Pflegestelle Hund Greta

Gretas Tagebuch – Teil 2

Wir haben im September über eine deutsche Tierschutzorganisation eine Hündin (Greta) aus einem spanischen Tierheim bei uns aufgenommen. Zunächst als Pflegestelle und bei gegenseitiger Sympathie auch dauerhaft.

Vorwort zu Gretas Tagebuch

Es fällt uns schwer, den zweiten Teil von Gretas Tagebuch zu schreiben.

Das liegt vor allem daran, dass wir es immer wieder vor uns hergeschoben haben. Wir waren froh, dass endlich etwas Ruhe einkehrt ist und erfreulichere Dinge den Tag bereichern.

Nun haben wir all die Sprachnachrichten noch einmal angehört. Die Textnachrichten ein zweites Mal gelesen und mussten uns der ganzen Geschichte ein weiteres Mal stellen. Da bleibt der Spass auf der Strecke.

Auch stellt sich uns die Frage: Missbrauchen wir Keine Eile als persönlichen Internetpranger? Das möchten wir nämlich nicht.

Aber, da es ja ein persönlicher Blog ist, hätte es so oder so einen Beitrag über Gretas Einzug gegeben. Dass dieser jetzt eher negativ und traurig daher kommt, konnte nun wirklich niemand ahnen.

Außerdem kommt hierbei niemand gut weg.

Wir nicht, “unser” Tierschutzverein im Besonderen, aber auch Tierschutz im Allgemeinen.

Das ist schlecht. Und auch wenn wir jetzt schreiben, dass es nicht unsere Absicht ist, den (Auslands-) Tierschutz in ein schlechtes Licht zu stellen, dann glaubt man uns das vielleicht. Aber er kommt trotzdem nicht gut dabei weg.

Denn Auslandstierschutz ist es nicht, wenn es darum geht, möglichst viele Hunde zu importieren, die Schutzgebühr zu kassieren und dann bei Problemen die Augen zu verschließen.

Es geht uns also nicht darum irgendetwas oder irgendwen pauschal zu bewerten und zu verurteilen. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Wir haben halt diese gemacht.

Und dabei einiges gelernt.

Zum Beispiel, dass es viel wichtiger ist, sich zuerst eine gute Tierschutzorganisation zu suchen. Und sich mit deren Hilfe auf die Suche nach einem Hund zu machen.

Was macht eine gute Tierschutzorganisation aus?

Es sollte nicht nur darum gehen im großen Stil Hunde aus dem Süden in den Norden Europas zu exportieren. Und damit möglicherweise auch noch (viel) Geld zu verdienen.

Tierschutz sollte vor allem im Herkunftsland der Hunde stattfinden.

Durch Öffentlichkeitsarbeit die Einwohner des jeweiligen Landes für das Thema begeistern.

Er sollte für die Tiere vor Ort etwas erreichen.

  • Durch Unterstützung all der Menschen vor Ort, die sich um die Tiere direkt vor der eigenen Haustür kümmern.
  • Durch Kastrationsprojekte, um die Flut an neuen Hunden zu stoppen.
  • Mit Fütterungsplätzen, der Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten in Form von Hütten und medizinischer Versorgung für Straßenhunde.

Wir werden die Tierschutzorganisation nicht nennen, nachfragen lohnt also nicht. Wer es wirklich wissen möchte, kommt mit etwas Recherche schon dahinter.

Was bisher geschah

Wir haben im September über eine deutsche Tierschutzorganisation eine Hündin (Greta) aus einem spanischen Tierheim bei uns aufgenommen. Zunächst als Pflegestelle und bei gegenseitiger Sympathie auch dauerhaft.

Wir dachten uns: Das kann man ja mal machen. Ist ja alles kein Problem. Greta pennt ne Weile bei uns auf dem Sofa. Bekommt 2 leckere Mahlzeiten am Tag, Streicheleinheiten und wir gehen zusammen spazieren.

Schnell stellt sich aber heraus, dass einfach anders ist.

Greta hat bereits am Tag ihrer Ankunft offensichtliche gesundheitliche Probleme, die uns verschwiegen und sogar abgestritten werden. Es soll einen negativen Test auf Mittelmeerkrankheiten geben, der Gretas Gesundheit bestätigt. Auch wurden angeblich Gewebetests durchgeführt. Diese werden uns aber konsequent vorenthalten.

Wir gehen mit Greta zu unseren Tierarzt, der bei Greta Leishmaniose diagnostiziert. Die Diagnose wird seitens der Tierschutzorganisation angezweifelt und wir dürfen Greta nicht behandeln.

Lies hier den ersten Teil von Gretas Tagebuch

Pflegestelle Hund Greta

Wir sitzen also zwischen den Stühlen.

Auf der einen Seite Greta, die krank ist und unser Tierarzt, der zu einer dringenden Therapie rät.

Auf der anderen Seite eine Tierschutzorganisation, die einerseits uns und das Vorgehen des Tierarztes aufs Schärfste kritisiert und gleichzeitig nur durch Lügen und mit falschen Versprechungen in Erscheinung tritt und sich wochenlang davor drückt, sich einfach mal mit dem Tierarzt zu unterhalten.

Trotzdem sind wir 4 Wochen lang geduldig und verunsichert und schieben den Behandlungsbeginn immer wieder vor uns her.

4 Wochen, in denen die Tierschutzorganisation Zeit gehabt hätte für Greta tätig zu werden.

An Tag 31 beginnen wir gegen den Willen der Tierschutzorganisation und zunächst auf unsere Kosten mit Gretas Behandlung.

Tag 33

Es meldet sich eine Charlotte aus Berlin, die Interesse an Greta hat, per Telefon.

Wir sind überrascht, denn sie weiß bescheid, dass Greta an Leishmaniose erkrankt ist und behandelt wird. Dass hat Tina ihr so erzählt.

Wir einigen uns mit ihr, dass der Zeitpunkt für eine Übernahme des Hundes denkbar schlecht ist, wir stehen im engen Kontakt mit unserem Tierarzt, sie bekommt Medikamente und ist letztendlich in ihrer gewohnten Umgebung bei uns gut aufgehoben. Und dass wir vor Übergabe von Greta klären wollen, wer denn nun für die Tierarztkosten aufkommt. Wir wollen in Kontakt bleiben, sie kann Greta besuchen kommen und wenn es Greta besser gehen, besprechen wir alles weitere. Damit ist Charlotte einverstanden.

Am Abend meldet sich Tina via Sprachnachricht. Inhaltlich kommt dabei mal wieder nichts neues rüber.

Sie hat von Charlotte erfahren, dass wir Greta mit Medikamenten behandeln (merkwürdig, denn Charlotte wusste dies ja schon von Tina) und macht uns schwere Vorwürfe.

Wir werden unter Druck gesetzt und eingeschüchtert: Wir wären nicht befugt ein krankes Tier zu behandeln.

Einen solchen Passus können wir im Pflegestellenvertrag allerdings nicht finden. Im Gegenteil steht da, dass wir dazu verpflichtet sind, bei Krankheit für tierärztliche Behandlung zu sorgen.

Sie meint, wir würden Greta “auf eigene Faust” behandeln und zeigt sich darüber “erschrocken”.

Dabei ist es doch so, dass sie von Anfang an mit “im Boot” war und bescheid weiss, sich aber zu keiner Zeit um irgend etwas gekümmert hat. Letztendlich behandeln wir das Tier nicht “auf eigene Faust”, sondern der Tierarzt stellt eine Diagnose und empfiehlt eine Behandlung. Wir denken uns das ja nicht aus. Und wer kümmert sich denn sonst um Gretas Gesundheit, wenn nicht wir?

Trotzdem Charlotte von Tina in Kenntnis gesetzt wurde, dass sie Leishmaniose hat, erzählt sie uns nun wieder, Greta wäre gesund und hätte nur Hautprobleme. Sie behauptet, die Medikamente verursachen Organschäden und bedeuten Gretas Tod.

Unsere Herangehensweise wird auf gemeine Art und Weise kritisiert. Die Diagnose des Tierarztes erneut in Frage gestellt, ohne dass sie die lange versprochenen Testergebnisse geschickt oder sich mal persönlich mit dem Arzt unterhalten hat.

Die Übernahme der Behandlungskosten wird zunächst positiv bestätigt, dann aber abgelehnt, weil wir uns angeblich vorher nicht mit ihr abgesprochen haben. Wir könnten die Rechnungen gerne einreichen und sie würde dann mal schauen, ob und was sie davon erstattet.

Tina teilt mit, dass sie nicht möchte, dass Greta noch länger bei uns bleibt. Wir sollen einen Termin nennen, wann sie abgeholt werden kann.

Für uns ist der “Dialog” hier beendet. So kommen wir nicht weiter. Ständig via Sprach- und Textnachrichten blöde vollgelabert zu werden, darauf haben wir einfach keinen Bock mehr. Greta sollte schon so oft abgeholt werden und dass wir uns nicht absprechen würden, ist ja auch nichts neues.

Auf der Internetseite besagter Organisation stoßen wir zufällig auf folgendes Zitat:

Eine Pflegestelle zu sein – ist nicht immer einfach und es gehört viel Verantwortung dazu. In der Dauer der Pflegestelle, bist du für das Leben des Tieres verantwortlich und wir vertrauen dir!

Ja ne, is klar soweit.

Tag 34

Tina: Ich habe das Gefühl sie wollen Greta behalten ?
Warum kann man dann nicht offen und ehrlich darüber sprechen ?
Bitte melden sie sich bei mir ! Ab Montag bin ich in hamburg und kann umgehend nach Bremen kommen

Nicht die Sprachnachricht von gestern haut uns aus den Socken, sondern diese Nachricht!

Es wäre offen und ehrlich gewesen, uns darüber zu informieren, dass Greta krank ist. Offen und ehrlich wäre gewesen, all die Versprechungen, die gemacht wurden, auch mal wahr zu machen. Oder uns damit zu verschonen. Offen und ehrlich wäre es gewesen uns keinen kranken Hund “unterzujubeln” und dann rumzuzicken, wenn es um die Übernahme von Behandlungskosten geht.

Wir wissen nicht, wie ihre Prognose ist. Ob wir überhaupt einen chronisch kranken Hund haben wollen oder können. Was für Kosten auf uns zu kommen. Ob wir es andererseits übers Herz bringen, sie abzugeben nur weil sie nicht gesund ist.

Tag 35

Wir fahren zum Tierarzt.

Dieses Mal wird Greta von der Kollegin unseres Tierarztes untersucht.

Diese bestätigt nochmals die Diagnose Leishmaniose, erkennt Symptome wie Verkrustungen an den Ohren und Ränder um die Augen (die auch auf Demodexmilben hindeuten), Fellverlust an den inneren Oberschenkeln (Hosenbildung).

Tag 36

Seit fast einer Woche bekommt Greta von uns täglich ihre Dosis Doxycyclin, Allopurinol, Domperidon und Cydectin.

Zugegeben, ganz schön viel Chemie. Und wirklich gut fühlt es sich nicht an.

Aber die Ergebnisse sprechen für sich: Bereits nach 3 Tagen hören die offenen Stellen auf zu bluten, nässen nicht mehr und die Schwellungen gehen sichtbar zurück.

Pflegestelle Hund Greta

Vom Cydectin ist sie wackelig auf den Beinen. Nur eine Nebenwirkung, die mit Beendigung der Behandlung wieder verschwindet.

Wir haben nicht den Eindruck, dass die Medikamente ihr Probleme bereiten oder es ihr dadurch schlechter geht. Es zeigen sich sonst keine weiteren Nebenwirkungen

Vor einem Raiffeisen Markt in der Provinz treffen wir einen passionierten Jäger, der sich für Greta interessiert. Er schätzt ihr Alter auf deutlich über 10 und stellt fest, dass sie in keiner guten Verfassung ist.

Das können wir nachvollziehen. Greta lässt sich hängen. Sie kommt sehr verhalten und geduckt daher. Dass Greta aber eigentlich ein junger, lebhafter Hund ist, merken wir dann doch immer wieder, wenn sie mal aus sich herauskommt. Dann kann sie auch ganz schön Gas geben.

Tag 37

Wie es Greta so geht interessiert Tina schon  lange nicht mehr. Auch wie Greta die Medikamente verträgt, hat sie noch nie gefragt. Aber Greta zu vermitteln liegt ihr wohl sehr am Herzen.

Zeitgleich um 12:10 Uhr trudeln einige Nachrichten ein. Diesmal wirken Charlotte und Tina gleichzeitig auf uns ein:

Charlotte: Hallo Steffi! Hat sich alles geklärt? Tina hat mir gesagt, dass sie die Kosten übernimmt und Greta schon zum Wochenende zu mir kann 👏🏼 wir haben hier auch einen super Tierarzt, der sich gerne schon mal mit eurem austauschen möchte. Kannst du mir den Kontakt von eurem schicken? Außerdem würde ich gerne Futter kaufen: was kriegt die süße? Freu mich schon so sehr, hab auch direkt Urlaub genommen 🤗

Tina: Guten Morgen, ich bin nun auf dem Weg nach Hamburg. Ich würde morgen Vormittag vorbei kommen. Sind sie dann zuhause ?
Ich finde diese Art und weise wirklich nicht nett ! Lassen Sie uns doch bitte mal telefonieren.
Wir wollen sicherlich auch nur das beste für greta.
Charlotte würde Greta gerne aufnehmen unser Tierarzt in berlin weiss Bescheid und übernimmt dann die Behandlung und schaut Greta komplett durch was das für eine Ursache hat mit den Hauptproblemen.

Wir gehen nicht darauf ein. Was von all dem, was geschrieben wurde, sollen wir denn glauben, nach all dem Mist, der uns in den vergangenen Wochen aufgetischt wurde

Von einer Kostenübernahme schreibt Tina nichts. Dass sie immer noch von Hautproblemen redet, ist interessant. Die Kontaktdaten unseres Tierarztes sind schon lange bekannt. Angerufen hat sie ihn immer noch nicht.

Die eine will am Dienstag kommen. Wir haben keine Ahnung warum. Sie will telefonieren, ruft aber nicht an. Die andere will am Wochenende Greta abholen, obwohl wir uns am Telefon darauf verständigt hatten, dass Greta solange bei uns bleibt, bis es ihr besser geht.

Schon länger entsteht bei uns der Eindruck, dass es der Tierschutzorganisation nicht um Gretas Gesundheit geht, sondern andere Interessen im Vordergrund stehen.

Bei Facebook gibt die Organisation fast zeitgleich bekannt

(…)Unser Verein hat aktuell sehr große finanzielle Schwierigkeiten durch hohe Tierarztkosten und wir brauchen das Geld (Schutzgebühr) dringend wieder, um neue Tiere zu retten. (…) Wir haben in den letzten Monaten so viel kranke Hunde aus den Tötungen übernommen und haben viele Operationen durchgeführt. Dies lässt unser Konto nicht sonderlich gut aussehen. Nächste Woche möchten wir gerne wieder 4 Hunde aus der Tötung retten – doch dafür benötigen wir erstmal das Geld für die Auslöse auf unserem Konto (…)

Was bleibt ist die Frage, wie es denn nun weitergeht.

Nach dem Ärger der letzten Wochen werden wir hier alle mal ein bischen zur Ruhe zu kommen.

Immer wieder gehen uns die gleichen Gedanken im Kopf rum. Können oder wollen wir sie wieder in die Obhut der Tierschutzorganisation geben, die bisher wenig bis gar kein Interesse an ihr gezeigt hat? Sich nicht um sie gekümmert hat?

Rechtlich betrachtet ist die Organisation jedoch der Eigentümer. Wollen oder dürfen wir sie überhaut noch adoptieren? Wollen wir einen chronisch kranken Hund haben? Was kostet das? Müssen bzw. dürfen wir überhaupt selbst eine neue Heimat für sie suchen? Wie sind ihre Chancen?

Greta ist jetzt 5, wiegt 32 kg. Sie wird auf ärztliche Hilfe angewiesen sein. Auf Medikamente. Wer wird bereit sein ihr all das zu bieten?

Tag 39

Wir erhalten mehrere SMS von Tina:

Guten Morgen, bitte melden sie sich bei mir ! Ist es wirklich soweit das wir Greta als unser Eigentum mit der polizei bei Ihnen raus holen müssen ? Das ist wirklich nicht unsere Art und Weise ! Ich bitte um eine Rückmeldung

Wir wollen sicherlich nur das beste für greta sonst hätten wir sie wohl kaum aus der Tötung gerettet und sie auf den Transport nach Deutschland gesetzt. Ich glaube sie verwechseln da wirklich etwas.

Aber normalerweise ist es so dass die Pflegestellen mit uns den Besuch beim Tierarzt absprechen – sie haben sich erst gemeldet nachdem sie beim Tierarzt waren.

Ich hätte gerne bevor das ganze Schlamassel passiert ist mit ihrem Tierarzt gesprochen. Nun haben sie laut Info der Interessentin einfach die Behandlung begonnen ? Das ist nicht ok ! Wir machen den Tierschutz schon seit Jahren und haben jede Menge Erfahrung ….. auch wenn der Hund Leishmaniose haben sollte ist dies nicht die richtige Behandlung. Diese Behandlung zerstört nur Niere und Leber. Falls Sie mir nicht glauben kann ich Ihnen die Rufnummer von 10 Ärzten geben !

Das kann man schon als fahrlässige Tötung bezeichnen was da gerade abläuft wenn das stimmen sollte!

Greta ist auf uns eingetragen jen nachweislich Eigentum von unserem Verein. Ich scheue mich sicherlich nicht vor Tierarzt kosten ! Nur wenn muss eine Behandlung auch richtig ablaufen damit dem hund geholfen wird und nicht geschadet.

Ich bitte bis heute 12 Uhr eine Rückmeldung wann wir greta abholen können ! Die Tierarztkosten können Sie mir gerne offen legen und ich übernehme wie besprochen einen Teil. Natürlich nach Absprache mit unseren Ärzten.

Ja ne, ist klar.

Polizei, fahrlässige Tötung also.

Sie hätte gerne mit unserem Tierarzt telefoniert? Wir hätten die Behandlung mit ihr absprechen müssen? Da bitten wir seit Wochen drum.

Sie hat 10 tolle Ärzte, mit denen wir telefonieren können, aber sie hat es nicht nötig mal den einen anzurufen, bevor “das ganze Schlamassel losgegangen ist” (wir reden hier über einen Zeitraum von 4! Wochen).

Sie scheut sich nicht vor Tierarztkosten, eine Kostenübernahme wird aber nur eventuell und anteilig zugesagt.

Diese Drohungen gehen uns dann doch zu weit. Das Blöde an eingestellter Kommuniktation ist, wenn das Gegenüber das nicht kapiert. So rufen wir am Abend mal bei Tina an, um ihr auch noch mal mündlich mitzuteilen, dass das so jetzt nicht mehr weitergeht und um sie freundlich zu bitten, uns zukünftig auf dem Postweg zu bedrohen. Das ist uns wichtig.

Inhaltlich gibt es dabei sonst nichts Neues. Eine Stunde lang geht es hin und her.

Tina erzählt immer und immer wieder, was sie uns schon in zahlreichen Nachrichten geschrieben hat. Wir versuchen immer wieder unsere Sichtweise deutlich zu machen. Es ist schwierig überhaupt ein Bein auf den Boden zu bekommen.

Tina ist total festgefahren. Die Frage, warum sie nicht endlich mit Gretas Tierarzt spricht, wird mit der lapidaren Bemerkung abgetan, dass nicht der Tierarzt, der Greta behandelt, sondern wir ja ihre Vertragspartner sind. Und sie es deshalb gar nicht nötig hat, mit ihm zu sprechen.

Ein weiterer Grund, den sie anführt ist für uns genauso so abstrus.

Tina meint, sie wisse genau, wie deutsche Tierärzte sind, wenn es um Hunde aus dem Ausland geht und sie wisse genau, was der Tierarzt denkt und sagen wird, und auch deshalb könne sie sich einen Anruf sparen.

Diese so einfache Möglichkeit alles aufzuklären und etwas für Greta zu erreichen, wird von ihr als die abwegigste abgetan. Auch scheint sie vergessen zu haben, dass sie am selben Tag geschrieben hat, dass sie mit ihm gerne sprechen möchte.

Uns ist schon lange nicht mehr klar, worum es überhaupt geht. Tina sagt, es geht ihr nicht ums Geld. Da sie noch nie gefragt hat, wie es Greta geht, geht es wohl auch nicht um Greta. Aus unserem Gespräch geht hervor, dass für Tina die Ungeheuerlichkeit unseres Vorgehens im Vordergrund steht.

Tag 40

Da vor einigen Tagen eine Charlotte aus Berlin sich bereit erklärt hatte, Greta trotz ihrer Krankheit eine neue Heimat (Endstelle) zu bieten, versuchen wir sie telefonisch zu erreichen und ihr anzubieten Greta, wie von ihr vorgeschlagen, am Wochenende abzuholen.

Der ganze Stress und Umgang mit dieser Tina ist mittlerweile so belastend, dass wir die Möglichkeit nun doch in Betracht ziehen, schnell und einfach zu einem Ende zu kommen.

So richtig glücklich sind wir nicht damit, denn wir gehen davon aus, dass ein Ortswechsel für Greta in ihrer jetzigen Verfassung einfach scheiße ist. Auch werden wir so wahrscheinlich auf den Tierarztkosten sitzen bleiben.

Charlotte ist leider nicht erreichbar.

Wir erhalten wieder drei Sprachnachricht von Tina, die vieles verändern.

Sie hat nun endlich mal mit unserem Tierarzt und sogar mit Dr. Naucke (Parasitologe) gesprochen.

Dr. Naucke bestätigt das Vorgehen unseres Tierarztes und die Behandlung soll weitergeführt werden. Beide empfehlen den Antikörpertest und das große Blutbild auf das Frühjahr zu verschieben.

Wieder erzählt sie die Mähr, dass wir sie über die Behandlung nicht informiert hätten und sie gerne vorher mit dem Tierarzt hätte sprechen wollen.

Sie möchte mit unserem Tierarzt in Kontakt bleiben und die weitere Behandlung mit ihm besprechen. Was sie übrigens dann doch nicht machen wird!

Daraufhin ruft Olaf sie an. Um ihr ein Feedback auf ihre anonymen Sprachnachrichten zu geben, konfrontiert er sie mit der Tatsache, dass sie es verkackt hat. Denn hätte sie schon nach unserem ersten Besuch bei Gretas Tierarzt angerufen, wäre uns allen viel erspart geblieben.

3 Wochen waren es, in denen sie uns alle ins Unglück gestürzt hat, nur weil sie es in ihrer grenzenlosen Arroganz nicht nötig hatte mal mit Gretas Arzt zu reden. Vor allem, weil sie ja weiß, dass Gretas Tierarzt keine Ahnung hat.

Aber es gibt auch noch eine ganz einfache Erklärung – und wir müssen doch Verständnis haben – denn es liegt nicht an ihr, sie hat ja zur Zeit so viel Wichtiges zu tun, dass sie schlicht und ergreifend keine Zeit hatte sich auch noch um Greta zu kümmern.

Sie schreibt uns lieber Droh-SMS, denn dass ist ihr wichtig. Ihre Respektlosigkeit ist einfach nur zum Heulen!

Schockierend ist die Tatsache, dass wir beide noch nie mit einem Menschen konfrontiert waren, der uns so verletzend, abwertend, niederträchtig und unaufrichtig entgegengetreten ist.

Wir haben eine Hündin in Pflege genommen und kümmern uns um ihr gesundheitliches Wohl. Mit viel körperlichem, zeitlichem und finanziellem Aufwand. Von der Tierschutzorganisation haben wir keine Unterstützung. Stattdessen werden wir belogen, bedroht, genötigt und eingeschüchtert.

Bis sich dann irgendwann herausstellt, dass wir eigentlich alles richtig machen. Aber dann ist immer noch nicht gut. Denn sie erkennt das eigene Versagen nicht mal an. Schuld sind alle anderen: Wir sowieso, die Tierärzte, schlechte Kommunikation, die Umstände, die Zeit.

Charlotte aus Berlin meldet sich bei uns zurück. Nach Unstimmigkeiten mit – wer hätte das gedacht – einer Tina, steht sie für eine Übernahme von Greta nicht mehr zur Verfügung. Diese vermeintlich schnelle Lösung für uns fällt also aus und enpuppt sich als eine weitere Luftnummer.

Da wir nicht wollen, dass Greta in eine neue Pflegestelle kommt, wird sie also tatsächlich solange bei uns bleiben, bis es ihr besser geht. Erst dann können wir nach einem Adoptanten für sie suchen.

Jetzt werden wir alle erstmal wieder zur Ruhe kommen.

Tag 41 bis heute

Gretas Veränderungen sind auf ganzer Linie erstaunlich.

Nicht nur, dass ihre offenen Stellen sehr schnell aufgehört haben zu bluten, so sind sie nach 14 Tagen fast kaum noch zu erkennen und wieder mit Fell bewachsen.

Pflegestelle Hund Greta

Eine der auffallendsten Veränderungen ist ihr Geruch. Nie hat sie so gut gerochen wie heute. Der müffelige, durch die Milben verursachte Geruch, ist verschwunden. Sie duftet nun fast so gut wie Lucy.

Pflegestelle Hund Greta

Und es sind auch viele Kleinigkeiten, die auffallen. Ihr schnarchen ist seltener geworden. Sie wird in allem was sie macht, agiler, beweglicher, wirkt nicht mehr so traurig, lässt sich nicht mehr so hängen.

Erkenntnis für uns ist, dass so ein zweiter Hund nicht einfach so mitläuft, sondern viel Arbeit ins Haus steht, wie z. B. ein funktionierender Rückruf und Leinenführigkeit. Wir haben ja schon einen Hund, der das alles nie so richtig gelernt hat und so der Spaziergang mit 2 Hunden für einen Menschen (noch) nicht zu bewerkstelligen ist. So geht viel Zeit für die beiden Hunde drauf und wir machen mit den Mädels ein Online-Hundetraining*

Blöd ist auch, dass wir ja stetig unterwegs sind und die Medikamentenbeschaffung für Greta zwar nicht schwierig ist, aber jedes Mal extra Geld kostet.

Ein fremder Tierarzt erklärt sich nur dazu bereit ein Rezept auszustellen, nachdem er sie untersucht hat. Für 20 Euro. Zusätzlich zu den Kosten für das Medikament. Vor dem Hintergrund, dass er die Diagnose weder bestätigt noch dementiert, da er nach eigenen Angaben mit Mittelmeererkrankungen eh keine Erfahrung hat.

Als sich die ersten kälteren Tage einstellen, haben wir den Eindruck, dass Greta friert. Und experimentieren zunächst mit einer vorhandenen Fellweste, die wir ihr zum Spazierengehen umbinden. So haben wir auf dem nächsten Spaziergang wieder eine ganz andere Greta, die nicht mehr so hibbelig ist, sondern entspannt (da warm) neben uns her trottet.

Die Weste ist aber nur eine Übergangslösung. Wir kommen nicht umhin hier ein hundgerechtes Kleidungsstück für die kalten Tage zu besorgen.

Greta artgerecht zu beschäftigen ist gar nicht so einfach. Dass man Futter auch erschnuppern und Spielzeuge suchen kann, müssen wir ihr erst beibringen.

Mit Lucy haben wir eine Hündin, die man eigentlich immer bremsen muss. Greta ist das Gegenteil. Es ist erstaunlich, wie lang ihre Leitung ist und wie wenig sie von dem, was um sie herum passiert eigentlich mitbekommt.

Aber sie liebt auch ihr Tau und frisst mit Freude unsere Socken.

Greta hat ein gutmütiges Wesen, ist sehr anhänglich und wenn sie mal auf andere Hunde trifft, mit denen sie Spaß haben kann, dann wird aus Greta, Greta Raketa! Man ahnt im Alltag ja gar nicht, welche crazy Moves in diesem langsamen Tierchen eigentlich stecken.

Eigentlich waren wir in Sorge, dass Greta – als Jagdhündin, über deren vorheriges Leben wir nichts wissen und die lange Zeit im Tierheim in einen Käfig gesperrt wurde – Verhaltensauffälligkeiten zeigen könnte.

Es gibt aber nichts negatives zu berichten. Sie ist kompetent und freundlich gegenüber anderen Hunden. Sogar unhöflichen Hunden gegenüber zeigt sie sich gutmütig. Auch fremden Menschen gegenüber ist sie neugierig und freundlich zurückhaltend.

Wir haben den Eindruck, dass sie Kinder mag. Es fehlt uns allerdings an Probanten im Umfeld, um darüber mehr herausfinden zu können.

Pflegestelle Hund Greta

Lucy und Greta werden vielleicht nicht mehr beste Freundinnen. Doch für ihre Verhältnisse hat Lucy sie gut aufgenommen. Die Momente, in denen die beiden interagieren werden täglich mehr.

Greta kann sehr präsent sein. Und weiß das. Wenn sie scharf auf einen von Lucys Liegeplätzen ist, baut sie sich davor auf: Hält Körperspannung, steht mit erhobenen Kopf und stolz geschwellter Brust vor ihr und wartet einfach nur. Damit hat sie überraschenderweise oft Erfolg. Lucy macht den Platz frei und sucht sich was anderes. Genauso oft zeigt Lucy ihr aber auch: Läuft nicht! Dann ignoriert sie Greta einfach und bleibt liegen und Greta geht wieder weg.

Lucy ist sehr sportlich und bewegungsbegabt. Von Anfang an sind wir mit ihr auf Leitern geklettert, sind balanciert, gehüpt und gesprungen. Greta dagegen ist extrem tollpatschig und scheint nur wenig Kontrolle über ihren Körper zu haben. Daher müssen wir immer aufpassen wo sie hin- oder reintritt. Während wir zum Beispiel in 9 Jahren nicht mitgekommen haben, dass Lucy mal in einen Hundehaufen getreten ist, hat Greta in ein paar Wochen schon mindestens 3 voll erwischt.

Aber es wird besser und so entsteht der Eindruck sie wäre damit beschäftigt ihren Körper und ihr Gehirn (wieder) zu entdecken. Sie probiert sich aus, überschätzt sich auch mal und lernt dazu.

Nicht so schön ist ihre Vorliebe für Textilien. Sie frisst besonders gerne Socken oder Taschentücher, die irgendwann vorne oder hinten am Stück wieder rauskommen.

Einschränkend für Gretas gesellschaftliche Akzeptanz ist das, durch die Anatomie und die viele Haut im Gesicht bedingte, Sabbern. Das Taschentuch in der Jackentasche ist zu unserem ständigen Begleiter geworden und zu Hause liegt ein großes Sabbertuch immer griffbereit. Sie sabbert nicht ständig. Nur bei Aufregung, beim Essen, beim Trinken, vor dem Spaziergang, nach dem Spaziergang und manchmal beim Streicheln.

Lange experimentieren wir herum, ein Futter zu finden, dass für beide Hunde funktioniert. Wir haben einfach keinen Platz, um zwei 20 kg Säcke mitzuführen. Das Futter, das Lucy bisher bekam, verträgt Greta leider nicht. Sie bekam davon Blähungen und die Haufen waren gigantisch. Nachdem wir einiges an Sorten durchprobiert haben, haben die beiden sich auf Wildkind mit Huhn und Ente aus dem Futterhaus geeinigt.

Das Ziel, nun erstmal zur Ruhe zu kommen und Greta beim Gesundwerden zuzusehen, haben wir erreicht. Tina hat sich einige Wochen nicht gemeldet.

Bis wir vor ein paar Tagen eine Nachricht von ihr bekommen. Es hat sich Claudia aus Schweden gemeldet, die Greta adoptieren möchte. Ein vorheriges Kennenlernen und die sonst obligatorische Vorkontrolle von Gretas zukünftigen Zuhause wird es nicht geben. Sie soll in Hamburg abgeholt und gleich nach Schweden gebracht werden.

Selbst wenn wir Greta nicht behalten wollen, kommt es für uns nicht in Frage, Greta auf diese Weise weiterzuvermitteln.

So stecken wir schon im nächsten Dilemma. Es wäre für uns in Ordnung, wenn wir Greta in die richtigen Hände geben könnten. Aber Tierschutz bedeutet für uns auch, dass es ein vorheriges Kennenlernen und damit die Möglichkeit gibt, das passende Zuhause für Greta zu finden – und nicht irgendeins.

So kommt es, dass wir Tina mitteilen, dass wir Greta – nicht zuletzt aufgrund mangelnder Alternativen – behalten werden.

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Kommentare

12 Gedanken zu “Gretas Tagebuch – Teil 2”

  1. Wer sich dafür interessiert, um welchen Verein es sich handelt, kann dies wirklich einfach herausfinden, indem er auf Zitate achtet.

    Aber weil es der Wunsch des Seiteninhabers ist, werde ich die Organisation auch nicht nennen.

  2. Unterwegs (jetzt in Spanien) sehen wir und hören wir mehr oft von Probleme mit Tierschutz. Wir sehen auch viele Hunde mit Probleme. Leider ist es so das Geld in viele falle das Ziel ist, und nicht der Hund.
    Euch hat alles super gemacht und Greta hat glück gehabt mit ihr.
    Respect wie ihr alles gemacht hat

  3. Das habt ihr gut gemacht. Drohungen sind die eine Seite, diese aber umzusetzen ist die andere Seite der Medaille und gar nicht so einfach. Also lasst euch nicht einschüchtern und handelt gemäß eurer Einstellung.

  4. Es wäre schön, wenn Ihr den Namen dieser Organisation nennen würdet, um andere Leute zu warnen.
    Es ist wirklich toll von Euch, wie Ihr Euch um die arme Maus kümmert und ich wünsche ihr und Euch, dass sie ein liebevolles und wunderschönes Zuhause bekommt ❣️

  5. Alles gute für Greta und euch. Wir haben auch zwei Hunde aus einer Tierschutzorganisation- sind aber super zufrieden. Unsere kleine ist auch Leishmaniose positiv…. Diagnose noch relativ frisch…. toll das ihr greta behalten wollt. Über weiter Berichte würde ich mich auch freuen

  6. Das ist alles sehr ärgerlich mit dieser Tierschutzorganisation! Ich finde es gut, dass ihr darüber berichtet habt, denn solche Tatsachenberichte gibt es leider viel zu selten! Die meisten schweigen zu solchen Vorfällen!
    Um so mehr freut es mich zu lesen dass Greta nun doch bei Euch bleibt
    Ich wünsche Euch das Allerbeste und würde mich echt freuen, wenn Ihr immer mal wieder über Greta berichten würdet! Liebe Grüße, Martina

  7. Mist das solche Vereine so ein schlechtes Bild auf den gesamten auslandstierschutz werfen. Es gibt auch gute Vereine. Aber eben auch viele idioten mit profilneurose.
    In eurem Fall hätte ich greta auch behalten…ich hoffe ihr habt ne tolle Zeit zusammen.

  8. Tut mir leid das zu lesen. Als wir einen zweiten Hund gesucht haben, habe ich mich 1,5 Jahre bei Tierschutzvereinen im In- und Ausland umgesehen. Die überschaubaren absurden Erfahrungen, die wir dabei gemacht haben, haben mich dazu gebracht wieder zu einer Züchterin zu gehen.

    Im Tierschutz sind leider eine ganze Menge durchgeknallter Persönlichkeiten unterwegs, die den engagierten und kompetenten Personen in dieser Szene das Leben so unnötig schwer machen…!

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