Rundreise Thailand per Rad: Etappe 1 von Bangkok nach Ko Chang

Von Bangkok nach Ko Chang

Etappe 1 der Thailand-Rundreise mit dem Fahrrad führt uns 566 km von Bangkok die Ostküste entlang bis nach Ko Chang, wo wir einige Tage verbringen und die ersten Probleme an unseren Rädern zu lösen versuchen.

 

Von Bangkok nach Ko Chang

Abfahrt aus Bangkok

Sonntag, 13.10.2002

Am Sonntag machen wir uns auf den Weg, um aus Bangkok herauszukommen, denn wir haben gelesen, das an diesem Tag der Verkehr nicht so schlimm sein soll.

Wir brauchen zwei Tage, um einigermaßen raus zu kommen, denn Bangkok nimmt kein Ende und hat von vielen Vororten bereits Besitz ergriffen. Wir wissen nicht, wo es tatsächlich zu Ende ist und ein anderer Ort anfängt (die Schilder sind alle auf Thai). Der Verkehr nimmt kein Ende, doch die Fahrbahnen verringern sich langsam von 7 auf 2.

Wir haben die ganze Zeit einen angenehm breiten Seitenstreifen zur Verfügung, so dass es sich fast so angenehm fährt, wie auf der A1 von Bremen nach Hamburg.

Der Verkehr ist allerdings ziemlich zermürbend, auch wenn die LKW Fahrer oft aufmunternd hupen und die Beifahrer uns zuwinken. Entgegen den Aussagen der Fachliteratur machen wir die Erfahrung, das man als Fahrradfahrer (anders als beim zu Fuß gehen) als Verkehrsteilnehmer respektiert wird.

Das Auto endet hier nicht, wie bei uns, an der eigenen Windschutzscheibe. Alle denken für den anderen mit und machen Platz.

Hier zeigt sich, das die Anschaffung der Rückspiegel ein tolle Idee war. Überall leben hier Menschen in Wellblech- oder Bambushütten an der Straße und wir haben schon Angst, kein Hotel zu finden. Dabei helfen einem die meist irreführenden Angaben der Anwohner auch nicht recht weiter.

Nachdem wir ca. 40 km von Bangkok weg sind, sehen wir auf der anderen Straßenseite ein Schild APPARTEMENT. In einer finsteren Seitenstraße werden wir dann fündig. Zu unserem Glück ist gerade ein gut Englisch sprechender Ingenieur aus Chiang Mai da, der übersetzt. Hier scheinen nur selten Touristen vorbeizukommen. Steffi guckt sich das Zimmer erst mal an.

Für 350 Baht ein großer Raum mit Bad, A.C. und Balkon. Hier scheinen viele Geschäftsleute zu wohnen. Alle Zimmer sind mit einem Vorhängeschloss von außen zu verriegeln und draußen vor der Tür sitzt ein Wächter. Alle Anwesenden helfen, unser Gepäck nach oben zu bringen und dann duschen wir uns erst mal den Schweiss weg.

An das Hotel ist ein Restaurant angeschlossen und ohne es zu wissen, haben wir wohl Suppe bestellt. Allerdings ist diese nicht besonders lecker. Olaf isst die darin schwimmenden Garnelen und Steffi trockenen Reis.

Ein bisschen entmutigt gehen wir dann ins Bett.

 

Rundreise Thailand per Rad: Etappe 1 von Bangkok nach Ko Chang
Rundreise Thailand per Rad: Etappe 1 von Bangkok nach Ko Chang

 

Bang Saen

Warane im Vorgarten

Am nächsten Morgen sehen wir vom Balkon aus einige Warane (oder Riesenechsen, ca. 70 cm lang), die sich über den herumliegenden Müll hermachen.

Auf dem Weg nach Chang Buri, das laut Reiseführer 80 km von Bangkok entfernt liegen soll (wir haben mehr gezählt), treffen wir bei einer Pause einen französischen Radler. Wir erfahren, das er über Laos nach Kambodscha gefahren ist und jetzt in Richtung Südthailand, Malaysia und Australien unterwegs ist.

Schön zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Nach einer endlosen Strecke durch dröhnenden Verkehr und brütenden Hitze passieren wir Chang Buri und erreichen nach weiteren 20 km Bang Saen, unser vorläufiges Ziel.

Hier sehen wir zum ersten Mal das Meer. Zur Belohnung gibt es kalte Cola und Hähnchen am Stiel. Dann begeben wir uns auf Zimmersuche. Auffallend ist, das der Strand ausschließlich von Thais bevölkert ist und man keine westlichen Touristen mehr sieht. Nach dem Einchecken im Hotel und einer kurzen Dusche gehen wir zur Strandpromenade, um etwas zu essen. Im Verhältnis zur Besucherzahl gibt es ein Überangebot an Verkaufsständen.

Anschließend lassen wir den Tag bei englischem Sat-TV auf unserem Hotelzimmer ausklingen.

 

Bang Saen

im Seewasseraquarium

Dienstag ist radfrei!

Den Vormittag verbringen wir mit spazieren gehen, essen und trinken. Um der Mittagshitze zu entfliehen, besuchen wir das angeblich größte Seewasseraquarium Südostasiens. Hier gibt es alles zu sehen, was es in einem Aquarium so zu sehen gibt. Ausnahme: In einem Aquarium sind die Fische so groß, wie ein Standardaquarium bei uns zu Hause. Auch hier keine westlichen Touristen. Viele Schulklassen in schicken Uniformen. Alles geht sehr diszipliniert und ruhig zu.

Im angeschlossenen Marinemuseum haben wir die Möglichkeit, Haie zu streicheln (ausgestopft), und etwas über Fischfang und Muschelzucht der Eingeborenen zu erfahren.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit E-Mail schreiben, essen, trinken und herumsitzen am Strand.

Kaum ein Thai trägt Badebekleidung. Er geht mit T-Shirt und Hose ins flache Wasser. Motorradfahrer ziehen sich nach dem Bad für die Heimfahrt einfach eine Regenjacke über die nassen Sachen. Andere Länder, andere Sitten…

Erstmals haben wir die Gelegenheit, unseren Polyglott Thai Sprachführer an den zahlreichen Ständen auszuprobieren (warum lachen die Leute nur so?). Leider ist dieses Machwerk nicht für solch ungewöhnliche Tätigkeit wie das Herumblättern geeignet und es zerlegt sich, noch bevor wir die ersten Vokabeln können, in seine Einzelteile. Viele Grüße an Polyglott…

Gegen Abend frischt der Wind auf und der Horizont verfinstert sich. Wir hoffen, endlich einen dieser tropischen Monsunregen miterleben zu dürfen. Doch bis auf ein paar Blitze in weiter Ferne passiert nix.

 

Bang Saen

Affentreffen

Heute stehen wir mal vor 8 auf und fahren mit dem Rad zur Strandpromenade, um zu frühstücken (gebratenen Reis mit Huhn). Anschließend folgen wir der Küstenstraße in westlicher Richtung. Am Ende des Ortes blockiert eine Horde Affen die Straße, der wir eine Weile zusehen -zu putzig!

Im weiteren Verlauf der Straße passieren wir noch einige nicht unbedingt sehenswerte Fischerorte. Die meisten Boote sind trocken gefallen, da gerade Ebbe ist. Die Hafenbecken sind eklig schlammig und häufig stinkt es erbärmlich. Auf den Stegen sind die Fischer mit ihrem Fang beschäftigt und wir können sehen, wo das, was es am Strand zu kaufen gibt, herkommt.

An der Küste wird viel Muschelzucht betrieben.

Auf dem Rückweg wählen wir eine andere Route und quälen uns einen kleinen Berg hinauf. Hier treffen wir wieder auf eine Affenbande. Dabei scheint es sich um eine Touristenattraktion zu handeln, denn man kann Bananen zum füttern kaufen. Leider sind die Jungs sehr dreist, so dass sie uns eine Wasserflasche aus dem Getränkehalter klauen und sich damit aus dem Staub machen. Um wenigstens unsere letzte Flasche zu retten, packen wir diese in eine Plastiktüte und hängen sie an den Lenker. Doch so ein Affe ist gar nicht doof, und in einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit ist auch diese verschwunden. Ein schwacher Trost ist, dass es ganz witzig ist mit anzusehen, dass der Affe, trotz des nicht einfach zu öffnenden Verschlusses (Sicherungsring) kein Problem hat, an den Inhalt zu gelangen. Trotzdem uns die Kerle nur bis zu den Knien reichen, können sie ganz schön giftig werden, und da ist es besser, Abstand zu halten.

Die Hauptattraktion für die thailändischen Touristen sind allerdings nicht die Affen, sondern wir, und jeder will mal mit uns zusammen fotografiert werden.

Nach kurzer Mittagspause in Bang Saen (gebratener Reis mit Huhn) wollen wir herausfinden, ob es eine Alternative zur Autobahn gibt und verlassen den Ort in östlicher Richtung. Doch schon nach 10 km endet die Straße am vielbefahrenen Highway Nr. 3. Wie schön!

Wir beschließen, wieder zum Strand zurückzukehren, und es regnet kurz. Da die Gegend sonst nicht viel zu bieten hat, kaufen wir uns Badehosen und probieren diese auch gleich aus. Aufgrund der angenehmen Wassertemperatur gelingt es sogar, Olaf ins Wasser zu bekommen.

So beenden wir diesen Tag relativ zeitig mit Taschenpacken, E-Mail schreiben und Kartenstudium. Nach Möglichkeit wollen wir morgen früh losfahren, um uns in der Mittagshitze eine längere Pause gönnen zu können. Vor uns liegt wieder der schreckliche Highway Nr. 3. Wir wollen versuchen, Pattaya zu umfahren, und werden durch das Landesinnere Richtung Rayong fahren. Da wir die ganze Strecke nicht an einem Tag fahren wollen hoffen wir, dass es abseits der Küste Übernachtungsmöglichkeiten gibt…

…Euch allen sei das eigene Bett gegönnt.

 

Bang Saen – Rayon

Ananas und Wald

Endlich schaffen wir es mal, früh aufzustehen, und so sind wir nach einem kurzen Frühstück (gebratener Reis mit Huhn) wieder auf dem Highway Nr. 3 unterwegs in Richtung Rayon.

Kurz vor Pattaya biegen wir ins Landesinnere ab, auf eine laut Karte weniger befahrene Strecke. Dies stellt sich leider als Irrtum heraus und es geht weiter auf dem Standstreifen einer zweispurigen Autobahn, durch eine sanfte Hügellandschaft, gesäumt von Ananasplantagen und Wäldern.

Aufgrund fehlender Übernachtungsmöglichkeiten entschließen wir uns, heute noch nach Rayon zu fahren. Der Regenschauer am Mittag und der bedeckte Himmel danach, kommen uns dabei sehr gelegen.

95 km später und völlig erschöpft begeben wir uns in Rayon auf Zimmersuche. Zur Belohnung steigen wir heute mal ganz feudal im Palace Hotel ab. Nach zähen Preisverhandlungen lassen wir vom Boy unsere Sachen auf das Zimmer bringen. So geht nach einem kurzen Abendessen ein sehr anstrengender Tag zu Ende.

 

Rayon – Ban Phe

Continental Breakfast

Laut Aushang auf unserem Zimmer gibt es in diesem internationalen Haus auch internationales Frühstück.

Wir also früh raus und runter und verlangen nach der Karte. Leider fehlt die Seite mit dem Frühstück. Keiner spricht Englisch, aber nach langem hin und her zaubert eine Angestellte doch noch die Karte hervor.

Wir bestellen zwei Mal Continental Breakfast.

Der Kellner ist verwirrt, rennt zur Rezeption, Aufruhr, Schulterzucken. Wir bekommen zwei Gläser Wasser. Der Kellner rennt die Treppe herauf, kommt wieder herunter, hat Schweiß auf der Stirn. Wir bekommen Kaffee, das lässt hoffen, schmeckt gar nicht schlecht, noch besser. Der Kellner betritt wieder die Szenerie mit einer Plastiktüte von Seven Eleven (Supermarkt), wirkt angespannt. Kurze Lagebesprechung aller Angestellten. Achselzucken. Kellner rennt die Treppe rauf, kommt wieder runter. Die ganze Belegschaft ist in Panik. Unsere Hoffnungen schwinden. Jeder rennt in eine andere Richtung. Die Putzfrau zaubert aus einer Abstellkammer einen alten Toaster hervor. Der Kellner, völlig durchgeschwitzt, verschwindet mit Toast und Toaster nach oben. 20 Minuten später, Auftritt der Köchin. Alle atmen auf.

Wir bekommen jeder zwei Scheiben Toast mit einer verschwindend kleinen Menge Marmelade und noch weniger Butter. Was wäre wohl passiert, hätten wir American Breakfast bestellt…?

Auf dem Rad hat uns der Highway Nr. 3 wieder, dessen Verlauf wir weitere 10 km folgen. Dann bringt uns ein Abzweig wieder ans Meer. Laut Karte liegen ca. 40 km Küstenstraße vor uns. Nach dem gestrigen anstrengenden Tag, gehen wir es ruhig an und pedalen gemütlich im Schatten von Bäumen direkt am Meer entlang.

Wir machen viele Pausen, unter anderem auch in Ban Phe. Hier fahren die Fähren nach Ko Samet. Ein paar Ruhetage auf eine Insel? Doch das Wochenende steht vor der Tür und die Thaireisewelle rollt. Wir fahren weiter.

Gegen Nachmittag legen wir einen längeren Badestop abseits des Trubels ein. Der Platz gefällt uns so gut, das wir gegen Abend unser Zelt am Strand aufschlagen. So geht dieser Tag bei einem schönen Sonnenuntergang mit Blick auf Ko Samet zu Ende. Wir blicken noch lange aus unserem Zelt auf das Meer hinaus und lauschen der Brandung. Das kann uns kein Hotel bieten.

 

Ban Phe – Klaeng

Schnecken in allen Größen

Leider gibt es heute kein Continental Breakfast, sondern nur Vitalgebäck von Aldi und thailändische Bananen. Doch schon nach wenigen Kilometern können wir direkt am Strand unser Frühstück nachholen (gebratener Reis mit Huhn).

Gemütlich radeln wir weiter am Strand entlang.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Klaeng.

Zum Bleiben zu früh, zum Weiterfahren zu spät. Wir bleiben. Nach dem Einchecken im Hotel bleibt uns noch etwas Zeit, den Ort zu erkunden.

Auf dem Markt decken wir uns mit Lebensmitteln ein und staunen über die Vielzahl der angebotenen Waren. Neben jeder Menge Geflügel (lebendig oder tot, frittiert oder gegrillt, gekocht oder gebraten) gibt es hier vor allem Meeresfrüchte. Angepriesen werden Fische von der Größe einer Streichholzschachtel bis hin zu Riesenfischen von der Größe eines ausgewachsenen Schäferhundes. Es gibt Schnecken in allen Größen – die größte so groß wie 2 Tennisbälle nebeneinander. Muscheln, Krebse in allen Farben und Größen, Tintenfische plattgewalzt und getrocknet, aber auch frisch, sowie eine riesige Auswahl an Obst und Gemüse.

So wie wir die Waren bestaunen, werden wir von den Einwohnern bestaunt, denn auch hier sind wir wieder einmal die einzigen Falangs (Langnasen).

Mit Tüten voller Leckereien ziehen wir uns ins Hotel zurück.

 

Exkursionen in die kulinarische Welt der Thai

Heute: die Süßspeise.

Wir unternehmen weitere Exkursionen in die kulinarische Welt der Thailänder.

Heute: die Süßspeise.

Man nehme entweder trockenes Brot oder wallnussgroße, durchsichtige, glibschige Früchte (???) oder alternativ eine ebenfalls glibberige Masse von der Konsistenz und dem Aussehen von Kaviar, spanne einen etwa fußballgroßen Eisklotz in eine große handbetriebene Eisraspel-Maschine und rasple Eis darüber. Zu guter Letzt würze man das ganze mit einer der zahlreichen schreiend bunten Flüssigkeiten (rot, orange, rosa, grün…)

Den Kindern schmeckt es, uns nicht so.

 

Klaeng – Chantaburi

eine neue Strassenkarte und der erste Plattfuss

Schon zum Frühstück verdecken Wolken die Sonne und nach 30 km beginnt es zu regnen. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir einen schützenden Unterstand. Eine Ansammlung von Neubauten etwas abseits der Straße mit dem verheißungsvollen Schild “Tourist Center”.

Eine ältere gut englischsprechende Thailänderin fragt nach dem Woher und dem Wohin und erzählt uns, dass dies ihre Farm sei, wo man in der “Food-Season” etwas über die heimische Pflanzenwelt erfahren und exotische Früchte probieren kann.

Leider ist gerade keine Food-Season. So nehmen wir in der Bar Platz und trinken einen Kaffee. Hier treffen wir auf den Chef der Anlage und haben die Möglichkeit Erkundigungen über den weiteren Straßenverlauf einzuholen. Um besser erklären zu können, fährt er kurz weg und kommt nach wenigen Minuten mit einer Thailandkarte für uns wieder. Diese ist allerdings in thailändischer Schrift und somit nur bedingt brauchbar. Jetzt haben wir drei Karten, die alle mehr oder weniger stark von einander abweichen.

Als der Regen nachlässt hat uns die Strasse wieder. Doch schon nach wenigen Kilometern kommt es zur nächsten Zwangspause. Ungewöhnliche Geräusche an Olafs Vorderrad verheißen nichts Gutes — Pffffffffffffffffff!

Der erste Plattfuß! Glücklicherweise direkt vor einer Tankstelle.

Nach einem weiteren Regenstopp erreichen wir später als erwartet Chantaburi. Hinter uns liegen 65 km radeln unter einem angenehm bedeckten Himmel und teilweise erfrischendem Regen. Wir finden ein schönes Hotel und haben noch etwas Zeit für einen Stadtrundgang und die übliche kulinarische Exkursion über den örtlichen Markt.

Zurück im Hotel machen wir uns schick, um in der Karaokebar gegenüber noch ein Liedchen zum Besten zu geben…;o)

 

Der Verkehr die Zweite

Es herrscht Linksverkehr, jedenfalls meistens

Das Radeln hier gestaltet sich angenehmer als gedacht. Wir haben nie das Gefühl, den Autos im Weg zu sein. Es wird rücksichtsvoll gefahren und nach nunmehr etwas mehr als 400 km kam es nie zu einer kritischen Situation.

Es herrscht Linksverkehr, jedenfalls meistens. Auch das Miteinander unter den Auto- und Motorradfahrern sieht ganz entspannt aus. Auf den Autobahnen wird sowohl rechts wie links und sogar auf dem Standstreifen überholt. Es scheint jeder für den anderen mit zu denken. Und wenn es mal eng wird, dann passen auch zwei Autos auf eine Fahrspur.

Taucht ein Hindernis auf, rückt man etwas enger zusammen. Motorräder sind keine Zweisitzer, sondern Familienfahrzeuge. Sie können 3-4 Personen plus Gepäck und Haustiere zum Ziel befördern. Ein vernünftig lauter Rennauspuff ist hier Pflicht.

Man unterscheidet zwei Betriebsarten: Vollgas oder Motor aus.

Gefahren wird, wo Platz ist, oder auch nicht. So ist es nicht ungewöhnlich auch dort auf Mopeds zu treffen, wo man es schon als Fußgänger schwer hat, durch zu kommen.

Eine Altersbeschränkung für das Lenken eines Mopeds scheint es nicht zu geben. Wir sehen kleine Brüder, die ihre noch kleineren Schwestern durch die Gegend fahren. Es gibt eine Helmpflicht, die aber außerhalb von Bangkok kaum Beachtung findet. Nachts kann man auch Licht einschalten. Bei der Benutzung von PKW ist nur zu beachten, dass der Fahrer noch die Möglichkeit hat, aus wenigstens einem Fenster einen kleinen Teil der Straße zu sehen und das der Auspuff nicht zu oft aufsetzt. Wir sehen 5 Meter hoch beladene Pickup auf deren Gipfel Leute sitzen, um die Ladung zu sichern. Nachts kann man auch hier Licht anmachen. Muss man aber nicht.

Es bleibt zu hoffen, dass nicht wir einmal der Grund für einen Unfall sein werden, da viele sich von unserem Anblick ablenken lassen. Man hupt und winkt uns zu. Und mancher Autofahrer schaut uns länger nach, als vernünftig wäre.

 

Chantaburi

Enklave von katholischen Vietnamesen

Morgens haben wir von unserem Hotel eine Tasse Kaffee bekommen, nachdem wir den aus hatten, sind wir spazieren gegangen. Außerdem haben wir einiges auf unserer Einkaufsliste.

Chantaburi ist laut Reiseführer eine Enklave von katholischen Vietnamesen, und so können wir eine kleine Kathedrale (allerdings nur von außen) ansehen.

Hier gibt es im Gegensatz zu den anderen Orten, die wir bisher gesehen haben, eine große Anzahl an Backwaren zu kaufen – sehr lecker.

Wir verbringen mehrere Stunden im Internetcafe und versuchen ein Moskitonetz zu organisieren, was leider nicht geklappt hat.

Je weiter wir uns von Bangkok entfernen, um so freundlicher sind die Leute. Wenn wir mal wieder ratlos vor einem Essenstand stehen und der Verkäufer kein Englisch spricht, bieten viele Leute ihre Hilfe an. Auch wenn wir irgendwo mit unserem Rad stehen bleiben, dauert es oft nicht lange bis jemand fragt, ob er uns helfen kann.

Da wir uns jetzt zunehmend in stark malariagefährdetes Gebiet vorwagen, entscheiden wir uns, für die nächsten 14 Tage eine Prophylaxe zu nehmen. Diese haben wir in der Apotheke erworben. Leider ist uns der Wirkstoff unbekannt.

Wenn wir uns also nicht mehr melden, bekommen wir nie wieder Malaria. Hier sind wir wieder die einzigen Europäer weit und breit und hoffen, auf Ko Chang wieder mal welche zu sehen.

 

Chantaburi – Laem Ngnob

wei mit Pistolen bewaffnete Uniformierte

Nachdem wir die zweite Nacht unter dem Lärm der angrenzenden Diskothek überstanden haben, werden wir bereits morgens um 6 durch das Krähen eines Hahnes im Nachbarzimmer geweckt (wir wohnen im 3. Stock).

So starten wir früher als uns lieb ist, haben dafür aber die einigermaßen kühlen Vormittagstunden zum Fahren, so dass wir gegen Mittag bereits über 50 km auf dem Tacho haben.

Seit wir Chantaburi verlassen haben, hat der Verkehr, obwohl wir uns weiter auf dem Highway Nr. 3 befinden, spürbar nachgelassen. Auch landschaftlich hat die Gegend bedeutend mehr zu bieten als vorher.

Da wir unserem Zeitplan um einiges voraus sind, gönnen wir uns zum Mittag eine ausgedehnte Pause. Wir verbringen die heißen Stunden unter einem schattenspendenden Buswartehäuschen etwas abseits der Straße mit einem Nickerchen.

Jäh werden wir geweckt und blicken auf zwei mit Pistolen bewaffnete Uniformierte.

Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten setzen sie sich kurz zu uns und wollen nur wissen, wo wir herkommen und wo wir hinwollen. Bevor sie ihren Weg fortsetzten, schenken Sie uns zwei Pomelos (ähnlich wie Grapefruit, nicht so bitter, dafür etwas trockener, etwa fußballgroß).

Ob der städtische Trachtenverein Grün-Weiß-Lustich bei uns auch so zuvorkommend freundlich zu Ausländern ist???

So gestärkt setzen wir unseren Weg fort.

Nach einem ungewollten Abstecher (wir haben uns verfahren) an eine kleine von Thais überrannte Bucht, erreichen wir nach 97 km Laem Ngnob, unser Tagesziel.

Von hier fahren die Fähren auf die der Küste vorgelagerten Inseln.

Die letzten Kilometer waren auf Grund der vielen Steigungen die anstrengensten. Doch die aufmunternden Zurufe der Leute, die uns in vollbeladenen Pick Up überholen, erleichtern die Sache.

Beim Abendessen auf der Straße sitzen wir neben zwei Thailändern, die versuchten, mit uns ins Gespräch zu kommen. Da dies auf Grund fehlender Thai/Englischkenntnisse nicht klappte, bot man uns Mentholzigaretten und Mekongwhiskey an. Und auch ihr Essen sollten wir mit ihnen teilen. Als es anfäng zu regnen, beenden wir den Abend.

Übrigens sehen wir hier zum ersten Mal seit langem wieder Europäer.

 

Ko Chang

die legendären drei Probleme

Wir hatten gedacht, wir könnten um 7 Uhr die Fähre nach Ko Chang nehmen, bis wir feststellen müssen, dass Olafs Hinterrad platt ist. Während einer von uns beiden den Reifen flickt, kümmert eine von uns sich um die nächste Fähre und das Frühstück.

So gestärkt und frisch geflickt setzen wir über nach Ko Chang. Dort angekommen schreit das Fahrrad wieder nach Aufmerksamkeit, der gerade geflickte Reifen ist wieder platt. Diesmal ein Loch an einer anderen Stelle. Nachdem der zweite Reparaturversuch mit einem Schnellflicken fehlschlägt, tauschen wir den Schlauch gegen einen neuen aus. Nachdem wir das Hinterrad wieder montiert, das Fahrrad wieder beladen haben und bei einer kalten Cola entspannen, vernehmen wir das uns allzu bekannte Geräusch – pfffffffffffffff.

Dieses Mal scheint der Schlauch zwischen Felge und Mantel eingeklemmt gewesen zu sein und ein ca. 1 cm langer Riss an der Unterseite lässt die Luft entweichen. Nach den ersten fehlgeschlagenen Flickversuchen nehmen wir an, dass unser Kleber bei den Temperaturen zu schnell abtrocknet.

Also muss der 3. Ersatzschlauch dran glauben. Nachdem wir auch diesen Reifen wieder montiert und im Schweiße unseres Angesichts wieder unter Druck gesetzt haben, verabschiedet sich auch dieser nach wenigen Augenblicken von der sich in ihm befindlichen Luft.

Olaf ist die Ruhe selbst.

Wir verlegen unsere Werkstatt unter das schattenspendende Vordach eines naheliegenden Restaurants. Hier haben wir zwar Schatten, aber dafür auch jede Menge Zuschauer, wovon einige ihre Hilfe anbieten, aber auch keine Erklärung für unser Pech haben. Nach einer kurzen Erfrischung machen wir uns daran, einen Schlauch nach dem anderen zu flicken. Trotz des Einsatzes dreier verschiedener Gummilösungen und der dazugehörigen Flicken, kommt es immer wieder zu Problemen.

Nach einer Vielzahl fehlgeschlagener Flick- und Montageversuche geben wir resigniert auf. Die Flicken halten dem Luftdruck, den wir benötigen (3,5 bis 6 Bar) nicht stand. Wir geben uns mit einem geringeren Luftdruck zufrieden und machen uns schiebenderweise auf in den nächsten Ort, um ein Zimmer für die Nacht zu finden.

Mittlerweile ist es 15 Uhr und wir haben über 4 Stunden verloren. Nach kurzer Zeit ist der Reifen wieder platt. Da wir glauben, dass weitere Flickversuche keinen Sinn machen, trennen wir uns. Steffi fährt vor, um ein Zimmer zu finden und kommt ohne Gepäck zurück, um so das Gepäck vom anderen Rad transportieren zu können. So erreichen wir schiebend kurz vor Sonnenuntergang unsere Bleibe: die Garden Lodge in Klong Son.

Einem kleinen familiär geführten Gästehaus unter der Leitung einer Deutschen.

Hier ist es ein bisschen wie bei Ernstl auf Teneriffa (siehe Reisebericht Kanaren). So schließt der Tag mit Froschgequake und Grillenzirpen in einem wunderschönen Garten etwas Abseits der Zivilisation.

Da sind sie also, die legendären drei Probleme:

Hinterrad platt, Ersatzschläuche kaputt und keine Ahnung, wie es weitergeht.

 

Ko Chang

Kann denn Reifenflicken so schwer sein?

Der Tag danach und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Dieser Tag beginnt, wie der letzte zu ende ging: Mit einem platten Reifen.

Auch in den kühlen Morgenstunden bleiben viele Flickversuche ergebnislos. Olafs Daumen sind bereits wund vom vielen mantelaufdiefelgedrücken und an den Handflächen sind vom vielen Luftpumpen die ersten Anzeichen von Blasen zu erkennen. Doch die Löcher scheinen zu groß zum Flicken zu sein.

Auf den Tipp unserer Gastgeberin hin, fahren wir mit ihrem thailändischen Mann Da (der zufälliger Weise auch seit gestern einen platten Hinterreifen an seinem Moped hat) in die hiesige Motorradfachwerkstatt.

Hier wird mit Feuer vulkanisiert. Der Schlauch wird angeschliffen, mit einer Gummilösung bestrichen und dann wird ein Flicken, der auf einer Metallplatte sitzt, mit hohem Druck mit der Schraubzwinge angepresst. Danach wird die rückseitige Beschichtung der Metallplatte angezündet und brennt mit gleißender Flamme und viel Gestank ab. Etwas skeptisch sind wir, da der Flicken für einen Fahrradreifen sehr dick ist. Doch nach Montage und aufpumpen des Rades ist keine Unwucht zu sehen, und wir montieren das Hinterrad wieder am Fahrrad. Doch just in dem Moment, in dem wir den Schnellspanner festdrehen, entweicht die Luft wieder aus dem Schlauch. Alle Beteiligten können es nicht fassen.

Da wir uns nicht noch einen Tag versauen wollen, fahren wir am Nachmittag mit unserem Gastgeber Da (‘Da’ ist sein Name) zum Strand. Wir verbringen den Nachmittag mit spazieren gehen und sehen uns nach einer Unterkunft um. Leider müssen wir feststellen, dass diese Insel zwar relativ wenig erschlossen ist, aber bei weitem mehr los ist, als der Reiseführer suggeriert hat.

Auf unserem Heimweg liest uns ein älterer Thai an der Straße auf und bringt uns auf der Ladefläche seines Pick Up bis fast vor die Haustür.

Trotz des schönen Nachmittags fällt es uns in Anbetracht des ‘simplen Problems’ mit dem Hinterrad schwer, Entspannung und Ruhe zu finden. Kann denn Reifenflicken so schwer sein? Wir haben ja mit allerlei Problemen gerechnet, ob nun eine verbogene Felge, oder ein krummes Schaltwerk, aber dass ein simples Loch uns jetzt schon zwei Tage beschäftigt und ein Ende nicht abzusehen ist…

 

Ko Chang

Übermütig schmieden wir Pläne…

Auch wenn es langweilig wird und mancher sich fragen mag, wie blöd wir denn eigentlich wären – den Vormittag haben wir mit flicken verbracht.

Einen der Schläuche, der mittlerweile durch die viele Flickerei irreparabel ist, haben wir zerschnitten, und aus ihm einen extra großen Flicken geschnitten. Hält auch nicht!

Gegen Mittag fährt Da auf das Festland nach Trat (Stadt), da er dort etwas zu erledigen hat. Er nimmt einen unserer Schläuche als Muster mit und will versuchen, dort Ersatz zu finden und neues Flickzeug (unseres ist alle) zu besorgen.

Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang durch die nähere Umgebung. Unser Wohnort ist touristisch noch gar nicht erschlossen, und so finden wir zwei malerische Buchten. Wenn die Thais nicht so eine innige Beziehung zum Müll hätten, könnte es hier richtig schön sein. Doch überall der Wege und Strände haben sie kunstvolle Müllhaufen aufgetürmt, Plastikflaschen dekorativ zwischen den Bäumen verteilt und Kunststoffkanister und Holzkisten entlang der Strände platziert. Wer das mag…

Das ist besonders schade, wenn man bedenkt, dass Ko Chang und die anderen Inseln einen Nationalpark bilden, mit weitgehend unberührter Natur und weitläufigem dichten Urwald mit altem Baumbestand. Einige der heimischen Pflanzen und Tiere gibt es nur auf diesen Inseln.

Als wir von unserem Spaziergang zurückkehren, ist auch Da vom Festland zurück. Er hat unseren vom Fahrradgeschäft geflickten Schlauch dabei. Zusätzlich hat er uns einen Hunderterpack Flicken und einen großen Topf Gummilösung mitgebracht. Zu einem Preis, für den man bei uns mal gerade ein kleines Tübchen Kleber und maximal 10 Flicken bekommt.

Würden in Thailand mehr Leute Fahrradfahren, könnten wir jetzt mit einem Bikerepairshop den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Mit der Praxis, die wir jetzt haben…

Nach der Montage des vom Fachmann geflickten Schlauches sind wir am rätseln, warum dieser denn nun seit drei Stunden den Luftdruck hält. Übermütig schmieden wir Pläne…

Wobei es uns hier eigentlich sehr gut gefällt, in der angenehmen familiären Atmosphäre, dem schönen Garten. Durch unsere deutsche Gastgeberin und ihrem thailändischen Ehemann haben wir die Möglichkeit, recht viel über Land und Leute zu erfahren (sie lebt seit 15 Jahren hier). Oft sitzen wir zusammen auf der Terrasse und unterhalten uns. Früher muss es hier noch schöner gewesen sein, als es noch keine asphaltierte Straße gab, nur eine Piste durch den dichten Urwald, der die wenigen Ortschaften miteinander verband. Auch Touristen gab es zu dieser Zeit fast gar nicht.

Trotzdem das Hinterrad seit nunmehr vier Stunden konstant den Luftdruck hält, überlegen wir noch ein paar Tage hier zubleiben, auch wenn oder vielleicht gerade weil, wir hier etwas ab vom Schuss sind.

Nachtrag: Nach 5 Stunden ist der Reifen wieder platt.

 

Tagesausflug nach Trat

drei Fahrradgeschäfte

Nach einem Becher Kaffee und etwas Toast machen wir uns auf den Weg zur Fähre und setzen zum Festland über. Von hier fahren wir mit einem Songthaew (Sammeltaxi) die 17 km nach Trat, so dass wir pünktlich zum Mittagessen eintreffen.

Nach dem Essen müssen wir feststellen, dass es hier nicht viel zu sehen gibt. Der örtliche Markt befindet sich schon im Abbau und auffallend viele Geschäfte haben geschlossen.

Da wir auf Ko Chang noch keinen Geldautomaten gefunden haben, der EC-Karten schluckt, decken wir uns bei der Gelegenheit mit Bargeld ein.

Und wie der Zufall es will, gibt es hier tatsächlich drei Fahrradgeschäfte (nicht dass das etwa der Grund für unseren Ausflug hierher gewesen wäre…;-)).

Dort finden wir einen fast passenden Schlauch für das Hinterrad (27″ statt 28″). Wenn das mal gut geht. Hingegen ist das Angebot an Reifen und Schläuchen für 26″ Räder wesentlich größer.

Leider haben wir am Nachmittag nicht mehr genug Zeit, um unsere E-Mails zu lesen und den Reisebericht zu tippen, da wir eine der letzten Fähren zurück nach Ko Chang bekommen müssen.

Auf der Insel gibt es Internet nur in besseren Hotels über Satellit und das ganze zu einem stolzen Preis bei sehr geringer Leistung.

Der Taxifahrer, der uns zusammen mit vier anderen Touristen, die gerade mit dem Bus aus Bangkok ankommen, zurück zur Fähre fährt, verlangt den doppelten Preis, wie auf der Hinfahrt. Erst nach zähen Verhandlungen lässt er sich auf den regulären Preis ein. Im Fährhafen angekommen hält er nicht direkt am Pier, sondern vor einem Ticketschalter/Reisebüro- mit völlig überhöhten Preisen. Ein Onewayticket will man uns nicht verkaufen, weil man der Meinung ist, wir müssen ja irgendwann wieder zurückkommen und auf der Insel gäbe es keine Tickets (was Quatsch ist). Blöd nur für alle die neu ankommen. Also sind wir weiter zur Pier. Hier versuchen diverse andere Verkäufer ihre Tickets für 50-60 Baht an den Mann zu bringen. Und selbst das Fräulein von der Schifffahrtsgesellschaft versucht, uns für ein Ticket 50 Baht abzuknüpfen. Erst nach unserem Einwand, dass wir für die Hinfahrt nur 30 Baht bezahlt haben, lässt sie von Ihren überhöhten Preisforderungen ab.

Wieder auf Ko Chang treffen wir Da, der sich seine Zeit mit Taxifahren vertreibt. Er fährt uns wieder nach Hause. Dort angekommen ziehen wir unseren neuen Schlauch ein. Leider hat der ein Autoventil, für das wir keine Luftpumpe haben. Deshalb gehen wir rüber zur Mopedwerkstatt und lassen ihn dort aufpumpen. Der dortige Kompressor macht leider nur viel Krach und wenig Druck, so dass bei geschätzten (Manometer kaputt) 3 Bar Schluss ist. 5-6 Bar brauchen wir, da die meisten Plattfüße bei zu geringem Luftdruck entstehen.

Zum Abendessen gönnen wir uns mal wieder gebratenen Reis mit Huhn und stoßen mit einer Fanta auf unseren neuen Reifen an, der mittlerweite seit rekordverdächtigen fünf Stunden den Luftdruck hält.

Schon schmieden wir große Pläne und hoffen, dass jetzt der ‘Urlaub’ beginnt.

 

Ko Chang

auf der Suche nach Druckluft

12 Stunden Luft auf dem Hinterrad, das ist lange nicht mehr da gewesen. Wir werden übermütig und machen uns hoch zu Ross auf eine Inselrundfahrt. Das erste Hindernis, das vor uns liegt, kennen wir bereits — ein Berg.

Da die Insel fast ausschließlich aus einem Nationalpark besteht, hatte man kaum Platz für den Straßenbau. So musste man auf steigungsmildernde Serpentinen fast gänzlich verzichten. Also quälen wir uns halb fahrend halb schiebend den Berg hinauf. Dafür ist der Ausblick von oben entschädigend.

Die beiden Hauptstrände der Insel sind noch gänzlich hochhausfrei, so dass kein hässlicher Betonklotz die schöne Sicht stört. Und die paar Bungalows, die an den Stränden stehen, sind von hier kaum zu erkennen. Um an die weiter abseits gelegenen Strände zu gelangen, gibt es noch einmal einen kleinen Berg zu überwinden, der sich schon bald als noch steiler als der Erste herausstellt.

Die Leute auf den vollbeladenen Pick Up, die uns überholen sind teilweise amüsiert oder beeindruckt und feuern uns an. Unten angekommen versuchen wir unseren knurrenden Magen zufrieden zu stellen. Doch leider gibt es nur wenige Restaurants, die nur Essen auf der Karte haben, das sich nicht mit unserer Budgetplanung vereinbaren lässt.

Also Kommando zurück und wieder auf die andere Seite des Berges. Doch vorher decken wir uns bei einem vorbeifahrenden Gemüsehändler mit Obst ein und machen eine längere Pause am Strand. Aber nützt ja nix. Um an eine Mahlzeit zu kommen, müssen wir wieder zurück über den Berg. Nach rasanter Abfahrt unten angekommen –jetzt wird es wieder langweilig– ist Olafs Hinterreifen wieder einmal platt. Zu dumm, dass er nur ein Autoventil hat, für das wir keine Pumpe haben. So schieben wir mal wieder, dieses Mal mit knurrendem Magen, die Straße entlang auf der Suche nach einer Werkstatt mit Druckluft.

Zum Glück werden wir nach kurzer Zeit fündig und mitleidig reicht man uns den Luftschlauch und stellt uns die Werkstatt zur Verfügung. Es zeigt sich, dass der nagelneue Schlauch auch ein Loch an der Unterseite hat. Aber warum nur? Dieses Mal kann es ja auch daran liegen, dass der Schlauch nicht passend ist. Sonst fällt uns nichts mehr ein.

Durch das tagelange Training haben wir das Loch in kurzer Zeit geflickt. Etwas misstrauisch pumpen wir den Reisen wieder auf, denn warum sollte gerade dieser Flicken halten? Seltsamerweise verläuft die Rückfahrt völlig problemlos. Glück gehabt!

Doch das Problem scheint noch nicht aus der Welt zu sein. Da das sehr unbefriedigend ist, und wir an Felge und Mantel durch mehrmalige Inspektion durch uns und diverse andere Leute, nichts feststellen konnten, beschließen wir, morgen Schlauch und Mantel von vorne nach hinten zu tauschen. Mal sehen was dann passiert…

Immerhin konnten wir heute über 40 km Fahrradfahren und haben etwas von der Insel gesehen. Heute hat sich auch einmal wieder gezeigt, dass die Wahl eines 28er Rades die schlechtere war, denn für 26″ gibt es sogar auf der Insel Ersatzteile. Den Abend verbringen wir auf unserer Terrasse und freuen uns, dass die vierbeinigen Mitbewohner immer zutraulicher werden, so dass sich die Katzen mittlerweile auf unserem Schoß zur Ruhe legen und der Hund sich nach freudiger Begrüßung unter dem Tisch zusammenrollt.

 

Ko Chang

White Sand Beach

Um es vorwegzunehmen, der Tag beginnt mal nicht mit einem platten Reifen, dafür geht er mit einem platten Reifen zu Ende.

Entgegen unserer Pläne vom Vorabend tauschen wir nicht Mantel und Schlauch von vorne nach hinten. Sondern wir verfahren, da der Reifen immer noch prall gefüllt ist, frei nach der Devise:

NEVER TOUCH A RUNNING SYSTEM!

Stattdessen quälen wir uns mal wieder über den Berg zum White Sand Beach und verbringen hier den Tag mit Anwesendsein.

Da in weiten Teilen Thailands die Schule wieder angefangen hat, herrscht hier eine geruhsame Gelassenheit. Auch westliche Touristen sieht man hier nur vereinzelt. An den Ansturm vom Wochenende erinnert nur noch der Müll und wenn das Wasser sich zurückzieht (Ebbe) bleibt jede Menge davon am Strand zurück.

Erst als wir nach schneller Abfahrt auf unserer Seite des Berges fast zu Hause ankommen, bahnt sich wieder ein Unheil an und wir schieben die letzten 500 Meter. Bei der Demontage des Reifens zeigt sich wieder ein kleiner Einschnitt auf der Unterseite des Schlauches. Das Problem der letzten Tage war, dass die Flicken nicht gehalten haben. Was wir darauf zurückführen, dass die Löcher zu groß sind. Und nach nochmaliger Kontrolle von Mantel und Felge zeigt sich, dass das Felgenband an der Stelle des Risses nicht mehr mittig in der Felge liegt. Auf den selben Verdacht hin haben wir das Felgenband an unserem ersten Tag auf der Insel schon einmal mittig ausgerichtet. Dieses Mal entfernen wir es ganz und ersetzen es durch mehrere Lagen Klebeband. Alles wieder zusammengebaut hoffen wir, die Lösung unseres Problems gefunden zu haben und dass auch die Flicken auf dem Schlauch dieses Mal halten.

Beim Abendessen erzählt Conny uns, dass Da zu einer Demonstration auf das Festland gefahren ist. Es geht darum, dass das Militär Anspruch auf große Teile der Insel erhebt. Das Land war ursprünglich im Besitz des Militärs, doch das hat sich Jahrzehnte nicht darum gekümmert. Angeblich haben sie deshalb nach thailändischen Recht ihren Anspruch darauf verwirkt. Viele Einwohner leben seit Generationen hier uns nutzen das Land. Nun, wo es mit dem Tourismus aufwärts geht, sollen die Einwohner Pacht an das Militär bezahlen, was einer Anerkennung der Besitzansprüche an das Militär gleichkäme. Das Sonderbare ist, dass das Militär zwar militärische Zwecke angibt, jedoch Landbesitzer eingeschüchtert werden und sie mit detaillierten Hotelbauplänen auf die Insel kommen.

 

Ko Chang

geistig sehr viel unterwegs

Heute lassen wir das Fahrrad Fahrrad sein, obwohl Olafs Hinterrad seit ungezählten Stunden die Luft hält. Dafür sind wir geistig sehr viel unterwegs, beschäftigen uns mit unserer zukünftigen Reiseroute hier in Thailand, überlegen, ob und in welche Nachbarländer wir reisen wollen und machen uns Gedanken über Alternativen zu Asien.

Thailand entspricht nicht dem, was wir als radfahrfreundliches Land bezeichnen würden. Die Versorgungslage ist zwar sehr gut und auch einigermaßen preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten haben wir bisher überall gefunden, doch uns geeignet erscheinende Möglichkeiten zum zelten sind sehr dünn gesät. Aber gerade die benötigen wir, um uns möglichst unbeschwert und unabhängig durch das Land zu bewegen.

Wie die Vergangenheit gezeigt hat, kam es dabei zu Gewalttouren von fast 100 km Länge. Die kann man zwar problemlos fahren, aber irgendwann bleibt dabei für uns der Spaß auf der Strecke. Man hat ‘Termine’ und ist gezwungen, durch das Land zu hetzen, weil es auf der Strecke keine Hotels gibt und auch ein Zeltplatz nicht zu finden ist (oder sind wir nur zu wählerisch was die Plätze angeht?). Auch sind uns landschaftlich anspruchsvollere und verkehrsärmere Nebenstrecken eher selten untergekommen (oder auch diese haben wir noch nicht gefunden), so dass wir die meisten Kilometer am Rande der Autobahn gefahren sind. Hier kann man zwar recht problemlos fahren und viele Kilometer machen und auch für Essen und Trinken ist entlang der Strecke im Überfluss gesorgt, doch ist der Krach und der Gestank nervenaufreibend (oder sind wir zu sensibel?).

Insgeheim hoffen wir, dass es im Norden etwas ruhiger wird.

Wir fahren erst mal nach Bangkok zurück, um uns dort mit Steffis Tante und Onkel zu treffen und um Erkundigungen einzuholen betreffend Einreisebestimmungen in andere Länder. Danach werden wir dann in den Norden Thailands weiterreisen. Entweder mit dem Zug hin und mit dem Rad zurück, oder umgekehrt. Zum Jahreswechsel überlegen wir, im Süden des Landes zu sein, um dort die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel zu verbringen. Wobei es dort zu dieser Jahreszeit besonders voll sein wird. Ob wir anschließend unsere Tour über Kambodscha und Vietnam fortsetzen werden, wird sich hoffentlich in den nächsten Wochen entscheiden, wenn wir uns eingehend über mögliche Alternativen informiert haben.

 

Ko Chang

Dann fahren wir halt morgen

Unser Abreisetag. Eigentlich wollen wir uns heute wieder auf den Weg in Richtung Bangkok machen. Da wir davon ausgehen, dass unser Bus um 15 Uhr fährt, unterhalten wir uns noch den ganzen Morgen mit Conny. Durch Da, der gerade am Anleger war und beim Reisebüro gefragt hat, erfahren wir dann telefonisch, dass der Bus schon um 12 Uhr fährt. Dann fahren wir halt morgen.

 

Ko Chang

Unser Abreisetag

Heute ist es dann endlich soweit und da Conny und ihr Mann eh mit der Fähre auf das Festland wollen, nachen wir uns gegen 9.4o Uhr gemeinsam in ihrem Pick Up auf den Weg. Als wir dann mit der Fähre ein Stückchen von der Insel weg sind, fällt uns auf, dass wir in Schlangenlinien auf das Festland zusteuern. Conny erklärte uns dann, dass eine der zwei Maschinen schon seit über zwei Wochen kaputt ist und das Schiff daher sehr schwer zu steuern ist. Da ist vor zwei Wochen schon mit der Fähre gefahren und hat für die Überfahrt 90 statt 45 Minuten gebraucht, da der Kapitän mit dem Steuern der Fähre überhaupt nicht zurecht kam. Da ist es doch beruhigend zu wissen, dass es wenigstens für ca. jeden 3. Passagier eine Schwimmweste an Bord gibt.

Wir verabschieden uns von Conny und Da und es geht weiter mit dem Bus, der genau weiß, wie man Autofahrer von hinten mit der Lichthupe einschüchtert und auf die linke Spur abdrängt.

So vergehen die ersten Kilometer wie im Flug. Von den insgesamt fast 9 Stunden Fahrt für knapp 400 km benötigen wir fast die Hälfte für die letzten 50 km nach Bangkok rein. Wir stehen fast 4 Stunden im Stop and Go Verkehr/Stau vor Bangkok.

Dort endlich angekommen kümmern wir uns zuerst um eine Bleibe. Wo wir dieses Mal wohnen wollen, haben wir uns letztes Mal schon ausgeguckt. Aber in den meisten Hotels verweigert man uns die Fahrräder mit auf das Zimmer zu nehmen und man hat auch keinen alternativen sicheren Stellplatz anzubieten. Also müssen wir Kompromisse eingehen und so haben wir nun ein sehr kleines Zimmer, zwar ohne Verkehrslärm, dafür mit Wänden, dünn wie Knäckebrot.

Das Viertel um die Khao San Road kommt uns noch viel voller und hektischer vor als bei unserem letzten Besuch. Mitten auf der Khao San steht eine große Videoleinwand vom thailändischen M-TV Sender. So gibt es hier, obwohl die Straße für Autos gesperrt ist, kein Durchkommen.

Man feiert hier ein traditionell amerikanisches Fest: Halloween!

 

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