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Auf geht´s in Neuland: Portalegre, Nisa, Idanha Nova, Sabugal - Portugal

Auf geht´s ins Neuland: Von Portalegre in den Norden von Portugal

In den vergangenen Monaten sind wir von Badajoz aus am Rio Guadiana entlang bis in die Algarve gefahren. Dort haben wir einige schöne Wochen verbracht. In Monte Gordo, Quarteira und Ferragudo. Durch die Serra Alcaria ging es wieder zurück in den Norden – und zum Rio Guadiana. Nun geht es noch weiter nordwärts. Nach Portalegre, zum Rio Tejo, nach Idanha Nova und zum Barragem Sabugal.

An unserem Lieblingssee schließt sich der Kreis und wir sind wieder dort, wo wir unsere Reise im Dezember 2016 begonnen haben.

Erste Überraschung: Auf der schmalen Zufahrt kommt uns ein Wohnmobil entgegen. Es wird eng. Das erste Mal seit dem wir hier verweilen, sind wir nicht alleine. 8 andere campieren am See. Wir beziehen unseren Lieblingsplatz und während wir uns einrichten, werden unten die Motoren gestartet. Noch bevor wie Hallo sagen können, sind alle verschwunden. Schade.

Viel größer der Schock als wir bei unserem Morgenspaziergang entdecken, dass noch zwei weitere Wohnmobile den Weg hierher gefunden haben. Während all unserer Aufenthalte an diesem Ort, ist das bisher noch nicht vorgekommen.

Nun kommen wir endlich auch dazu Reiseberichte in Worte zu gießen. Wir haben einiges aufzuholen, denn wir haben es eine Weile schlurren lassen.

Der Lieblingssee ist auch unser ergiebigstes Wildspargel-Jagdrevier. Nirgends haben wir je so viel gefunden wir hier.

Bisher haben wir den Spargel immer mit Kartoffeln und Buttersauße gegessen. Doch aufgrund eines Einkaufsfehlers sind wir gezwungen umzudisponieren. Denn wir haben vergessen Butter zu kaufen.

Also machen wir uns auf die Suche nach Alternativen. So gibt es Pfannkuchen mit Schinken, Spargel und Gouda. Und beim zweiten Mal Geschnetzeltes: Champignons, Hühnchen, Spargel und dazu Nudeln. Auch sehr lecker. Rezepte gibt´s gerne gegen Einsendung eines ausreichend frankierten Rückumschlages oder bei chefkoch.de

An diesem See haben fast all unsere Portugalreisen begonnen und meistens auch geendet.

Wehmütig blicken wir zurück auf den angenehmen Winter in Portugal.

Doch immer mehr rücken auch Gedanken an den bevorstehenden stressigen Rückweg in den Vordergrund. Trotzdem wir eigentlich noch 5 bis 6 Wochen Zeit im Gepäck haben und wir uns vorgenommen haben dieses Mal noch weiter in Portugals Norden zu fahren, bevor wir uns ab Spanien auf die Autobahn klemmen.

Wir verbringen noch einige schöne Tage bei bestem Wetter am Lieblingsstausee. Dann machen wir uns auf den Weg in ein uns bisher unbekanntes Portugal.

 

Portalegre

Nächstes Ziel ist Portalegre. In der Mittagszeit besichtigen wir die Stadt.

Erst im Mittelalter entstanden ist Portalegre eine recht junge Stadt. Besonders schön anzusehen ist die Kathedrale, die wir beim Bummel durch die unter Denkmalschutz stehende Altstadt erreichen.

Vorher kommen wir an der Burg vorbei. Hier können wir nicht, wie sonst üblich, überall auf den Burgmauern umherlaufen. Vielmehr befinden wir uns in einem Glaskasten innerhalb der Mauern, die wir nur durch eine Scheibe betrachten dürfen.

 

 

Nachmittags steuern wir unser Tages-Endziel an. Einen Stausee bei Nisa. Hier gibt es eine offensichtlich bei Wohnmobilreisenden bekannte und dementsprechend stark frequentierte Möglichkeit in Ufernähe zu parken. Und viele Alternativen abseits des Mainstreams. So finden wir nach kurzer Suche ein adäquates Plätzchen für ein paar Tage.

Mensch und Tier können ausgedehnte Spaziergänge um den See unternehmen. Es gibt auch einen ausgeschilderten Wanderweg. Deswegen und wegen der schönen Landschaft und der Möglichkeit direkt am Wasser zu parken (was vor allem Lucy immer sehr geil findet) werden wir hier irgendwann gerne wieder her kommen.

 

Centro de Portugal

Idanha Nova

Die Orientierung an Flüssen, Bächen und Seen hat sich bei der Suche nach schönen Plätzen bewährt. Es finden sich eigentlich immer Wege ans Ufer, die zum Beispiel von Anglern genutzt werden.

So ist auch unser nächstes Reiseziel ein Stausee.

Auf dem Weg dorthin überqueren wir den Rio Tejo und verlassen das Alentejo.

Schon beim Studium der Karte stellt sich heraus, dass es nicht sehr viele Zufahrten an den Stausee gibt. Unsere ersten Versuche das Ufer auf dem Landweg zu erreichen endet vor den Toren von Boomland. Die Tatsache, dass genau hier alle 2 Jahre das legendäre Boomfestival zelebriert wird, ist uns natürlich bekannt. Seit langer Zeit träumen wir davon, das Festival zu besuchen. Bisher hat es aber nie geklappt. Das Gelände auf dem die Boom statt findet scheint im Besitz der Veranstalter zu sein. Das ist echt toll für Boomland. Doch für uns ist so der Zugang zum See an dieser Stelle durch viele Zäune und Tore versperrt. Schade.

Wir suchen weiter und am frühen Nachmittag finden wir eine – je nach Wasserstand des Sees – zugängliche oder eben nicht zugängliche Insel. Und wieder einmal haben wir Glück. Finden einen ebenen Platz umgeben von blühenden Sträuchern und Büschen. Lucy hat einen Privatstrand – ganz für sich alleine. Der Platz ist zum See hin offen und bietet Sichtschutz durch Büsche in alle anderen Richtungen. Die drei Steineichen neben denen wir den Laster abstellen, bieten Sonnenschutz und sorgen für Gemütlichkeit. Einer der stillsten Orte dieser Reise!

Der Grillabend ist geplant und der Kühlschrank gefüllt mit Leckereien. Bei den Vorbereitungen stellen wir jedoch fest, dass die Kohle nicht reicht – weil wir vergessen haben, welche einzukaufen. So fahren wir am nächsten Tag ins 10 km entfernte und nur über mehrere teils knackige Steigungen zu erreichende Idanha Nova. Teure Kohle!

Es macht sich bemerkbar, dass die uns verbleibende Zeit nicht mehr in Monaten, sondern nur noch in Wochen zu bemessen ist und wir deswegen auch diesen Ort schneller verlassen als uns lieb ist.

Doch unsere Gedanken tendieren immer mehr gen Heimat. Je mehr sich die Reise dem Ende neigt, je schwieriger wird es den Moment zu genießen. Die Gedanken reisen voraus. Gedanken – an den Stress der Rückreise, an die ungeliebten Aufgaben und die Baustellen, die wir zurückgelassen haben – kommen wieder ins Bewusstsein.

Wo werden wir wohnen? Wie werden wir die Zeit in Deutschland gestalten?

Es fühlt sich an, wie ein immer stärker werdender Sog. Irgendwie zerrissen – noch nicht weg, aber eigentlich auch nicht mehr hier.

 

Barragem de Sabugal

Wir versuchen das Unvermeidliche – Portugal zu verlassen und uns auf die spanischen Autobahnen gen Nordosten zu begeben – hinauszuzögern.

Da wir uns nahe der spanischen Grenze befinden, müssten wir nur mal irgendwo rechts abbiegen und Kurs auf Salamanca nehmen.

Was uns davon abhält ist, das schöne Wetter, dass es viel Neuland zu entdecken gibt und wir eigentlich noch etwas Zeit haben. Mit der Einschränkung, dass wir die Zeit komischerweise immer weniger genießen (können).

Jeden Tag ist die Planung der verbleibenden Zeit Thema. Etwas, was wir sonst kaum machen. Eigentlich lassen wir uns meistens Treiben und bleiben, bis es uns nicht mehr gefällt. Doch die verbleibende Strecke wird immer wieder geteilt, durch die restlichen Tage. Die Strecke bleibt dabei immer gleich lang, nur die Tage werden von Tag zu Tag weniger.

Als wir hinter dem Staussee bei Idanha Nova auf ein Hochplateau gefahren sind, haben sich Landschaft und Vegetation verändert. Sie gefällt uns nicht mehr so gut, wie in der Algarve oder im Alentejo. Es fehlt die Blütenvielfalt, es gibt immer mehr kahle Bäume, die im letzten Herbst ihr Laub abgeworfen haben. In der Algarve haben wir noch gedacht, dass der Sommer kurz bevorsteht. Doch jetzt auf über 800 Meter Höhe beginnt gerade erst der Frühling.

Die Lust bleibt auf der Strecke kleine Straßen durch die Einsamkeit zu nehmen. Immer mehr streben wir danach die – immer noch wenig befahrenen – Hauptstraßen zu fahren. Wir geben uns auch nicht mehr so viel Mühe bei der Suche nach schönen Übernachtungsmöglichkeiten. So ist es schon so weit gekommen, dass wir auf Parkplätzen an Staumauern parken, wo wir uns sonst ein Bein ausgerissen haben, um Alternativen dazu zu finden – wie zum Beispiel am Barragem de Sabugal.

Und auch der nächste Übernachtungsplatz liegt nur wenige 100 Meter von der Hauptstraße entfernt, leicht zu erreichen bei einem Festplatz und großem Parkplatz. Und doch wissen wir, dass selbst dieser Platz noch wesentlich schöner ist, als die, die auf dem Transit gerade durch Frankreich noch vor uns liegen.

Barragem de Sabugal, Centro de Portugal

Barragem de Sabugal, Centro de Portugal

 

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Über Steffi und Olaf

Gemeinsam mit unserer Hündin Lucy wohnen wir in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor wir zum „Leben auf Rädern“ kamen, sind wir mit dem Fahrrad gereist. Davor lebten wir in einem Haus, hatten ganz normalen Jobs - der ganz normale Wahnsinn... Schnell haben wir festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahmen wir ein Jahr Auszeit und sind so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 sind wir wieder unterwegs und unser Leben hat sich komplett geändert. Folge uns via Feedly und Bloglovin´

One comment

  1. diese blaue Himmel vermisse ich so sehr…

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