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Überwintern in Portugal Teil 7 www.keine-eile.de

Warum wir Silvester in diesem Jahr einen Tag früher feiern

Überwintern in Portugal: Roadtrip entlang des Rio Guadiana (Teil 7)

Roadtrip Tag 41 bis 43

Roadtrip-KM: 2.849 km

heute gefahren: 41 km

Nach 6 Tagen an unserem schönen Platz am See ist der Kühlschrank leer und wir fahren zum Einkaufen nach Reguengos de Monsaraz. Leider ist der Weg dorthin mit einem Umweg verbunden, aber dafür bietet sie recht umfangreiche Einkaufsmöglichkeiten (Lidl, Intermarché – und auf dem Wohnmobilstellplatz können wir bei der Gelegenheit auch noch den Wassertank füllen).

Da Silvester vor der Tür steht (ja, ich hänge mit Reiseberichten ziemlich hinterher) und auch die Vorhersage für die Region auf Schönwetter hoffen lässt, kommt uns die Idee zum bevorstehenden Jahreswechsel einen Grillabend zu Dritt zu veranstalten.

Sack Holzkohle ist schnell organisiert. Etwas schwieriger gestaltet sich der Besuch an der Fleischtheke. Meine ersten Kommunikationsversuche via Google Übersetzer sorgen für Erheiterung auf beiden Seiten des Tresens. Bringen aber nicht den gewünschten Einkaufserfolg. Besser klappt´s als ich mit Händen und Füßen meine Wünsche äußere. Hoch lebe die Zeichensprache!

Nachdem so der halbe Tag für Besorgungen drauf gegangen ist, überlegen wir kurz, ob wir nicht einfach zurück zu unserem herrlichen Platz am See fahren sollten – wo es uns echt gut gefallen hat und der Abschied sehr schwer fällt.

Da dies aber wieder mit einem Umweg verbunden wäre und wir denken, dass in der Gegend noch weitere schöne Orte darauf warten entdeckt zu werden, entscheiden wir uns dagegen und setzen die Reise in den Süden fort.

Einige geografische Besonderheiten haben wir uns am Tag zuvor mit Hilfe unserer Topokarte und Google Maps herausgesucht. So fahren wir von Reguengos de Monsaraz zunächst in Richtung eines Yachthafens am Stausee Barragem do Alqueva, der sich aber als wenig spektakulär herausstellt.

Es gibt asphaltierte Parkplätze, ein Restaurant und – wer hätte das gedacht – auch einige Boote. Viel los ist nicht. Wirklich schön ist´s auch nicht.

Also geht´s weiter – möglichst nah am Ufer entlang. Über eine recht vielversprechende unbefestigte Schlaglochpiste. Nach noch nicht allzu langer kurvenreicher Fahrt durch die schöne Natur und vorbei an einigen kleineren Stichstraßen Richtung Ufer, die uns aber alle zu nah an der Hauptpiste liegen, haben wir beim dritten Abzweig mehr Glück.

Wir fahren ein kurzes Stück über zwei Hügel auf eine Halbinsel mitten im See, die von der Hauptpiste nicht einzusehen ist.

Lucy ist begeistert vom vielen Wasser und auch wir fühlen uns auf Anhieb wohl.

Die absolute Stille ist ein willkommenes Kontrastprogramm zum ereignisreichen Vormittag. Auf dem See ist keine Welle, kein Wind weht, die Sonne scheint.

Von drei Seiten von Wasser umgeben, teilen wir den Platz nur mit ein paar Vögeln und Fischen.

 

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Und einigen riesengroßen Steinen, die wohl vor sehr, sehr langer Zeit – also vor richtig langer Zeit – mal irgendjemand hierher geschafft und senkrecht aufgestellt hat.

Leider finden wir keine weiterführenden Informationen, auch nicht im Netz. Möglicherweise handelt es sich um Steinzeitgräber. Es sind auch noch Ausgrabungsspuren sichtbar. Früher war drumherum auch mal ein Zaun und von Innen wurde ein Stützgerüst aus Stahlträgern angebracht, um die Steine vorm Umfallen zu bewahren.

Wenn die Menschen in grauer Vorzeit diesen Ort schon als etwas Besonderes betrachteten, dann ist er mit ziemlicher Sicherheit auch was für uns.

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Da wir zur Zeit fast gar kein Mondlicht haben und auch die Lichtverschmutzung durch naheliegende Städte praktisch gar nicht vorhanden ist, gibt es in der Nacht einen atemberaubenden Sternenhimmel, der am Horizont bis runter auf die Hügel reicht.

Leider ist es nachts sehr kalt. Und aus dem See steigt ein dichter Nebel, der sich aufgrund von fehlendem Wind am nächsten Tag bis zum Mittag hält.

Das Wetter ist bis nachmittags also eher nicht so einladend.

So bietet es sich an, sich der liegen gebliebenen Arbeit am Computer anzunehmen. Doch so idyllisch der Platz, so schlecht der Internetempfang im Wohnmobil.

Erst als wir unseren Router, geschützt gegen die Feuchtigkeit in einer Plastiktüte verpackt, an einer langen Zeltstange auf dem Dach befestigen, kommen mehr schlecht als recht Daten rein.

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Als sich mittags der eklige Nebel endlich verzogen hat, wird´s richtig schön.

T-Shirt-Wetter!

Kein Wind, Sonne satt. So dass Lucy den Nachmittag im See verbringt.

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Wir gehen viel Spazieren und die einzigen Anzeichen von Leben, auf die wir stoßen, sind ein paar Schafe.

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Aber als wir am späten Nachmittag noch nett in der Sonne sitzen, wird unsere Vierbeinerin plötzlich unruhig. Fängt an zu knurren und springt auf. Mhm. Ich rufe sie zu mir. Sie legt sich neben mich. Knurrt aber immer noch. Nun bin ich neugierig und gehe mal gucken.

Und siehe da, da haben sich doch tatsächlich zwei riesengroße Hirtenhunde von hinten an unser Auto herangeschlichen!

Ist im ersten Moment schon ein mulmiges Gefühl. Fast auf Augenhöhe mit so zwei – mittlerweile auch knurrenden – Riesenhunden.

Die furchtlose Lucy sieht das irgendwie anders und geht ganz offen auf die beiden zu.

Der eine ist sehr aufgeschlossen und man unterhält sich. Der andere hält sich schüchtern im Hintergrund. Fast wird auch ein Spielchen gestartet, doch Lucy nutzt dann doch lieber die Gelegenheit sich die Kaninchenbauten um die Ecke mal genauer anzusehen, von denen wir sie schon die ganze Zeit versuchen fern zu halten.

So gibt der Besuchshund irgendwann auf Lucy zum Spielen zu bewegen und die beiden trollen sich wieder.

Heute ist Silvester.

Also heute ist nicht wirklich Silvester. Aber da wir denken, Silvester ist eh total überbewertet – vor allem, wenn man mutterseelenalleine im Nirgendwo ist, spielt es irgendwie keine Rolle, ob Silvester heute, morgen oder gestern ist – und so beschließen wir vor allem aufgrund einer schlechten Wetterprognose für Morgen unseren persönlichen Jahreswechsel einfach einen Tag vorzuziehen.

Da in Portugal privates Feuerwerk verboten ist, es deshalb auch keine Böller zu kaufen gibt und sich keine größere Stadt in der Nähe befindet, gehen wir davon aus, dass wir vom wirklichen Jahreswechsel sowieso nichts mitbekommen werden. Portugal ist also in vielerlei Hinsicht ein liebenswertes Land!

Da das Zeitfenster zwischen Nebel weg, hereinbrechender Dunkelheit und Aufziehen des nächsten Nebels recht klein ist, feiern wir unsere eigene kleine Silvester-Grillparty also am 30.12.16 um 13 Uhr bei strahlendem Sonnenschein, absoluter Windstille und im T-Shirt.

 

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Über Steffi und Olaf

Gemeinsam mit unserer Hündin Lucy wohnen wir in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort.

Bevor wir zum „Leben auf Rädern“ kamen, sind wir mit dem Fahrrad gereist. Davor lebten wir in einem Haus, hatten ganz normalen Jobs – der ganz normale Wahnsinn…

Schnell haben wir festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahmen wir ein Jahr Auszeit und sind so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 sind wir wieder unterwegs und unser Leben hat sich komplett geändert.

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