Lagos, Algarve, Portugal
Lagos

Lagos

Lagos ist eine ziemlich hübsche Stadt im Westen der Algarve. Etwa 30 km Luftlinie entfernt vom südwestlichsten Punkt Europas. Sie liegt am Rande einer großen Meeresbucht und an einem Fluss. Lagos hat eine schöne Altstadt und tolle Strände drum herum.

Die Altstadt befindet sich am westlichen Flussufer. Hier stehen ein paar alte Gebäude, wie die Reste der Stadtmauer, der Gouverneurspalast, Kirchen und eine Festung. In der Fußgängerzone reiht sich Restaurant an Café. Das Angebot und die Speisekarten sind austauschbar. Man ist hier ganz auf Touristen eingestellt. Doch irgendwie ist Lagos jetzt (und im Sommer wahrscheinlich auch) eine gemütliche Stadt mit einer angenehmen Stimmung. Und wie die meisten Städte, die wir in Portugal gesehen haben, ist sie klein und überschaubar.

Wäsche waschen stand auf dem Programm. Von einem Supermarktparkplatz am nördlichen Stadtrand ging ich etwa 2 km durch die Neustadt von Lagos zum südlichen Stadtrand. Mit einem Rucksack voller Wäsche auf dem Rücken kam ich ganz schön ins Schwitzen unter der Regenjacke. Es nieselte. Die Luft war mild.

In den kleineren Straßen lief ich vorbei an alten zweigeschossigen Wohnhäusern. Und ich kam durch Gebiete, in denen die Wohnblocks größer und höher waren, mit Geschäften im Erdgeschoss: Versicherungsbüros, Handyläden, Reinigungen, Friseure, Bäcker, Möbelgeschäfte und so weiter.

Das weißblaue Mosaikpflaster war manchmal etwas rutschig. Es ging immer leicht bergauf oder bergab. Die Fußwege waren manchmal so schmal, dass ich lieber auf der Straße lief. Das ging, denn nur selten kam ein Auto vorbeigefahren.

Mütter schoben Kinderwagen über die Straßen. Männer mit Mützen standen an den Ecken und plauderten. An einem offenen Fenster im Erdgeschoss eines Hauses standen zwei aufgebrachte Damen in Rock und Bluse. Wild gestikulierend redeten sie auf eine dritte Frau ein, die auf der anderen Seite des Fensters stand. Sie hielt einen gelben Putzlappen in der Hand. Vor einem Café saß eine Gruppe junger Männer. Alle trugen Sonnenbrille, obwohl der Himmel bedeckt war und es immer noch nieselte. Sie schauten schweigend in der Gegend herum, oder auf die vor ihnen stehenden leeren Kaffeetassen. Mitten auf einer Kreuzung begrüßten sich zwei britische Paare sehr überschwänglich und tauschten lautstark die neuesten Informationen über das Wetter aus (es sollte regnen).

Ziel meines Ausfluges war der Spar-Markt. Hier gab es nicht nur einen kleinen Supermarkt, sondern auch eine kleine Snack-Bar, ein Internetcafé (allerdings geschlossen) und eine Selbstbedienungswäscherei (Self-Service-Laundry).

 

Waschcenter in Lagos, Algarve, Portugal
Waschcenter in Lagos

 

Ich stopfte also die Wäsche vom Rucksack in eine der Waschmaschinen.

Zwei Frauen luden gerade ihre bereits gewaschene Wäsche in einen der Trockner um, während ein Mann sie mit seinem Tablet-PC filmte.

So, die Wäsche würde sich nun für eine gute Stunde drehen. Sollte ich einen Kaffee trinken gehen und lesen? Oder die Gelegenheit nutzen und mir die Stadtstrände von Lagos ansehen, die gleich um die Ecke liegen?

In der Nähe des Supermarktes ist die Feuerwehr, die Bombeiros. Auf dem Kreisel vor dem Gebäude steht ein alter Feuerwehrwagen. Es ist ein sehr schöner Magirus Deutz aus den 50er, 60er Jahren.

 

Feuerwehrwagen in Lagos
Feuerwehrwagen in Lagos

 

Ich drehte mich um und sah einen Wegweiser zu einem Strand.

 

Hinweisschild zum Praia Pinhao, Lagos, Algarve, Portugal
Hinweisschild zum Praia Pinhao

 

Niemals hätte ich dort einen Strand vermutet und so folgte ich dem kleinen Weg. Von einer Art Terrasse aus konnte man auf den Strand hinuntersehen. Er war winzig. Und jetzt bei Flut war auch kaum Platz, denn die Wellen schlugen bis an den Fuß der Klippe. Ich hätte eine steile Treppe zum Strand hinuntergehen können, doch ich folgte lieber dem Trampelpfad, der von der Terrasse in Richtung Osten abging.

Von oben blickte ich nun auf den nächsten Strand. Er war mit dem vorherigen durch einen Tunnel im Fels verbunden. Bei Ebbe bestimmt witzig, bei Flut steht der Tunnel unter Wasser. Es folgten noch weitere kleine Sandbuchten. Sie alle waren umgeben von sich zerbröselnden Felsen, Höhlen und Grotten. Auf den großen Felsen im Meer saßen Möwen und Kormorane, die ihre Gefieder trockneten, oder einfach nur Ausschau hielten. Ein Segelboot fuhr vorbei – alles total romantisch, wäre das Wetter nur sonniger. Dafür hatte ich die schönen Aussichten ganz für mich alleine. Andere Menschen waren nicht unterwegs.

 

romantische Strandbucht bei Lagos, Algarve, Portugal
romantische Strandbucht bei Lagos

 

Am Strand Dona Ana, der größer war als die anderen und an dem es auch ein Restaurant gab, verließ ich den Trampelpfad. Die Wäsche wartete schon. Ich kam an eine Straße, gesäumt von großen Appartementhäusern und Hotels. Doch die Jalousien waren heruntergelassen und alles sah verlassen und trostlos aus.

 

Praia da Dona Ana, Lagos, Portugal
Praia da Dona Ana

 

In wenigen Minuten war ich wieder bei den Waschmaschinen und befüllte einen Trockner. An der Wand über den Maschinen hing ein grauer Kasten mit Münzeinwurf: 1 Euro für 20 Minuten trocknen. Doch der Trockner startete auch ohne das ich Geld dort hineinwarf.

Jetzt ging ich einen Kaffee trinken.

„Delta“ war die Kaffeemarke, die in vielen Cafés und Restaurants in der Algarve angeboten wurde. Tische, Stühle und Markisen waren in Delta-Farben und mit dem Delta-Logo versehen und natürlich waren auch die Kaffeemaschinen von Delta. Ich bestellte einen großen Kaffee ohne Milch für 55 Cent und setzte mich an einen freien Tisch. Über mir lief der Fernseher.

Das Buch, das ich aus dem Rucksack zog, bekam ich vor ein paar Tagen am Strand Boca do Rio geschenkt. Ein Paar aus Ulm mit einem riesigen Hund erzählte uns, dass sie früher mit einem Fahrzeug wie unserem in Südamerika unterwegs gewesen waren. Und vielleicht deshalb schenkten sie uns zwei ihrer ausgelesenen Bücher.

Und so handelte dieses Buch von Chile. Geschrieben von einer Reisejournalistin, die das Land für ein halbes Jahr bereiste und die es geschafft hat, ein ganzes Kapitel über eine 30-stündige Busfahrt von Santiago de Chile in eine Stadt ganz im Norden Chiles zu schreiben, auf der eigentlich nichts passiert ist.

Jetzt saß ich also in Portugal, im Spar-Supermarkt von Lagos, wartete darauf, dass die Wäsche trocknen würde und las ein Buch über eine Chilereise, auf der bisher nichts (jedenfalls aus meiner Sicht nichts erwähnenswertes) passiert war. Ich hätte vielleicht geschrieben: „Ich bin mit dem Bus in 30 Stunden von Chile nach XXX gefahren. Die Landschaft war öde, mir war langweilig, ich konnte nicht schlafen, weil der Fernseher so laut war und ich hatte nichts zu lesen dabei.“ 37 Wörter. So bringe ich es nie zu einem Buch (nicht das ich das vorhätte). Aber ich lerne dazu. Ich hätte in diesem Bericht ja auch schreiben können: „Ich war in Lagos im Waschcenter.“ Hätte sich auch jeder was drunter vorstellen können, oder?

Der Trockner lief 45 Minuten. So ganz trocken war die Wäsche danach nicht und ich gönnte ihr noch mal 15 Minuten, bevor ich alles wieder in den Rucksack stopfte.

Um die Ecke war eine Bushaltestelle. Ein Bus fuhr lauf Skizze immer im Kreis durch Lagos. Doch den hatte ich um wenige Minuten verpasst. Der nächste sollte laut Fahrplan erst in einer Stunde wieder vorbeikommen. Ich ging also zu Fuß zurück.

Es regnete schon länger nicht mehr, meine Regenjacke hatte ich im Rucksack verstaut. Die Sonnenbrillenträger saßen immer noch im Café und starrten vor sich hin. Auf einem Spielplatz standen ein paar Kids an einer Schaukel und drückten auf ihren Handys rum. Mütter schoben Kinderwagen über die Straßen. Die aufgebrachten Damen waren verschwunden, das Fenster geschlossen und schwups war ich auch schon wieder beim Laster (Rückwege kommen einem ja irgendwie immer viel kürzer vor als Hinwege).

Zum Übernachten hatten wir uns einen Platz auf der anderen Seite des Flusses neben der Marina ausgeguckt. Im Hafen standen hier und dort ein paar Wohnwagenverbotsschilder. Direkt am Flussufer fanden wir einen Parkplatz mit Panoramablick auf die Altstadt von Lagos. Vor uns lag der Hafen, hinter uns ein sehr langer Sandstrand.

Zwischen und auf den Steinen am Flussufer saßen sehr viele Katzen.

 

Katze und Aussicht auf Lagos, Algarve, Portugal
Katze und Aussicht auf Lagos

Ein Tierschutzverein hatte ihnen ein Katzenhaus gebaut. Dort wurden sie auch gefüttert. Wer eine Katze von dort haben möchte, kann sich an den Verein wenden und eine kaufen.

 

Katzenhaus

 

Um an den Strand zu kommen, mussten wir an den Katzen vorbei, was mit Lucy keine so einfache Sache war. Sie wollte zu den Katzen. Ob sie sie jagen oder nur schnuppern wollte ist unklar. Die Katzen fanden das nicht so toll und liefen weg. Lucy wollte hinterher. Sie zog und zerrte an der Leine und ignorierte uns völlig. Wir zogen sie vorbei und hatten mal wieder das ungute Gefühl einen Hund zu haben, der nur spurt, wenn es ihm passt.

Der Strand war toll. Kaum Wellen, flacher Sandstrand, mehrere Kilometer lang. Ein Paradies für Lucy, die schwimmen über alles liebt.

 

Meia Praia, Lagos, Algarve, Portugal
Meia Praia

 

Als es wieder zu regnen begann, gingen wir nach Hause und vergnügten uns mit der Aussicht auf die Stadt. Hin und wieder fuhr ein Boot auf dem Fluss vorbei – mal ein Fischerboot, mal eine kleine Yacht. Es wurde dunkel, die Lichter gingen an und spiegelten sich im Wasser. Ein Tag in Lagos war vorbei.

 

Der Ribeira de Bensafrim in Lagos, Algarve, Portugal
Der Ribeira de Bensafrim in Lagos

 

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Über Steffi

Mein Name ist Steffi. Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor ich zum „Leben auf Rädern“ kam, bin ich mit dem Fahrrad gereist. Davor lebte ich in einem Haus, hatte einen ganz normalen Job bei einer Bank  - der ganz normale Wahnsinn... Schnell habe ich festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahm ich ein Jahr Auszeit und bin so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 bin ich wieder unterwegs und mein Leben hat sich komplett geändert. Folge mir via Feedly und Bloglovin´

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