Ausblick ist einfach genial. Denn von Monsaraz aus gibt es ein 360 Grad Panorama auf alles drumherum. Die Landschaft. Den See. Viele kleine Dörfer und Höfe…

 

Praia Liberdade

Kurzer Zwischenstopp am Praia Liberdade mit auf den Mittag vorverlegten BBQ-Abend, weil der Wetterbericht für abends, morgen und auch übermorgen ergiebigen Regen und Wind angekündigt hat.

Es hat dann auch ein bisschen geregnet und es gab auch ein wenig Wind – aber nicht so schlimm wie angekündigt. Die Wettervorhersage ist hier selbst für den nächsten Tag eher ungenau. Die Regenradarbilder für die Algarve und das Alentejo stimmen mit der Realität oft nicht überein. Hier zeigt das Regenradar heraufziehenden Regen an, und trotzdem haben wir einen trockenen Tag – und umgekehrt… In Deutschland geht das wesentlich genauer.

 

Bei unserem letzten Besuch vor 3 Monaten haben wir vermutet, dass der Praia Liberdade als “Ausflugsziel und Touristenmagnet” irgendwie abgerockt ist und wohl schon mal bessere Zeiten erlebt hat. Nun sind wir erstaunt, dass neue Bäume gepflanzt wurden und Sand herbeigebracht wurde, um den Strand zu verschönern. Es passiert anscheinend doch noch etwas.

 

 

Jetzt ist endlich auch der Film fertig… ist ein bisschen länger geworden. Er enthält übrigens gemafreie Musik von frametraxx.de

Viel Spaß beim Anschauen.

 

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Über Steffi und Olaf

Gemeinsam mit unserer Hündin Lucy wohnen wir in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor wir zum „Leben auf Rädern“ kamen, sind wir mit dem Fahrrad gereist. Davor lebten wir in einem Haus, hatten ganz normalen Jobs - der ganz normale Wahnsinn... Schnell haben wir festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahmen wir ein Jahr Auszeit und sind so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 sind wir wieder unterwegs und unser Leben hat sich komplett geändert. Folge uns via Feedly und Bloglovin´

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