Notizen App: Von Evernote zu Joplin

Lange Jahre war ich begeisterter Evernote Nutzer. Die Notizen App hat für mich eigentlich nur einen Haken. So groß, dass ich nun von Evernote zu Joplin gewechselt bin.

Notizen App Evernote

Notizen App: Von Evernote zu Joplin: Evernote Startseite Sreenshot
Evernote Startseite

Evernote ist toll! Das muss ich einfach sagen. Es ist eine richtige gute, durchdachte Notizen App, die Spaß macht. So habe ich sie jahrelang begeistert benutzt. Und gäbe es da nicht diesen einen Haken, würde ich das heute noch machen.

Ich organisiere alles, einfach alles, mit einer Notizen App.

  • Meine Aufgaben (Todos).
  • Termine.
  • Alles, woran ich mich erinnern muss.
  • Meine Notizbücher und Notizen.
  • Ich schreibe hier mein fotoreiches Tagebuch.
  • Empfange und bearbeite die Post.
  • Sammle und verwalte Lesezeichen.
  • Führe eine Leseliste.
  • Plane Reisen und Veranstaltungen.
  • Speichere Rezepte.
  • Organisiere und schreibe meine Blogs.
  • Betreue Kundenprojekte.

Alles in einer App.

Wenn man den Aufbau einer Notizen App einmal gecheckt hat, ist es wahrscheinlich egal, welche man nutzt. Ich habe ein paar ausprobiert: One Note, Apple Notes, Google Notizen, Simple Note… hängen geblieben bin ich schließlich bei Evernote.

Evernote entwickelt sich immer weiter, es gibt ständig neue tolle Funktionen und man merkt, mit wie viel Liebe die Entwickler dabei sind.

Evernote Kosten

Gestartet bin ich mit der kostenlosen Variante von Evernote. Die bietet eigentlich schon alles, was man braucht. Doch je mehr ich Evernote genutzt habe, je schneller bin ich an die Grenzen des kostenlosen Tarifs gestoßen:

  • Das 60 MB Upload Limit
  • Die 25 MB maximale Dateigröße
  • Die fehlende Textsuche in PDF Dateien
  • Synchronisation auf nur 2 Geräten

So habe ich den Tarif zu Evernote Premium hochgestuft (heute heißt dieser Tarif „Evernote Personal“) – für 6,99 Euro im Monat. Ja, das ist schon ne Menge Geld, wo doch die meisten Programme, die man am Computer nutzt, umsonst zu haben sind. Dennoch finde ich, dass Evernote jeden Euro wert ist.

Notizen App Evernote: Einfach tolle Funktionen!

Notizen App: Von Evernote zu Joplin: Evernote Notizansicht
Evernote Notiz

Evernote sieht auch toll aus, ist innovativ und es macht Spaß damit zu arbeiten. Wie ich Evernote nutze habe ich im Artikel Papierloses Büro ausführlich beschrieben.

Es gibt viele Integrationen, die mir das Leben noch leichter machen.

Natürlich gibt es Apps für iOS und Android und eine Desktop Version für Mac und Windows. Leider gibt es Evernote nicht für Linux Rechner.

Es gibt auch einen tollen Dokumente-Scanner.

Eine prima Suchfunktion, auch in handschriflichen Notizen – ja, man kann in Evernote auch mit der Hand schreiben und malen.

Auch den Web-Clipper nutze ich viel – damit kann ich ganze Internetseiten direkt aus dem Browser als Notiz speichern.

Dropscan schickt mir meine Post direkt zu Evernote – wie geil ist das denn?

Und ich kann sogar E-Mails an mein Evernote weiterleiten.

Evernote Synchronisation in der Cloud

Evernote funktioniert sehr gut zusammen mit Google Drive und dem Google Kalender. Die Notizen und Aufgaben können so im Google Kalender angezeigt werden und ich kann auf Dateien in Google Drive direkt aus einer Notiz heraus zugreifen.

Und hier liegt leider auch das große Problem, das ich mit der Notizen App habe.

Evernote hat kein eigenes Rechenzentrum, sondern nutzt die Server (Speicherplatz in der Cloud) von Google. Meine Notizen sind in zwei separaten Rechenzentren an der Westküste und im Zentrum der USA gespeichert.

Auch liegen die Notizen dort unverschlüsselt vor. Man kann in Evernote lediglich einzelne Wörter oder Textausschnitte innerhalb einer Notiz verschlüsseln. Evernote sagt zwar immer wieder, meine Daten gehören mir und nicht denen oder Google… aber naja. Vertrauen in die Datenkraken gehört halt immer dazu. Und ich habe irgendwie ein anderes Verständnis von „meine Daten gehören mir“.

Die einzige Option, die Evernote mir anbietet, wenn ich nicht möchte, dass meine Notizen in der Google Cloud Platform gespeichert werden ist; „Du hast das Recht, deine Notizen in einen anderen Dienst zu verschieben.“

Evernote Alternative

Ich habe wirklich lange mit mir gehadert. Weil ich Evernote so liebe.

Aber nach all meinen Bemühungen Alternativen für alle Google Dienste zu finden, muss auch eine Alternative zu Evernote her!

Schnell stellt sich dabei heraus, dass viele alternative Notizen Apps entweder ebenfalls die Google Cloud Platform nutzen, oder andere Serveranbieter in den USA.

Weil meine Cloud Alternative zu Google Drive, Dropbox und Co. bereits eine Managed Nextcloud von Hosing.de ist und ich dort schon eine Weile Dokumente (vorher Google Drive), Fotos (vorher Google Fotos), Kontakte (vorher Google Kontakte) und Termine (vorher Google Kalender) ablege und verwalte, lag es nahe eine Notizen App zu nutzen, die ich über meine private Cloud synchronisieren kann.

Evernote Alternative Open Source

Nextcloud ist Open Source. Meine Nextcloud wird auf Servern in deutschen Rechenzentren betrieben. Dort kümmert sich Hosting.de um Wartung und Updates. Und das war’s dann auch: Sie trainieren mit Fotos keine künstlichen Intelligenzen. Verschlagworten meine E-Mails nicht, um die User Experience zu verbessern. Wem ich Zugriff gebe, entscheide ich. Alle anderen müssen draußen bleiben. Weil es eben meine Cloud ist. Und zur Krönung muss ich nicht einfach vertrauen – alle meine Daten sind verschlüsselt, so dass niemand etwas damit anfangen kann.

Es liegt also nahe auch eine Open Source Evernote Alternative zu nutzen. Und so bin ich bei Joplin gelandet.

Evernote vs Joplin

Notizen App: Von Evernote zu Joplin: Joplin Notizansicht
Joplin Notizansicht

Wie ich schon mehrfach erwähnt, liebe ich Evernote!

Aber es hat gleich mehrere Haken, die es für mich unbrauchbar machen:

Serverstandort

Die Evernote Server sind in den USA bei Google – dazu gibt es keine Alternative.

Bei Joplin habe ich einige Möglichkeiten mehr, wo ich Daten speichern kann: Offline auf meinem Rechner, in der eigenen (Next)Cloud, via WebDav, aber auch bei Dropbox und OneDrive. Was bedeutet, dass meine Daten wirklich mir gehören können.

Verschlüsselung

Bei Evernote fehlt die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Was doppelt negativ ist, denn meine Daten liegen auf den Servern einer Datenkrake.

Proprietär

Mit Evernote mache ich mich abhängig von einem Unternehmen und seiner Preisstruktur. Während ich bei Evernote bin wurden die Preise schon mehrmals geändert – und es ist für mich nicht billiger geworden.

Joplin ist kostenlos nutzbar. Es wird von einer Community entwickelt. Selbst wenn der Hauptentwickler irgendwann mal keine Lust mehr hat, können andere die Notizen App weiterentwickeln. Da Joplin Open Source ist, könnte man das sogar selbst. Entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt.

Natürlich gibt es die Möglichkeit seinen Dank mit einer regelmäßigen Spende auszudrücken.

Plattform

Evernote gibt es nicht nativ für Linux Betriebssysteme. Da ich auf Linux Mint umgestiegen bin, konnte ich Evernote nur noch in der Virtuellen Maschine mit dort installiertem Windows 10, oder in der Web App nutzen. Es gibt einige Programme für Linux, mit denen man auf die Evernote Daten zugreifen kann, aber davon gefällt mir keins.

Joplin und Linux Mint vertragen sich sehr gut.

Und es gibt noch eine weitere Sache, die ich bei Joplin toll finde: Die Exportfunktion.

Ich kann meine Notizen und Notizbücher oder alles zusammen in verschiedene Formate exportieren. Als Markdown Datei, als HTML Datei oder Verzeichnis, als PDF Datei und als Joplin Export Datei.

Das ist in sofern toll, dass ich mit Markdown Dateien jederzeit von Joplin zu einer anderen Notizen App wechseln kann und wieder zurück. Außerdem ist es möglich mit anderen Programmen auf die Markdown Dateien, die Joplin sowieso für jede Notiz erzeugt, zuzugreifen. Daher ist es auch möglich einen externen Editor wie Typora oder Zettlr zu benutzen.

Joplin hat einen etwas kleineren Funktionsumfang (vor allem in Bezug auf die Gestaltung). Das hat mich auch lange abgehalten, weil ich dachte, dass mir einige Möglichkeiten fehlen würden. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt oder es einen zufriedenstellenden Workaround gibt.

Dropscan z. B. schickt meine Post jetzt nicht mehr zu Evernote sondern per Webdav direkt in meine Nextcloud. In einen Ordner, der von Joplin überwacht wird. Von dort wird die Post in Joplin importiert.

Nextcloud hat ebenfalls eine vorzügliche Dokumente-Scan App. Ich speichere die gescannte Datei im überwachten Ordner und schwupps ist sie bei Joplin.

Grundlegend bietet Joplin alles, was ich benötige. Ich habe mich sehr schnell in das unaufgeregte Design verliebt. Und in Markdown.

Ich liebe Markdown… eine Sache, die Evernote übrigens nicht bietet.

EvernoteJoplin
Open Source
ServerUSAwo du willst oder auch gar nicht
SynchronisationGoogle Cloud Platform USANextcloud, Dropbox, OneDrive, WebDav, lokales Dateisystem
VerschlüsselungE2EE
PlattformWindowsWindows
AndroidAndroid
MacMac
iOSiOS
LinuxLinux
TerminalTerminal
SupportDiskussionsforum, HilfeseitenAktives Forum der App Entwickler
Offline nutzbarab “Personal”
Web Appnatürlich nicht
Web Clipper
einfache Nutzung
Unabhängigkeitproprietärdezentral
Schlägwörter
Kalenderintegrationaber leider Google Kalender
Aufgabenlisten
Erinnerungen
Bilder speichern
Dateianhänge speichern
Audionotizen speichernhierfür gibt es einen Workaround
PDF speichern
Collaboratives ArbeitenGoolge Cloud PlatformJoplin Cloud ist möglich
Volltextsuche
Markdown
externer Texteditor

Von Evernote zu Joplin

Am längsten hat es gedauert, überhaupt die Entscheidung zu treffen von Evernote zu Joplin zu wechseln.

Ich hatte dafür Joplin schon mal installiert und Testweise damit gearbeitet. Für den Umzug habe ich das Programm dann aber wieder gelöscht, um ganz frisch anzufangen.

Serverauswahl

Der erste Schritt ist die Auswahl des Synchronisierungsservers.

Natürlich kann man Joplin lokal benutzen. Doch will man die Notizen App auf mehreren Geräten nutzen, müssen die Daten an einem Ort sein, worauf jedes Gerät zugreifen kann.

Infrage kommen: Nextcloud, Dropbox, OneDrive, oder WebDav.

Meine Wahl fällt natürlich auf meine Managed Nextcloud bei Hosting.de.

Als nächstes installierte ich Joplin auf meinem Notebook. Unter Werkzeuge > Optionen > Synchronisation wähle ich das Synchronisationsziel.

In meinem Falle Webdav
Dann die Webdav Url: https://meinedomain.de/remote.php/webdav/Joplin/
Den Webdav Benutzernamen und das Passwort erfahre ich in Nextcloud. Eventuell muss man dazu ein App Passwort erstellen, wenn man die 2-Faktor-Authentifizierung nutzt.

Und dann kann man auch schon die erste Notiz erstellen und testen, ob alles funktioniert.

Leider kann ich aus der Evernote Webanwendung keine Daten exportieren. Also öffne ich Evernote Windows und exportiere alles als .enex und speichere so alle meine Evernote Notizbücher. Für jedes Notizbuch wird eine Datei angelegt. Für jeden Notizbuchstapel ein Ordner.

Notizen App: Von Evernote zu Joplin: Evernote Export
Evernote Exportfunktion

Dann wechsel ich zurück zu Joplin. Unter Datei > Importieren kann ich dann wählen zwischen Enex - Evernote Export Datei als Markdown oder Enex - Evernote Export Datei als HTML Hier entscheide ich mich für Markdown.

Notizen App: Von Evernote zu Joplin: Joplin Import
Joplin Importfunktion

Das muss ich nun für jedes Notizbuch, bzw. jede .enex Datei wiederholen.

Und dann kann es auch schon losgehen – mit dem guten Gefühl: Meine Daten gehören wieder mir!

Notizen App: Von Evernote zu Joplin Linkliste

Evernote

Joplin

Markdown

Hosting.de

Nextcloud

Dropscan

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Kommentare zum Beitrag

4 Gedanken zu „Notizen App: Von Evernote zu Joplin“

    • Auch ein guter Tipp :) Ich habe es in der Nextcloud aktiviert, aber habe noch nicht gesehen, ob es auch eine Desktop Version gibt und ich bekomme die App unter IOS nicht zum Laufen.

      Antworten
  1. Sehr schön dass du dir die Mühe machst, was zu Joplin als Evernote-Alternative to schreiben!
    Ich habe mich aus den gleichen Gründen gleich gegen Evernote und für Joplin entschieden.
    Ein Tipp (vielleicht für andere Leser interessant) zur Verwendung auf mehreren Geräten: das geht auch ganz ohne Cloud oder eigenen Server und nach der ersten Einrichtung völlig automatisch mit Syncthing. Damit wird eine peer-to-peer Synchronisierung ausgewählter Verzeichnisse zwischen beliebig vielen Geräten gemacht, sobald mindestens zwei davon sich in einem gemeinsamen Netzwerk aufhalten. In Joplin wird einfach die File- statt der Cloudsynchronisierung auf einem über Syncthing-Ordner benutzt.
    Funktioniert bei mir mir 4 Geräten (Windows, Android, Raspi/Linux) schon länger reibungslos.

    Antworten

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