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Je mehr wir um die genaue Uhrzeit wissen, desto weniger verstehen wir von der Zeit. Ist das, was wir mit der Uhr messen wirklich „die Zeit“?

Was ist Zeit

Je mehr wir um die genaue Uhrzeit wissen, desto weniger verstehen wir von der Zeit.
Ist das, was wir mit der Uhr messen wirklich „die Zeit“?

Was ist eigentlich Zeit?

Warum beginnt ein neuer Tag um Mitternacht und nicht mit dem Aufgang der Sonne?

Und warum beginnt jedes neue Jahr mitten im tiefsten Winter am 1. Januar und nicht z. B. zur Sommersonnenwende?

Was hat die Zeit gemein mit der Uhrzeit?

Und in welchen Zusammenhang stehen Zeit und Geld?

Wie können zwei so grundsätzlich verschiedene Phänomene überhaupt in einem Zusammenhang gebracht werden und wozu?

 

Zeit als Maßeinheit mit der die Arbeit berechnet wird?
Zeit als knappe Ressource?
Zeitvergeudung eine Sünde?
Zeit nutzen – Zeit sparen?

 

Gemäß Albert Einstein existieren weder die absolute Zeit, noch ein absoluter Raum. Es gibt keinen unabhängigen Standpunkt, keinen absoluten Ruhepunkt und keine absolute Gleichzeitigkeit. Alles ist relativ.

Keine zwei Zeiten sind gleich, jedes System hat eine eigene Zeit, eine Eigenzeit. Zeit ist ein bestimmender Faktor in einer sich verändernden Welt. Eigentlich hat jedes veränderliche Ding das Maß seiner Zeit in sich, keine zwei Dinge der Welt haben dasselbe Maß der Zeit. Es gibt also im Universum zu einer Zeit unzählbar viele Zeiten.

Zeit ist weder neutral noch ein äußerer, unabhängiger Parameter, vielmehr ist alles Seiende gezeitet. Auch wir Menschen – durch und durch.
Zeit ist nicht bloß eine subjektive Kategorie des Menschen, sondern eine reale Struktur der Natur, und Natur eine allem menschlichen Erkennen vorgelagerte Realität.

 

Die Uhrzeit, als absolute und technische Zeit ist fast das Gegenteil. Sie ist abstrakt, erfunden, losgelöst. Sie ist homogen, kontinuierlich, linear, reversibel und unendlich teilbar, absolut.

Seit Einstein kann man auch nicht mehr von der Zeit im Singular sprechen. Vielmehr gibt es eine Pluralität von Systemzeiten, Rhythmen, Eigenzeiten.

Zeit ist auch eine symbolische Sinnstruktur, mit deren Hilfe die Welt begriffen und natürliche, soziale und psychische Ereignisse geordnet werden können.

 

Der Mensch ist an die Einhaltung von Maßverhältnissen gebunden, die er nicht lenken, über die er nicht verfügen kann und auf die er keinen Einfluss hat.

Zur Bestimmung der richtigen Zeitmaße hilft ihm weder der Blick auf die Uhr noch auf den Kalender. Sowenig das Metermaß identisch ist mit dem Raum, sowenig entspricht die Uhrzeit der Zeitlichkeit der Welt.

Der heutige Mensch will die Zeit nicht nur erlebt, erlitten und ertragen, Zukunft nicht bloß erwartet, erduldet und erhofft haben, sondern gestalten, planen und programmieren.

Doch der Versuch sich von den Rhythmen und Eigenzeiten der Natur unabhängig zu machen, produziert ungewollt neue Abhängigkeit und neue Unsicherheiten.

Die Übereinstimmung von Lebenszeit und Weltzeit erweist sich als Wahn, der nur gebrochen werden kann, indem das eigene Leben relativiert wird.

  • Leben ist nur in Maßen möglich und dessen Länge ist nicht das Maß aller Dinge.
  • Wir bekommen die Zeit nicht in den Griff, vielmehr hat die Zeit uns im Griff.
  • Nicht die Zeit vergeht, sondern wir vergehen in der Zeit.

 

Die Möglichkeiten mit Zeit selbstbestimmt umzugehen sind gesellschaftlich höchst unterschiedlich verteilt. Wer sich Zeit beschaffen kann und andere unter Zeitdruck setzten kann, wer warten muss oder warten lässt, ist eine Frage des Status, der Macht, des Ansehens. Zeitordnungen sind auch Ausdruck von Machtordnungen.

Auf Dauer kann Leben nur gelingen, wenn wir den Dingen ihre Zeit lassen und sie nicht unter das Diktat unserer kurzfristigen, zumeist ökonomisch motivierten Nutzungsinteressen und der von ihnen geprägten Zeitmaße stellen.

Alles braucht seine Zeit. Und die ist oft länger als man annimmt. Wer jetzt ungeduldig wird, dem wird es stressig. Man muss den Menschen und den Dingen ihre Zeit lassen und die Bereitschaft haben der Natur ihre Eigendynamik zu lassen.

Die Kapitalisierung der Zeit – die Uhrzeit

Die Uhrzeit, als absolute und technische Zeit ist das Gegenteil der natürlichen Zeit. Sie ist abstrakt, erfunden, losgelöst. Sie ist homogen, kontinuierlich, linear, reversibel und unendlich teilbar, absolut.

Die Beschleunigung des Lebens entspringt weder einem individuellen Drang noch einem kollektiven Zwang, sondern ist eine direkte Folge der raumzeitlichen Verdichtung von Verhältnissen und Beziehungen, sowie der wechselseitigen Abhängigkeiten, wie sie sich im Laufe der zivilisatorischen Entwicklung ausgebildet haben.

Während die zeitliche Ordnung sozialer Aktivitäten in einfachen Gesellschaften eng in die Rhythmen der Natur eingebettet ist, erfordert der Übergang zu komplexen sozialen Organisationsformen die Einführung neuer, präziser, ortsunabhängiger und kulturübergreifender Methoden der Zeitbestimmung und Zeiteinteilung.

Die Zeit wird überall eingeteilt in Tage, Wochen, Monate, Jahreszeiten und Jahre.
Der Tag kann eingeteilt werden in Lichttag und Nacht, Sonnenhöchststand, Sonnenauf- und Untergang, Stunden, Minuten, …

Wann beginnt der Tag? Mitternacht als Tagesbeginn hat sich erst mit der Aufkommen der Uhr durchgesetzt. Kulturgeschichtlich begann der Tag mit Sonnenuntergang.

Andere Kulturen denken zu anderen Zeiten anders über Zeit. Sie haben andere Jahreszeiten (nur zwei, drei oder gar sechs) oder einen anderen Jahresbeginn (25.12., 25.3. 1.3., 1.1., 1.9., Mitte Februar).

Die Festsetzung des 1. Januars als ersten Tag des Jahres hat sich erst mit der gregorianischen Kalenderreform 1582 durchgesetzt.

Auch der Beginn der Zeitrechnung, der Nullpunkt, ist kulturell verschieden.

Es existieren noch viele andere Zeitordnungen, als die abendländische. Kulturelle Zeitvielfalt ist eine Ressource, die nicht vernichtet werden sollte.
Jede Zeit ist einzigartig.

Die Rhythmen der Natur weichen dem Takt kultureller Zeitgeber und die handlungs- und ereignisorientierten Zeiten weichen dem Maß der abstrakten Zeit. Der soziale Fremdzwang der Zeit, repräsentiert durch Uhren oder Kalender, nimmt im Laufe des Zivilisationsprozesses stetig zu.

In der Neuzeit begann sich das Zeitbewusstsein zu verändern. Zeit wurde als weltliches Maß zur Berechnung von Arbeit zum Äquivalent von Geld und somit zu einer knappen Ressource.

Fortschritte in der Uhrmachertechnik ermöglichten die Standardisierung des Zeitordnung, die der Handelskapitalismus benötigte, um Waren und Kapital zu beschleunigen.

Mit der Umstellung von Eigenbedarf auf Anhäufung von Waren und Kapital, von Genug auf Mehr, setzte sich eine Dynamik in Gang, die im Laufe der Zeit immer weitere Bereiche des Lebens in ihren Sog hineinreißen sollte.

Die Rationalisierung der Arbeit, eine Revolution der gesamten Lebensweise der Menschen, wurde durch die Uhr erst möglich.

Mit der Substitution von Zeit durch Geld begann ökonomisches Denken immer weitere Bereiche der Gesellschaft und des täglichen Lebens in seinen Bann zu ziehen und mit seinen Zeitwerten der Produktivität und der Effizienz zu durchdringen.

Tempo, Beschleunigung, Effizienz, Geschwindigkeit…

Im Kampf gegen die Zeit gibt es nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren.

Warum wollen wir Zeit und Raum überwinden und immer schneller werden?

Wozu dieses Tempo?

Landschaften werden umgestaltet und Reisezeiten verkürzt. So wurde die Wahrnehmung von Zeit und Raum seit Mitte des 19. Jahrhunderts grundlegend verändert.

Wozu? Straßen verschlingen die Landschaft, zu viele Verkehrsteilnehmer verschmutzen die Umwelt und führen im Stau stehend den Sinn der Mobilität ad absurdum. Viele Menschen sterben bei Unfällen.

Mit zunehmender Geschwindigkeit verengt sich der Wahrnehmungshorizont, bis man gar nichts mehr wahrnimmt, um sich in der Unendlichkeit der Fluchtlinie zu verlieren.

 

Seit jeher war der Mensch ein Tagtier. Für das Nachtleben schlecht gerüstet. Der Wechsel von Tag und Nacht war für den Menschen lange der Grundrhythmus des Lebens.

Die letzte große Eroberung des Menschen fand nicht im Raum, sondern in der Zeit statt. In der Ausbreitung von Wachaktivität während der gesamten 24 Stunden des Tages.

Doch ist der Mensch diesem physisch und psychisch nicht gewachsen. Die meisten Unfälle, Fehler und Katastrophen ereignen sich nachts. Diese Dinge kosten Leben und Geld.

Während unser Körper in jahrtausend langer Anpassung an seine natürliche Umwelt dazu geschaffen ist, tagsüber zu arbeiten und nachts zu schlafen und kaum mehr als ein paar Dutzend Kilometer zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zurückzulegen, arbeiten wir mittlerweile Tag und Nacht, sausen per Flugzeug quer durch die Zeitzonen und treffen wichtige Entscheidungen mitten in der Nacht. Die Technik bestimmt das Tempo – doch dieses Tempo überfordert den Menschen.
Es schadet unserer Gesundheit, unserer sozialen Umwelt. Warum berücksichtigen wir unsere biologischen Rhythmen nicht?

Die restlos flexibilisierte Zeit hat nichts mit Freiheit zu tun. Sie ist nur das andere Extrem der total verplanten Zeit. Beiden gemeinsam ist die Verwandlung aller Zeit und der Zeit aller in verfügbare Zeit für die Verwendung des Kapitals, welches keine Rücksicht nimmt auf die gesunde Funktion der Nachtruhe, die soziale Bedeutung des Feierabends und des freien Wochenendes, die Bedeutung von Arbeitszeit und Lebenszeit als Raum individueller Entwicklung und des gesellschaftlichen Lebens. Es ist die Ironie der Geschichte, dass dem ökonomischen motivierten neoliberalen Umbau aller Zeitverhältnisse als Erstes die traditionelle Familie zum Opfer fällt.

 

Beschleunigung soll das Leben zu einer lückenlosen Folge von Höhepunkten verdichten. Doch wo unendlich viel verfügbar und vorstellbar ist, wird jede Entscheidung für eine Möglichkeit zur teuren Absage an eine andere. Da das wirkliche Leben stets anderswo verlockender sprudelt, wird Gegenwart definiert durch das, was ihr abgeht. Leben verkommt zum Defizitgeschäft.

Das Prinzip Langsamkeit bremst nicht den Tempowahn, sondern mildert als esoterischer Airbag bestenfalls den Aufschlag.

Wir sollten die Zeit also nicht bloß kontrollieren wollen und dabei die abstrakte Zeit der Uhr als Maß zu nehmen, sondern die Aufmerksamkeit wieder auf die Zeitlichkeit der Welt selbst richten.

Quellen


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Die Zeit ist eine physikalische Größe. Das Formelzeichen der Zeit ist t, ihre SI-Einheit ist die Sekunde s.


Die Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige Richtung. Die Zeit ist in der menschlichen Wahrnehmung wie in der Physik als Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend zur Zukunft hin beschreibbar.


In der Philosophie fragt man seit jeher nach dem Wesen der Zeit, was auch Themen der Weltanschauung berührt. Für die physikalischen, die Bio- und Humanwissenschaften ist die Zeit ein zentraler, auch messtechnisch erfassbarer Parameter, u. a. bei allen bewegten Körpern (Dynamik, Entwicklung), in der Chronobiologie oder der Zeitsoziologie. Die Psychologie untersucht die Zeitwahrnehmung und das Zeitgefühl. Die Ökonomie betrachtet Zeit auch als Wertgegenstand. In den Sprachwissenschaften bedeutet „Zeit“ die grammatische Form der Zeitwörter, das Tempus.


Die wohl markanteste Eigenschaft der Zeit ist der Umstand, dass es stets eine in gewissem Sinne aktuelle und ausgezeichnete Stelle zu geben scheint, die wir die Gegenwart nennen, und die sich unaufhaltsam von der Vergangenheit in Richtung Zukunft zu bewegen scheint. Dieses Phänomen wird auch als das Fließen der Zeit bezeichnet. Dieses Fließen entzieht sich jedoch einer naturwissenschaftlichen Betrachtung, wie im Folgenden dargelegt wird. Auch die Geisteswissenschaften können die Frage nicht eindeutig klären.


In der Physik ist Zeit (Formelzeichen: t oder τ, von lat. tempus (Zeit)) die fundamentale Größe, über die sich zusammen mit dem Raum die Dauer von Vorgängen und die Reihenfolge von Ereignissen bestimmen lassen. Da sie sich bislang nicht auf grundlegendere Phänomene zurückführen lässt, wird sie über Verfahren zu ihrer Messung definiert, wie es auch bei Raum und Masse der Fall ist. Im SI-Einheitensystem wird Zeit in Sekunden (Einheitenzeichen s) gemessen. Daraus leiten sich unmittelbar die Einheiten Minute und Stunde ab, mittelbar (über die Erdbewegung und gesetzlich festgelegte Schaltsekunden) auch Tag und Woche, dazu (abhängig vom Kalender) Monat, Jahr, Jahrzehnt, Jahrhundert und Jahrtausend.


Fast alle Lebewesen, bis hin zum Einzeller, besitzen eine biologische innere Uhr, die sich mit dem Tag-Nacht-Wechsel und anderen natürlichen Zyklen synchronisiert. Die innere Uhr zum Tagesrhythmus läuft aber auch ohne Tageslicht, wie an Pflanzen in der Dunkelheit gezeigt werden konnte, aber auch an Menschen in Bunker-Experimenten, in denen die freiwilligen Versuchspersonen ohne jeden Hinweis auf äußere Zeitrhythmen lebten. Dabei stellte sich nach einiger Zeit ein konstanter Wach-Schlaf-Rhythmus von im Mittel etwa 25 Stunden ein. Man bezeichnet ihn als circadianen Rhythmus (von lat. circa, ungefähr, und lat. dies, Tag).


Eine Definition der Zeit prägte J. W. Dunne, dessen Pionierarbeit in An experiment with time (“Ein Experiment mit der Zeit”) veröffentlicht wurde. Dunnes Ansicht, daß die Zeit nicht nur chronologisch vorausschreitet, war für die zwanziger Jahre sensationell.
Die meisten seiner Theorien basierten auf eigenen Träumen, die oft Vorahnungen waren, die sich später verwirklichten. Dunne zeichnete seine Träume auf und stellte fest, daß sie Szenen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darstellten.
Er war sich seiner großartigen Entdeckung bewußt, machte aber den Fehler zu glauben, sein Erlebnis sei einzigartig. Und obgleich er den Begriff der Vorahnung aufgriff, verstand er dessen Bedeutung nicht und definierte Zeit als eine Dimension, die unendlich bis ins Nichts gehe.
Es war aber Dunnes Arbeit, der den zweitgrößten Zeit-Forscher des 20. Jahrhunderts inspirierte, den Schriftsteller J. B. Priestley (Bild rechts). Für ihn ist Zeit ein dreigeteilter Prozeß: Zeit Eins = Uhrzeit; Zeit Zwei = die Zeit der möglichen Zukunft und Zeit Drei = Die Zeit der kreativen Vorstellungskraft.
Sein Buch Man and time (“Mensch und Zeit”), das in den vierziger Jahren geschrieben wurde, enthält faszinierende Einsichten in das mögliche Wesen der Zeit. Er behauptet, die chronologische Zeit sei nur eine Erfindung, um eine Erklärung dafür zu haben, weshalb ein Ereignis auf das andere folgt, das heißt, der Begriff ist abhängig von der Kausalität. Und ist, wie C. G. Jung meint, Akausalität eines der Hauptprinzipien des Universums, gibt es keinen Grund, weshalb die Zeit uns nicht an der Nase herumführen sollte.

Linktipps

Was ist Zeit?

Ist Kausalität ein Produkt der Zeit, oder die Zeit ein Produkt der Kausalität? Ist Zeit ein Produkt der Existenz von Raum und Bewegung, oder existiert Bewegung nur aufgrund des Vorhandenseins der Zeit? Gibt es eine Gegenwart? Wenn ja, wie lange dauert sie? Ist sie nicht bereits wieder Vergangenheit, wenn wir sie wahrnehmen? Gibt es nur eine einzige, universell gültige Zeit, oder gibt es mehrere, und vergehen diese immer gleich schnell? Existiert dieses Phänomen überhaupt, das wir “Zeit” nennen, oder spielt es sich nur in unseren Köpfen ab? Viel Spaß auf der Suche nach einer Antwort auf all diese Fragen!

Zeitdilatation

Ein Versuch, die Einsteinsche Zeitdilatation auf einfache Weise zu erklären.

Deutsche Gesellschaft für Zeitpolitik

»Moderne Zeitpolitik hat zum Ziel, jedem Menschen die Teilhabe an dem sozialen und kulturellen Leben zu ermöglichen, das in und jenseits der Arbeit stattfindet.«

Was also ist die Zeit? Wenn mich niemand fragt, weiß ich es. Wenn ich es jemandem erklären will, der fragt, weiß ich es nicht.

Augustinus, Confessiones


Die Zeit kommt aus der Zukunft, die nicht existiert, in die Gegenwart, die keine Dauer hat, und geht in die Vergangenheit, die aufgehört hat zu bestehen.

hl. Augustinus


Die Zeit ist ein so kostbares Gut, daß man es nicht einmal für Geld kaufen kann.

Israelisches Sprichwort


Wer zwingen will die Zeit,
den wird sie selber zwingen;
wer sie gewähren läßt,
dem wird sie Rosen bringen.

Friedrich Rückert


Wir sollten stets eingedenk sein, daß der heutige Tag nur einmal kommt und nimmer wieder.

Arthur Schopenhauer


Wenn du besonders ärgerlich und wütend bist, erinnere dich, daß das menschliche Leben nur einen Augenblick währt.

Marc Aurel


Nur dem Anschein nach ist die Zeit ein Fluß. Sie ist eher eine grenzenlose Landschaft, und was sich bewegt, ist das Auge des Betrachters.

Thornton Wilder


Drei Dinge kommen nicht zurück: das gesprochene Wort, das vergangene Leben und die versäumte Zeit.

unbekannt


“Guten Tag”, sagte der kleine Prinz. “Guten Tag”, sagte der Händler. Er handelte mit absolut wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr, zu trinken. “Warum verkaufst du das?”, sagte der kleine Prinz. “Das ist eine große Zeitersparnis. Man spart dreiundfünfzig Minuten in der Woche.” “Und was macht man mit diesen 53 Minuten?” “Man macht damit, was man will.” “Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte”, sagte der kleine Prinz, “würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen…”

Antoine de Saint-Exupiry, Der kleine Prinz


Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben. Denn letztlich […] sind wir alle nur sterblich.

Jean-Luc Picard

 

Und du?

Welche Erfahrungen hast du mit Zeit gemacht?  Wie gehst du mit Zeit um? Trennst du Arbeitszeit und Lebenszeit? Planst du deine Zeit? Denkst du viel über Zeit nach? Und wenn ja, woran denkst du dabei? Schreibe einen Kommentar!

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About Steffi

Mein Name ist Steffi. Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor ich zum „Leben auf Rädern“ kam, bin ich mit dem Fahrrad gereist. Davor lebte ich in einem Haus, hatte einen ganz normalen Job bei einer Bank  - der ganz normale Wahnsinn... Schnell habe ich festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahm ich ein Jahr Auszeit und bin so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 bin ich wieder unterwegs und mein Leben hat sich komplett geändert. Folge mir via Feedly und Bloglovin´

5 comments

  1. Kai Seifferth

    Da lese ich später mal rein. Seit ich mit geographischer Zeitverschiebung zu tun habe, ist nicht nur mein Schlafrhythmus total ballaballa, ich hab auch völlig das Zeitgefühl verloren. Wenn ich früher ziemlich gut die Uhrzeit abschätzen konnte, liege ich heute oft um sehr viele Stunden daneben, weil ich keine Ahnung habe und wild rate 😀

  2. Alexius Brema

    Oh eines meiner Lieblingsthemen :-).

    Aber die Messung und Einteilung des Tages durch Kalender und Uhren ist doch keinesfalls willkürlich festgelegt, sondern verbunden mit der Bewegung des Planeten um die Sonne und um ihn selbst. Und sie sind selbstverständlich eine Vereinfachung, weswegen dann und wann “Zeitsprünge” vorkommen um sie wieder an die Planetenbewegungen einzuteilen.

    Der Tag beginnt faktisch immer dann wenn die maximale Rotationsentfernung abgeschlossen ist, dann wendet sich sie sich wieder dem neuen Tag zu – auch wenn es dann noch dunkel ist. Das war schon immer auch ohne Uhren so, nur feststellen könnte man es ggf. nicht so genau.

    Der Mensch hatte schon immer das Bedürfnis Zeiten zu definieren, um planerisch tätig zu sein. Wann ist Zeit für die Aussaht, wann beginnt man Nahrungsmittel einzulagern, wann ernten man und wie lange dauert es bis aus zwei Tieren drei werden?

    Es gibt das Sprichwort, es gibt nur zwei Zeiten: “Zeit für Essen, Zeit für Schlafen”, nur so überlebt man den Winter nicht.

    Die steigende Bedürfnisse der Zivilisation führen zu dem Bedarf von höherer Genauigkeit in der Messung von Zeiten und deren Abschnitten.

    Wo man dann auch schnell bei zentralen Fragen ist, was ist Zeit wert? Wie lange arbeitet jemanden und was bekommt er dafür. Nun, das ist eine Frage das Marktes.
    Einer ist bereit für ein Brot eine Stunde zu arbeiten, ein anderer zwei Stunden. Auch die Art der Arbeit, eine Stunde Steine schleppen ist anstrengender als eine Stunde Getreide zu sortieren. Ist die Zeit damit unterschiedlich viel Wert?

    Ich glaube Zeit hat garkeinen Wert, man kann sie faktisch nicht sparen, man kann sie nicht vermehren, man kann sie weder verschenken, noch kaufen, auch nicht vergeuden. Der Wert ergibt sich aus der Tätigkeit in der Zeit. Dies beides ist so eng verwoben, dass es selten getrennt wird – Zeit ohne Tätigkeit gibt es nicht.

    Sagt dir jemand er habe keine Zeit, so ist das Unsinn denn er sagt eigentlich das die geforderte Tätigkeit in der Zeit keine Priorität für ihn hat. Den wir haben (vereinfacht gesagt) alle die gleiche Zeit, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Der Unterschied ist nur wir haben nicht alle die gleiche Anzahl von Tagen im Leben.

    Zwar hat die Physik recht, Zeit ist relativ, aber sie folgt in der Wahrnehmung der Menschen einer Linie. Es gab das Vergangene, es gibt das Jetzt (was eigentlich auch immer das Vergangene ist) und es gibt etwas in der Zukunft (was annehmen und hoffen, aber nicht sicher ist). Die Wahrnehmung von Zeitabschnitten erleben wir aber auch relativ, eine Stunden warten fühlt sich länger an als eine Stunde mit einem geliebten Menschen.
    Außerhalb der Linie macht es aber keine Sinn für den Menschen in seiner Umwelt die Relativität zu berücksichtigen. Er kann sie eh nicht wahrnehmen, noch beeinflusst sie ihn ausreichend.

    Ich glaube bei dem steigende Tempo von dem du sprichst, geht es mehr um eine Gier des Erlebens. So reisen wir schnell, weil wir viel reisen wollen. Zu Fuß kann man innerhalb einer Lebenspanne nicht alle Länder bereisen die man vielleicht sehen möchte. Mit dem Auto dauert es wohl ein halbes Leben, mit dem Flugzeug vielleicht ein viertel Leben. So erweitern sich die Möglichkeiten.

    Das Gleiche im täglichen Ablauf. Der Reichtum den wir haben ergibt sich aus der aufgewendeten Zeit für die Tätigkeit welche entlohnt wird. Je mehr man hier optimieren kann, umso mehr erhält man. Was einem dann wieder das Ticket für den Flug bezahlt ;-).

    Grundsätzlich ist der Gedanke ja auch richtig, er wird nur dann absurder wenn man mit dem Reichtum, dem Wissen und den Möglichkeiten keine (gelegentlichen) Tätigkeiten nachgeht die einem interessieren.

    Viele Berufe sind stark abstrahiert, so dass seltener eine befriedigende Tätigkeit ausgeübt wird die uns in allen Bereichen des Ichs ansprechen. Da kommt dann die Work-Life-Balance ins Spiel. Notwendiger Einsatz von eher unbefriedigenden Tätigkeiten um Ressourcen für befriedigende Tätigkeiten zu erhalten. Nur viele vergessen Teil zwei wirklich zu nutzen.
    Dabei ist “Work-Life-Balance” schon immer ein alter Hut gewesen, denn bestimmt hat auch der frühere reine Jäger und Sammler die Beute lieber gemütlich verspeist als sie einzusammeln. Man musste schon immer Tätigkeiten nachgehen die man nicht mag, um Tätigkeiten ausüben zu können die man mag. Spätestens wenn das Essen alle ist.
    Je ängstlicher dabei ein Mensch ist, umso mehr Vorräte wird er anlegen. Nur heute sind die Vorratskammern auf Jahre voll und er sammelt immer noch Beute.

    Das ist im Kern etwa die gleiche Kritik, die du auch ansprichst aus einer etwas anderen Sichtweise. Wobei ich nicht denke das Zeit oder deren Messung ein Problem ist, sondern der Umgang mit dem Ausgleich und die starke Verführung mehr zu tun als man eigentlich braucht und die Definition was man überhaupt braucht – aber das thematisierst du ja in anderen Artikel auch :-).

    • keine-eile.de

      Wow, danke für deinen ausführlichen Kommentar. Das wichtigste an der Work-Life-Balance ist weder Work noch Life – es ist Balance, stimmt 🙂 Für mich ist die Zeit kein Fluss, sondern eher ein großes Meer, auf dem ich mich treiben lasse. Ein Meer voller Möglichkeiten etwas zu tun, oder nicht. Zeit und Geld in irgendeine Relation zu setzen ist normal, ich finde es allerdings absurd. Zeit gehört mir ja irgendwie nicht, wie kann ich etwas verkaufen, dass ich nicht besitze? Doch dieses Denken ist so sehr in uns allen drin, dass man fast verrückt wird, wenn man versucht es anders zu denken, schon mal versucht? Wie verdiene ich Geld, wenn ich meine Zeit, nicht mehr verkaufen kann?

    • Alexius Brema

      keine-eile.de , aber dein Meer hat doch nur eine Strömungsrichtung, oder hast du entdeckt wie man zurückrudern kann? 🙂

      Wie ich sagte, du kannst Zeit nicht kaufen und die Relation ist zwangsläufig immer falsch. Es ist immer die Tätigkeit in der Zeit die in Relation zu Geld gesetzt wird.

      Eine Stunde vergeht, ob du ein Buch liesst oder etwas machst was jemand anderen Wert ist dir dafür etwas zu geben, nur darin liegt der Unterschied.
      Wobei es natürlich auch Menschen gibt die fürs Bücherlesen bezahlt werden
      .-).

      Verdienen tust du immer über die Tätigkeit, deshalb kriegt mancher für seinen Zeiteinsatz auch mehr raus als andere, da die Tätigkeit jemanden mehr Wert ist.

  3. Für mich ist Zeit uninteressant. Zumindest soweit, wie ich mir das erlauben kann. Ich brauche für die Dinge, solange es eben dauert. Und Zeitplanung ist mir ein Greuel. Aber natürlich hilft eine Norm für Zeit, die gesellschaftliche Ordnung in eine weiter Form zu pressen. LG, Steffi

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