Reiseplanung: Langsam reisen

In 80 Tagen um die Welt? Vergiss es! Lieber langsam reisen.

In diesem Artikel geht es darum, wie du mehr erlebst, in dem du langsamer reist!

Eine Langzeitreise ist kein Urlaub, der ausschließlich der eigenen Erholung dienen soll. Eine Reise ist eine Entdeckungsfahrt. Eine Expedition. Du machst eine Reise nicht nur für dich, sondern auch für die Menschen, die du besuchst. Sie können oft nicht reisen und sich die Welt ansehen. Du bist ein Botschafter „deines“ Landes, „deiner“ Kultur. Gebe und nehme zu gleichen Teilen: Gib den Leuten die Chance auch etwas von dir zu erfahren, von deiner Kultur. Auch wenn das Reisen für uns heute so einfach ist, sind wir doch immer noch Forscher und Entdecker. Nimm dir die Zeit dazu!

 

Wie viel Zeit bleibt auf der Reise für die Reise?

Du kennst das sicher vom Urlaub: Netto hast du von zwei Wochen Urlaub eigentlich nur eine, oder?

Für die An- und Abreise gehen schon mal 2 Tage drauf.

2-3 Tage benötigst du, um dich in der neuen Umgebung einzugewöhnen, den Jetlag auszuschlafen und den Kulturschock zu verarbeiten.

2 Tage vor der Abreise bist du mit deinen Gedanken schon wieder zu Hause, bei der Arbeit, irgendwo in der Zukunft.

Von 14 Tagen bleiben dir also 7 Tage, an denen du wirklich Urlaub hast. Abgeschaltet hast. Dich entspannst.

Krass, oder?

 

Feierabend

 

Auf Langzeitreisen ist das nicht anders.

 

5 Kontinente, 193 Länder in 80 Tagen bereisen? Totaler Quatsch!

Natürlich möchtest du während deiner großen Reise möglichst viel sehen. Vielleicht hast du sogar eine lange Liste, mit all den Ländern, Städten, Sehenswürdigkeiten, die du besuchen möchtest. Du denkst, du hast nur diese eine Möglichkeit im Leben eine lange Reise zu machen und möchtest nichts verpassen. Du hast viele Reiseführer gelesen, Bilder gesehen, Geschichten gehört.

Doch wie viele Länder wirst du wirklich sinnvoll besuchen können? Ohne das es stressig wird? So, dass du auch etwas davon mitnimmst?

Mache also den Test: Schreibe alle Orte, die du auf deiner (Welt-)reise besuchen möchtest, auf eine Liste. Wenn du überall nur 1 Tag bleibst, wie viele Tage sind das gesamt? Jetzt rechne aus, wie lange die An- und Weiterreise zu den jeweiligen Orten dauert! Auf wie viele Tage kommst du nun?

Und jetzt überlege dir, was du davon hättest, deine Reise so zu planen.

Sicher, deine Liste ist abgearbeitet. Du hast viel gesehen, viele Fotos geschossen, viel Geld ausgegeben (hauptsächlich für den Transport).

Und wie fühlst du dich jetzt? Glücklich, weil du alles abgehakt hast? Oder bist du gestresst, weil du sehr in Eile warst und alle Eindrücke nur so durch dich durchgerauscht sind?

Ich kann dir verraten: Die meisten Reisenden halten dieses Tempo nicht lange durch. Fast alle kommen irgendwann zu dem Schluss:

Weniger ist mehr! Je weniger Zeit du dir für die Reise nimmst, je weniger Reiseziele solltest du planen. Nimm dir ausreichend Zeit, um dein Reiseziel ausgiebig entdecken zu können.

Je länger du an einem Ort bleiben kannst, je intensiver wird das Erleben.

 

Es gibt wichtigeres im Leben, als beständig seine Geschwindigkeit zu erhöhen

 

Wer langsam reist erlebt nicht weniger sondern mehr!

Ein Stadt entdecken. An einem Tag? Wie soll das gehen? Dein Lieblingscafé? Der beste Essensstand? Der Ort mit der schönsten Aussicht? Das braucht Zeit!

Erst, wenn du länger an einem Ort verweilst, lernst du ihn wirklich kennen.

Auf einer Durchreise wirst du nur die Hauptsehenswürdigkeiten abklappern können und dann weiterziehen. Dir bleibt keine Zeit die Touristenpfade zu verlassen.

Willst du Land und Leute wirklich kennenlernen und nicht nur das, was sie einst gebaut haben, oder was die Reiseführer für ich ausgesucht haben brauchst du Zeit.

Die Einheimischen lernst du so auch nicht kennen. Die meisten tauen erst nach ein paar Tagen auf. Wie zum Beispiel in Thailand, in den kleinen Orten. Am ersten Tag nicken sie verstohlen mit dem Kopf in deine Richtung und flüstern: “Falang! Falang!”. Am zweiten Tag lächeln sie dich schon freundlich an, am dritten winken sie dir zu, manche trauen sich sogar nah ran und fragen nach dem Woher und Wohin. Am vierten, fünften oder sechsten Tag fällst du gar nicht mehr auf und ab da fängt es an spannend zu werden.

Die Seele reist mit 30 km/Tag: Wenn du zu schnell reist, wirst du reisemüde. Alles wird dir zuviel. Du brauchst Zeit, um die Erlebnisse zu verarbeiten.

 

Radreise Kanaren - Ausblick genießen von El Hierro
Radreise Kanaren – Ausblick genießen von El Hierro

 

11 Tipps für langsames reisen

  • Lass die Reiseführer zu Hause. Hole dir Romane, die in deinem Reiseziel spielen, Reiseerzählungen, lies Reiseberichte von anderen. Nimm dir die Kulturschock-Bücher und lerne etwas über die Mentalität der Menschen.
  • Wenn du eine Langzeitreise planst, bereise nicht mehr als 7 Länder in einem Jahr. Am besten weniger. Versuche dich auf einen oder maximal zwei Kontinente zu beschränken. Bleibst du in einem Land oder auf einem Kontinent, hält sich auch der Kulturschock in Grenzen.
  • Reise so wenig wie möglich mit dem Flugzeug. Benutze Busse und Züge. Oder fahre mit dem eigenen Fahrzeug!
  • Plane Ruhetage zwischen den Etappen ein, damit du das Erlebte verarbeiten kannst.
  • Nimm dir vor Ort immer wieder Zeit, alles auf dich wirken zu lassen. Laufe nicht nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, sondern gehe in Cafés, Parks und beobachte die Menschen. Was machen sie? Womit vertreiben sie sich die Zeit? Mach mit!
  • Wohne nicht in einem Hostel oder Hotel, sondern miete dir eine Ferienwohnung. Ferienwohnungen befinden sich oft in Wohnvierteln, wo du unter Einheimischen bist. In deiner eigenen Wohnung kannst du dich zu Hause fühlen. Bleibe möglichst lange. Lebe deinen Alltag. Knüpfe Kontakte mit den Nachbarn.
  • Schau dir die Stadt an, aber beschränke dich nicht auf die Attraktionen. Fahre mit dem Bus herum, probiere Restaurants aus, gehe in den Supermarkt.
  • Besorge dir einen Veranstaltungskalender und besuche Ausstellungen, Sportveranstaltungen, etc.
  • Lies jeden Morgen die Tageszeitung, oder schaue Fernsehen, auch wenn du nichts verstehst.
  • Gehe immer zur gleichen Zeit in das gleiche Restaurant oder Café. Irgendwann wird man dich kennen, dich freundlich begrüßen, mit dir reden wollen.
  • Frage die Einheimischen nach Tipps: Den Kellner, wo sein Lieblingsplatz in der Stadt ist. Den Taxifahrer, wo er einkauft. Die Kassiererin, wo sie am Wochenende hingeht usw. Besuche all diese Orte. Suche so oft es geht ein Gespräch.

 

Und du?

Fragen? Anregungen? Meinungen?

Diese Liste mit Tipps zum langsamen Reisen lässt sich sicher noch weiter fortführen. Du bist herzlich eingeladen, sie zu erweitern.

Schreibe deine Tipps jetzt in die Kommentare!

Du siehst das alles ganz anders? Schreib mir!

 

Kommentare

18 Gedanken zu “In 80 Tagen um die Welt? Vergiss es! Lieber langsam reisen.”

  1. Entschleunigen ist meine neue Lebensart … ich denke, das macht jede(r) für sich aus, was am besten ist. Mal bleibt man länger an einem Ort, mal reist man lieber länger. Ich leg mich da auch nicht fest, der Weg ist das Ziel. War schon immer so bei mir …

  2. So lange und so kurz bleiben bis man Lust hat weiterzureisen, sich treiben lassen und nicht das Jahr völlig durchplanen. Mehr so nach dem Motto: “Mal sehen wie weit ich komme”.

    Ich glaube es geht um Eindrücke, Faszination und Zeitgefühl und nicht um Statistik wie viele Orte man besucht hat, oder wie gut man Orte jetzt kennt. :-)

  3. Kontrovers: 30 Jahre Griechenland und lerne jedes Jahr dazu. Dennoch bringen unterschiedliche Länder eine Vielzahl von Eindrücken, die sehr bereichern können (Vogelperspektive)

    Es ist wohl eher die notwendigen Notwendigkeit der konkreten Fragestellung…

  4. 363 Tage Australien-Tour, 35’000 km im Bushcamper.
    3 Monate Süd-West-Australien, 6500 km mit PW und Zelt.
    4 Monate Südwesten USA, 7000 km im Campervan… Bestimmt nicht super langsam, aber auch kein Rush ;-)

  5. Ganz klar – so lange bleiben wie es einem gefällt, die Menschen kennenlernen, in die alltäglichen Abläufe eintauchen – tiefer Reisen eben. Und all die anderen schönen Orte kommen beim nächsten, übernächsten oder halt irgendwann Mal dran. Life’s a Journey! :)

  6. Hey, super Artikel und allg. ein interessanter Blog, welchen ich gleich mal in meiner Linkliste aufnehme! Das schnelle Reisen ist doch meist nur, um die Freunde daheim neidisch zu machen und weil es auf Grund dessen schon normal geworden ist. Aber die richtigen Erfahrungen und Erlebnisse macht man nur, beim langsam Reisen. Habe die Erfahrung selbst auf meiner Reise in Marokko gemacht. Wir waren entspannt, waren auf dem Dorf, haben das Leben gelebt und uns weder durch die Uhr noch durch den Drang der Fotosucht beeinflussen lassen. Die Erfahrungen sammelt man für sich selbst und für Geschichten, welche man später an Enkel erzählt. Aber die Erfahrungen macht man nicht im Flugzeug, im Hotel oder ähnlichen, welches in jedem Land gleich ist!

    LG Svenja

    • Hallo Svenja!

      Tut mir echt leid, dass ich dir erst jetzt antworte. Ich habe deinen Kommentar eben erst gesehen. Sorry.

      Danke für deine Zustimmung. Wahrscheinlich kommt jeder drauf, wenn man mal runterkommt vom Tempo. Wer langsam reist erlebt einfach mehr.

      Wo warst du in Marokko? Wir waren mal für 3 Monate dort ich fand das schon ziemlich kurz. Doch leider machen einem Jahr oft auch die Einreisebestimmungen beim Langsam Reisen einen Strich durch die Rechnung.

      :)

  7. Ich hatte “nur” ein halbes Jahr und wusste vorher, wo ich hin möchte. Statt Flugzeug bin ich z.B. mit der Fähre nach Island und habe so wunderbare Menschen kennengelernt. Und allein der unbezahlbare Blick der Anderen, wenn man mitteilt, dass man ganz freiwillig und bewusst auf die langsamen Transportmittel setzt ist unbezahlbar ;)

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