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Komfortzone verlassen

Die wahre Komfortzone ist Veränderung!

Vor 9 Jahren habe ich meinen vermeintlich sicheren Job gekündigt und bin aufgebrochen zu einer Radreise durch Thailand uns Laos.

Radfahren in Thailand
Radfahren in Thailand

 

Danach bin ich mit dem VW-Bus losgezogen und nun seit 7 Jahren mit dem Wohnmobil unterwegs.

Roadtrip Marokko: Vor dem Tischka Pass
Roadtrip Marokko: Vor dem Tischka Pass

 

Im letzten Winter habe ich nach langer Zeit mal wieder in einem Haus gewohnt.

Im Moment wohne ich im Zelt.

jetzt wohne ich im Zelt
jetzt wohne ich im Zelt

 

Mit dem Verlassen der Komfortzone kenne ich mich also irgendwie aus.

Dennoch.

Die letzte war krass.

Es hat mir damals nicht viel ausgemacht meinen Job zu kündigen und in eine ungewisse Zukunft zu starten.

Im Gegenteil, es war eher eine Befreiung. Ich freute mich darauf.

Unterwegs mit dem Rad habe ich fast jede Nacht woanders verbracht und habe oft im Zelt geschlafen. Daher hatte ich nicht damit gerechnet, dass mir der jetzige Umzug ins Zelt so zusetzen würde.

Ein Zelt zum Schlafen.

Nur einen Campingkocher, draußen im Wind.

Keinen Platz zum Schreiben.

Keine Heizung. Kein Fenster. Keine Wände.

Keine Wände.

Die eigenen 4 Wände. Vielen doch so wichtig. Ein Grundbedürfnis gar.

Ein Rückzugsort. Eine Komfortzone.

Einen behaglichen Platz für mich gibt es erst mal nicht mehr.
Im Zelt ist es entweder zu heiß, oder zu kalt. Ich kann mich eigentlich nur noch draußen aufhalten und gehe nur zum Schlafen ins Zelt.

Mal für eine begrenzte Zeit in einem Zelt zu wohnen, ist natürlich überhaupt nicht schlimm und eigentlich keine große Sache. Vor allem, weil ich es ja freiwillig mache. Meine Gedanken sind da eher bei all den Flüchtlingen, die jahrelang in Zeltstädten hausen. Unfreiwillig. Wie furchtbar muss das sein.

Mich hat die Erfahrung doch dazu angeregt, über meine Bedürfnisse, meine Vorstellungen und meine Grenzen nachzudenken.

Ich stelle fest, dass ein Zelt kein Zimmer ist.

Ein Wohnmobil schon. Es hat Wände, eine Heizung. Es gibt die Möglichkeit hinauszugehen, oder auch von Innen die Tür zu schließen.

Es ist zwar nur 1 kleiner Raum mit Wänden aus Blech. Doch ist es mein Raum.

Meine Komfortzone.

Und nun?

Zerstört.

Wir haben sie zerstört.

Comfort Zone
Comfort Zone

 

Crushing
Crushing

 

Mit dem Akkuschrauber. Alles zerlegt. Und nun wohne ich mit Olaf und Lucy im Zelt.

In einem geliehenen Zelt. Auf einer geliehenen Wiese.

Im ersten Moment war es ein unerwarteter Schock, plötzlich kein Zuhause mehr zu haben. Es folgten ein paar schwere Stunden und nur langsam habe ich realisiert, was da passiert war.

Dabei wollten wir nur renovieren. Es war geplant. Und doch hat mich dieser Moment sehr bewegt. Ich habe eine Grenze überschritten, von der ich gar nicht wusste, dass sie da ist.

Und nun zum vielleicht philosophischen Teil, auch wenn ich kein Philosoph bin, der mit dem physischen Ort nichts mehr zu tun hat, sondern um die Komfortzone als populärwissenschaftlicher Begriff. Hier wird die Komfortzone “als jener durch Gewohnheiten bestimmte Bereich definiert, in dem sich Menschen einfach gut fühlen.”

Komfortzone verlassen

Wenn du immer nur auf dem heimeligen Sofa sitzen bleibst. Machst, was du immer machst. Dann ist das leicht. Aber es bringt dir nichts.

Nur wenn du etwas wagst, lebst du wirklich. Wenn du rausgehst. Wenn du deine Grenzen überschreitest.

Grenzen machen wir uns selbst. Sie sind in unseren Köpfen. Und wir neigen dazu sie immer weiter zu festigen. Denn fühlen wir uns hinter ihr sicher, machen wir die Mauer immer dicker. Und höher. Und erfinden immer neue Gründe, warum wir sie nicht überschreiten können.

Wir sind gefangen in der Sicherheit des Bekannten. Wir sperren uns selbst ein. In ein Gefängnis beschränkter Möglichkeiten. Wir beschränken uns selbst.

zwinge das Leben nicht in eine Schublade - halte es offen für Möglichkeiten

 

Wir denken, dass uns das gut tut. Wir glauben, uns wohlzufühlen wäre das wichtigste. Und dass alles möglichst einfach ist.

Doch Leben fängt erst an, wenn es schwierig wird. Wenn wir nachdenken müssen. Wenn wir von den alten Pfaden abweichen müssen, weil wir auf ihnen nicht mehr weiterkommen.

Leben fängt an, wenn wir Mauern einreißen. Grenzen überschreiten. Wenn wir Neuland betreten. Uns auf´s Glatteis wagen und das Gleichgewicht verlieren.

Denn erst dann lernen wir. Und wenn wir lernen wachsen wir. Dehnen uns aus. Werden größer. Erweitern uns. Erwachen wir.

Kennst du deine Grenzen?

Hast du sie schon mal ganz bewusst wahrgenommen?

Hast du dir schon mal überlegt, was passieren würde, wenn du mal einen Schritt weitergehen würdest?

Hast du dich schon mal ganz bewusst in eine unbekannte, unangenehme Situation begeben?

Nur um zu sehen, was passiert?

Sagst du öfter: “Das geht doch nicht”, “das kann ich nicht”, oder “das macht man nicht”?

Versteckst du dich hinter Ausflüchten wie: “Ist ja toll, dass du das machst, aber ich könnte das nicht, weil…”?

Dann stehst du an deiner persönlichen Grenze. Und an dieser Stelle überlege doch mal genau, was du als nächstes machst.

Weichst du zurück?

Ziehst dich in deine Komfortzone zurück? In die kleine heile Welt auf deinem Sofa?

Oder wagst du zumindest den Blick hinaus in die viel größere, unbekannte Welt?

Wenn der andere es kann, warum nicht auch du? Wie hat er das gemacht? Wie geschafft?

Ja, wir verlassen unsere Komfortzone nur sehr selten, da sehr ungern. Wir richten es uns lieber nett ein und bleiben wo wir sind. Selbst wenn es schlecht für uns ist.

Wir haben Angst vor dem Wachstum. Es könnte ja anstrengend werden. Wir könnten uns verändern. Und dann? Dann passt uns unsere Komfortzone vielleicht nicht mehr. Die Gemütlichkeit wäre dahin.

Dabei stelle ich immer wieder fest, dass die Komfortzone in mir ist. Egal was außen herum auch ist, mir passiert nichts. Ich lebe weiter. In Zuversicht. In Vertrauen.

Also.

Mache jeden Tag etwas, was du noch nie getan hast und was du eigentlich auch nie tun würdest.

Zerstöre dein Sofa.

Deine Meinung.

Deine Sichtweise.

Deine Mauern.

Brenn´alles nieder und lass´ es hinter dir.

Die wahre Komfortzone ist Veränderung!

 

Weiterlesen:

Raus aus der Komfortzone! Wozu soll das gut sein?

Um die Frage im Titel gleich zu beantworten: Meiner Erfahrung nach trägt das Verlassen der eigenen Komfortzone wesentlich zur persönlichen Entwicklung bei, ist sogar eine Voraussetzung und ein Wegbereiter für den Erfolg.

16 Gründe, regelmäßig deine Komfortzone zu verlassen

Theoretisch ist jeder Mensch frei, alles zu tun, was er tun möchte. Praktisch sieht das jedoch schon alles etwas verzwickter aus. Ob wir wollen oder nicht, den Großteil unserer Zeit leben wir doch in sehr engen Grenzen. Grenzen, innerhalb derer wir uns zutrauen, Dinge zu erreichen und innerhalb derer wir uns entspannt und selbstbewusst fühlen.

Diese Grenzen umreißen unsere Komfortzone.

Wirkliche Veränderung, und zwar auf einer tieferen, emotionalen Ebene, findet nur durch Erfahrungen statt, die außerhalb deiner Komfortzone liegen.

Befindest du dich in deiner Komfortzone, so gibt es keine unbekannten oder überraschenden Situationen für dich. Du kennst dich aus, weißt was du emotional zu erwarten hast.

 

P. S.: Mit jedem Blogartikel, der einigermaßen persönlich ist, verlasse ich meine Komfortzone, weil ich nie weiß, welche Reaktionen er hervorrufen wird. Nicht jedem Leser gefällt, was ich schreibe und teilt mir dies mit. Nicht immer freundlich. Doch meisten entwickeln sich daraus wunderbare Diskussionen. Was ich schreibe, entspringt einer Erfahrung, einem Gedanken. Ich erwarte keinesfalls, dass jeder meine Meinung teilt und  morgen könnte auch ich darüber schon ganz anders denken, denn die wahre Komfortzone ist Veränderung!

 

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Über Steffi

Mein Name ist Steffi.

Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort.

Bevor ich zum „Leben auf Rädern“ kam, bin ich mit dem Fahrrad gereist. Davor lebte ich in einem Haus, hatte einen ganz normalen Job bei einer Bank  – der ganz normale Wahnsinn…

Schnell habe ich festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahm ich ein Jahr Auszeit und bin so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 bin ich wieder unterwegs und mein Leben hat sich komplett geändert.

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15 comments

  1. Hi steffi! Finde deinen Artikel inpitirend und interessant. Der Blog ist grossartig, ich wage mich schritt für schritt ein autonomes Leben an, raus aus meiner Komfortzone. Ich reise den letzte 2 wintern nach Indien, habe dabei erstmal meine Wohnung gekündigt, vieles verschenkt und verkauft und habe ein kleines WG zimmer. Und nun überlege ob ich den schritt in das Wohnmobil Leben wagen soll. Dafür habe ich leider noch kein Geld. Und Würde am liebsten diesen Winter nach Indien fahren, mit Keuten die eh fahren, über den Hippietrail, durch das mittlere Osten. Gibt es Portale wo man Travel companions finden kann? Liebe grüsse Alice (PS Bin Dänisch, von daher mein unperfektes Deutsch)

  2. Sehr schön Steffi, du triffst es sehr genau! Meine Gedanken um die Comfort Zone sind exakt diese während der letzten Monate wo ich alleine als Frau hier in den USA unzaehlige Male als Anhalterin an der Strasse stand und stehe und warte was passiert. Eine riesen Erweiterung/Ueberschreitung meiner persönlichen Comfort Zone und so eine unglaublich wichtige Erfahrung. Schade, dass die meisten Menschen ihre “Zone” niemals verlassen.

  3. wovon lebt ihr?

  4. Monika Waerder

    ich bin irritiert, ihr habt diesen schönen rückzugsort zerstört? selbst? verbrandt? absichtlich oder versehendlich?
    ich inhaliere eigendlich alles was ich von euch lese,auch,wenn ich manchmal etwas öfters lesen muß.
    Wir sind noch am ein und umbauen,weil wir alles um meinen Rollstuhl und meine Behinderung bauen und oft muß etwas umgebaut werden,weil es noch nicht so richtig paßt.
    Wenn es nach mir ginge dann wären wir auch nur unterwegs,man braucht so wenig,wenn man unterwegs ist. Ich liebe das Leben aber auch meinen Mann.
    und alleine schaffe ich das mit meinem Handycap nicht und daher lese ich alles total gerne um den Gedanken zhu bekommen die ichvielleicht noch suche? brauche?
    Ich wünsche euch das alles so kommt wie es kommen soll und muß.

    • Liebe Monika,

      vielen Dank für deine Worte 🙂

      Ja, wir haben unseren Laster von Innen zerlegt. Nach 7 Jahren stand dringend eine Renovierung an. Verbrannt? Ja auch. Das Holz, was wir nicht wiederverwenden konnten, haben wir verbrannt.

      Ich wünsche dir viel Freude auf dem Weg und Grüße an deinen Mann.

      🙂

  5. Hi Steffi,

    großartiger Text, großartige Erfahrung, die du da machst. Wie lange dauert denn eure Zeltzeit?

    Ich wachse übrigens sehr gerne, auch wenn ich dafür nicht wochenlang im Zelt leben muss 😉 Es ist zwar ne gute Challenge, nur auf die Dauer sind mir einigermaßen steuerbare Temperaturen und damit ein erholsamer Nachtschlaf deutlich wichtiger als eine extreme Erfahrung.

    Ganz liebe Grüße
    Mischa

    • Hallo Mischa!

      Danke für deine Worte 🙂

      Im Zelt bin ich zum Frühaufsteher geworden… hätte ich auch nicht gedacht. Aber die Hitze treibt mich so gegen 6 raus. Trotzdem schlafe ich sehr gut. Und höre die Geräusche der Nacht, was unheimlich spannend ist.

      🙂

      Steffi

  6. Kai Seifferth

    Wieso muss ich bei dem Text zum Post an Fight Club denken? 😀

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