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Roadtrip Baikal

Michas Roadtrip mit dem Allrad Wohnmobil zum Baikal in Russland

Micha reiste zwei Mal mit dem Allrad Wohnmobil zum Baikal See in Russland. In diesem Interview erzählt er von den Reisen und gibt einige Tipps für einen Roadtrip zum Baikal.

Lesenswert ist auch der sehr persönliche Reisebericht von Micha, den du am Ende des Interviews findest.

Roadtrip Baikal

Moin, ich bin Micha Ropers, 53 Jahre alt, Verheiratet, 2 erwachsene Kinder.

Reisen ist meine große Leidenschaft. In 42 Ländern bin ich bereits gewesen. Vom Niger bis zum Nordkapp, von Island bis in die Mongolei.

Womit ich dabei reise ist ziemlich unterschiedlich:

Island und Lappland zu Fuß. Bosnien-Herzegowina und Nordkap mit dem Motorrad. Russland und Mongolei mit dem Allrad Wohnmobil. Dazwischen alles mit Auto, Motorrad oder Wohnmobil.

Den Toyota HJ60 habe ich mir speziell für meine beiden Reisen nach Russland gekauft. Es war ein (wunderbarer) Zufallskauf. Ich suchte ein Allrad Wohnmobil, dieses wurde gerade bezahlbar angeboten, ich habe zugeschlagen. Im Nachhinein das optimale Fahrzeug für den Einsatzzweck.

Leider nur für eine Person – und da ich in Zukunft mit meiner Frau reisen möchte, habe ich den Toyota verkauft.

Nun sind wir mit einem 7,50 Meter langen Wohnmobil unterwegs.

Wenn Dich mehr Details interessieren: Die beiden Russlandreisen habe ich auf meiner Website Nachosten beschrieben. Die erste Reise 2013 in Kurzform. Die zweite Reise 2015 in einem Blog.

Roadtrip Baikal

 

Du bist dem Allrad Wohnmobil, einem Toyota Landcruiser, durch Russland bis in die Mongolei gereist.

Welche Route hast du genommen?

Über Polen, Litauen, Lettland nach Moskau, dann die nördliche Magistrale bis Kasan, runter nach Samara. Dann die südliche Magistrale (Hauptstrasse) über Kurgan, Omsk, Krasnojarsk bis Irkusk.

Am Baikal See lang bis Ulan-Ude und dann Richtung Süden in die Mongolei Ulan-Baatar.

Hast du vielleicht eine Karte mit deiner Route, die du verlinken kannst?

Auf meiner Website ist ganz oben eine Karte verlinkt mit allen Nachtplätzen und der genauen Route.

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Du bist ja durch einige Länder gereist. Gab es Stationen auf dem Roadtrip nach Russland, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Wunderschön war ein noch im Bau befindlicher Campingplatz in Lettland (oberhalb von Riga) direkt an der Ostsee.

Der erste Nachtplatz in Polen am Rande eines Waldes.

Und der Campingplatz auf der Apfelinsel (Moletai) in Litauen.

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Die meiste Zeit führte dein Roadtrip durch Russland. Wie war dein allererster Eindruck von Russland ? Und wie hat es sich angefühlt durch Russland zu reisen?

Auf der ersten und auf der zweiten Reise hatte ich jeweils die ersten Tage Reisepartner. Das hat mir sehr geholfen dieses völlig unbekannte Land zu entdecken.

Ich bin, gerade 2013, mit offenem Mund und allen Sinnen hellwach durch Russland gereist und habe mich sehr verliebt in Land und Leute. Es war kribbelnd, aufregend, teilweise atemberaubend.

Besonders den russischen Menschen bin ich erlegen, diese Freundlichkeit und Herzlichkeit werde ich nie vergessen.

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Wie sind die Menschen in Russland?

Super freundlich, hilfsbereit und herzlich. Gerade mir als Deutschem gegenüber hatte ich das so nicht erwartet.

So bin ich mit sehr viel Respekt und auch ein wenig Angst nach Wolograd (ehemals Stalingrad) gefahren, wissend um die Geschichte und das Leid.

Ich bin auch dort von den Leuten herzlich Willkommen geheißen worden, ja selbst von den Veteranen wurde ich freundlichst begrüsst, es trennte uns nichts.

Auf dem Weg nach Osten bin ich immer wieder eingeladen worden, durfte in russische Häuser gehen, wurde bewirtet und verwöhnt.

Echte Freundschaften sind entstanden, ich war Djadja Mischa – Onkel Mischa.

In keinem anderen Land habe ich mich so wohl gefühlt wie in Russland, gerade der Menschen wegen.

Roadtrip Baikal

Was hast du in Russland gegessen – und wo? Welches war unterwegs dein Lieblingsgericht?

Es gibt in jedem kleinem Dorf ein “Magazin”, einen kleinen Tante Emma Laden wo man das nötigste bekommt.

In den Städten gibt es Supermärkte wie in Deutschland mit allem was das Herz begehrt.

Ich habe zur Hälfte selbst gekocht, zur anderen Hälfte habe ich an einem der unzähligen Stände an der Strasse gegessen. Dort gibt es Suppen, Nudeln mit sowas wie Gulasch und natürlich Schaschlik.

Schaschlik ist ein Spieß mit Lamm oder Schweinefleisch der über offenem Feuer geröstet wird. Dazu bekommt man etwas Salat der Saison und meinst Tee oder löslichen Kaffee.

Von Schaschlik hätte ich leben können 😉 aber es ist nicht ganz billig. Zwischen 5 und 8 Euro pro 100g zahlt man an der Strasse, in den Fernfahrer Raststätten auch mal 10 Euro.

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Wie sah ein “typischer Reisetag” aus? Bist du jeden Tag gefahren? Was hast du am Abend gemacht?

Auf der ersten Reise bin ich jeden Tag gefahren, wollte nichts verpassen, hatte ja nur 3 Monate Zeit.
Tagesetappen von 100 – 300 km waren normal.

Auf der Reise 2015 bin ich weniger pro Tag gefahren, habe mir immer wieder eine Auszeit genommen und bin an schönen Plätzen geblieben.

Besonders aber am Baikal See, der Baikal hat mich verzaubert, ist ein magischer See. Insgesamt war ich ca. 8 Wochen an diesem schönen See.

Ganz lange habe ich an der Ostseite bei Maximicha gestanden. Dort gab es jeden Abend Lagerfeuer bis in die späte Nacht. Tagsüber Holz machen im Wald, Nachmittags sägen und spalten, dann etwas ausruhen und abends mit einem kühlen Bier am Lagerfeuer bis das Holz weg gebrannt war.

An den Tagen wo ich gefahren bin, habe ich Abends entweder geschrieben oder gelesen.

Wie viel hast du am Tag durchschnittlich für deine Lebenshaltungskosten ausgegeben?

Ich bin mit 1.000 Euro pro Monat ausgekommen, inkl. Diesel für den Toyota.

Der Verbrauch lag bei 12,5 Lilter auf 100 km.

Sicher kann man mit noch weniger auskommen, denn Bier und Wodka, Schaschlik oder Fleisch im Supermarkt sind teuer. Aber mein Budget war bei 1.000 Euro und damit bin ich ausgekommen.

Diesel kostet zwischen 40 und 60 Cent je Liter, 1,5 Liter Bier ca. 2 Euro, 0,5 Liter Wodka ca. 5 Euro
Brot ca. 30 Cent, 10 Eier 1 Euro, Wurst und Fleisch sind teuer.

Wie hast du dich auf die Reise vorbereitet? Brauchtest du besondere Dokumente, Visa, Imfpungen, etc. für dich und das Auto?

Man benötigt zwingend ein Visum. Dies habe ich über eine Agentur beantragt ( www.visum.net), das geht einfach und schnell.

Dann braucht man eine spezielle Krankenversicherung (ich hatte Hanse-Merkur*) die in Russland akzeptiert ist.

Impfungen die üblichen (am besten auf der Seite der russischen Botschaft aktuell informieren), für die Mongolei kommt auf jeden Fall Tollwut dazu.

Der Hausarzt sollte eine gute Reiseapotheke* zusammen stellen, für die Mongolei auch ein Medikament gegen Pest.

Auch dort auf die Seite der Botschaft schauen.

Für das Fahrzeug wird die grüne Versicherungskarte verlangt, RUS darf dabei nicht gestrichen sein.

In der Mongolei schließt man eine separate Versicherung an der Grenze ab, ebenso in Kasachstan.

Wie bist du nach Russland gekommen? Wo bist du eingereist?

2013 bin ich über die Ukraine, Charkow nach Russland gefahren.

2015 über Lettland. Es führt eine sehr gute Strasse von Riga nach Moskau, diese habe ich genommen

Wo hast du übernachtet?

In Polen, Litauen und Lettland meist auf Campingplätzen.

In Russland nur auf zwei Campingplätzen. Einer ist in Moskau, Solkoniki Park und der andere in Sousdal (ca. 200 km nordöstlich von Moskau).

Ansonsten immer in der Natur. Weg von der Hauptstraße, ab in einen Feldweg und dann einen schönen Platz suchen.

Oder an einen der unzähligen Flüsse oder Seen fahren, dort ist immer irgendwo ein Weg den die Einheimischen fahren.

Einfach Mut haben. Und wo es schön ist – stehen bleiben und die Natur genießen.

Russen campen übrigens sehr gerne. Sehr oft sieht man Zelte am Ufer und ein Feuer davor.

Was hast du mitgenommen? (Packliste, unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände)?

Viel zu viel.

Wichtig waren: Säge, Axt, Waschtrommel (wird morgens mit Wasser, Wäsche und Waschmittel bestückt, am Heck des Fahrzeugs festgemacht. Abends nach der Fahrt ist die Wäsche fertig und muss nur gespült werden.

Mückenmittel!! (AntiBrumm* war das Beste)

Geschenke für die Kinder

Material des Tourismuszentrums für die Erwachsenen.

Navisoftware (ich hatte MapFactor und Navitel ), ein kleines GPS Gerät (eTrex10*), Mobiltelefon mit russischer Simkarte (Beeline oder Megafone)

Wie bist du unterwegs an Geld gekommen?

An jedem Geldautomaten kann man mit einer Visakarte Geld abheben, meistens haben die Supermärkte einen Bankomat, ansonsten in den Banken.

Ich hatte eine Visakarte von der DKB*, mit der kann man weltweit kostenlos Bargeld an den Automaten abheben.

Vorsicht: Höchstgrenze sind 5.000 Rubel pro Ziehung, die aber beliebig oft wiederholt werden kann.

Wer aber 5.000 Rubel eingibt, bekommt oft einen einzigen Schein, der wird aber in vielen Geschäften nicht genommen. Also lieber 4.000 pro Ziehung eingeben. In den Magazinen wird selbst der 1.000 Rubel Schein nicht gerne genommen.

Was waren die Highlights deiner Reise?

Die Besuche in den Häusern der Russen, besonders mein dreitägiger Aufenthalt auf einer Datscha in Irkutsk. Dort habe ich ein altes Ehepaar besucht und durfte an ihrem Leben teilhaben.

Dann natürlich der Baikal See. Dieser magische See – das Heilige Meer – wie die Russen ihn nennen

Und alle Begegnungen mit den vielen, vielen Menschen – sehr wertvoll und prägend.

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Kannst du von einem schönen Erlebnis berichten, dass dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Neben den oben genannten sind es zwei Erlebnisse:

Ich stand am Baikal und hatte einen Platz direkt am Ufer einer kleinen, ca. 5 Meter hohen Steilküste. Neben mir fiel der Hang ab und ein wunderbarer Sandstrand erstreckte sich über gute 5 km in einer Bucht. Diese Bucht bei Maximicha (Nähe Ust-Bagusin am Ostufer des Baikal) ist sehr beliebt bei den Russen und so kommt es, dass alle 40-50 Meter einer sein Camp aufschlägt.

Ich hatte aber den besten Platz. Hoch genug um über die Bucht zu sehen, den Wald im Rücken, und ein Lagerfeuer direkt an der Steilküste nach Westen zu, des Sonnenuntergangs wegen.

Ich stand gerade einen Tag, da kam ein Auto an, hielt neben meinem Toyota. Ein kahlköpfiger, muskelbepackter Russe springt raus und fragt in gutem Englisch, wie lange ich vorhabe zu bleiben.

Na, so eine Woche? Enttäuschung auf seinem Gesicht. Er macht hier immer Urlaub, jedes Wochenende kommt er aus dem 250 km entferntem Ulan-Ude und auch, so wie jetzt, seinen Jahresurlaub, verbringt er hier. Aber ich war nun mal zuerst da, ich könne bleiben, er zieht mit der Familie nach nebenan.

Aus dieser Begegnung ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Ich blieb 5 Wochen an dem Platz. Ljoscha, so hieß er, kam oft in mein Camp und saß am Feuer. Wir haben geredet und viel über den anderen und sein Land erfahren. Auch für seinen 10 jährigen Sohn Mischa war ich ein toller “Opa”.

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An der selben Stelle war die zweite, tolle Begegnung:

Es kam, kurz nach Mittag, ein Mann in Tarnklamotten auf mich zu, der schon erhebliche Schlagseite hatte. Als er im Camp war, tippte er sich mit dem Zeigefinger an den Hals – das Zeichen für: Möchtest Du mit mir trinken? Er hatte eine Flasche Wodka dabei, zur Hälfte leer und bot mir an.

Nein Danke, das war mir A: zu früh und B: trinke ich nicht so gerne aus einer Flasche mit jemanden den ich nicht kenne. Also habe ich höflich abgelehnt. Er setze sich dennoch und erzählte aus seinem Leben – auf Russisch.

Ich kann vieles einigermaßen verstehen, wenn sich der Gegenüber Mühe gibt einfach zu sprechen. Aleksander, so hiess er, gab sich große Mühe. An den nächsten 4 Tagen kam er regelmäßig zu mir und wir haben erzählt.

Aleksander zeigte mir wie ein Sibirier Feuer macht, das brennt sogar bei Regen und -40°C mit nur einem Streichholz. Er hat mich tief beeindruckt, war ein Freund auf Zeit.

Es gäbe noch viel zu erzählen. Die Zeit, gerade am Baikal, war gepresst voll mit tollen Menschen und Erlebnissen.

Gibt es irgendetwas, was Reisende in Russland beachten sollten? Gibt es besondere Gefahren?

Alkohol!!

Auch wenn sich dank der Aufklärung der Regierung sehr viel getan hat, es passiert immer noch dass alkoholisierte Autofahrer einem begegnen.

Dies kann tödliche Folgen haben. Bein Fahren sehr genau aufpassen, für den anderen mitdenken, er selber kann es vielleicht nicht mehr.

Wenn mehrere alkoholisierte Männer beisammen stehen, besser aus dem Weg gehen, sich nicht in ein Gespräch einlassen.

Allgemein habe ich die Themen: Krieg und Politik vermieden. Jede Familie in Russland hatte einen Toten zu beklagen und das Gedenken an die “Helden des Großen Vaterländischen Krieges” wird sehr hoch gehalten. Was soll ich da als Deutscher zu sagen?

Wenn man: “Nje Waina, nje Politik” (kein Krieg, keine Politik) zu seinem Gegenüber sagt, dann wird das sofort akzeptiert und man kann über Belangloses reden.

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Hast du eine gefährliche oder unangenehme Erfahrung auf deiner Reise gemacht?

Unter Hunderten toller Begegnungen war eine! Negative…

Am Baikal kamen zwei stark betrunkene Männer angefahren und gesellten sich zu uns. Damals war ich mit anderen, deutschen Reisenden zusammen.

Aus einem harmlosen Gespräch entwickelte sich ein Monolog des einen, der in der Beschimpfung “Deutscher Hund” gipfelte. Daraufhin verließ ich dir Gruppe, leider meinen Freund Wolfgang zurücklassend. Der aber meisterte die Situation (er spricht wesentlich besser Russisch) und die beiden Russen fuhren nach Hause.

Das war die einzige unangenehme Situation bei insgesamt 8 Monaten Russlandreise.

Wie “funktioniert” die Einreise nach Russland mit dem Auto?

Man fährt an den Checkpoint, bekommt einen Laufzettel und muss 5 Stationen ablaufen.

Das Auto wird grob durchsucht, es wird nach Waffen und Drogen gefragt (ich sagte dann immer zum Grenzer, dass ich einen T-34 Panzer und 10 AK-47 Kalaschnikow dabei hätte – Großes Gelächter, die Grenzer mochten mich ).

Alle 10 Grenzübertritte nach und aus Russland waren entspannt und in 2 Stunden geschafft, keinerlei Schikane oder Stress!

Wie sollte das Auto ausgestattet sein?

Oh, das kommt darauf an was Du willst.

Man kann Russland mit einem normalem Wohnmobil bereisen, steht dann Nachts auf Fernfahrer Raststätten und wird das eine oder andere Problem mit schlechten Strassen haben, machbar ist es.

Will man dagegen in die Wildnis, möchte an einem Fluss oder See stehen, gar in die Mongolei fahren, dann nur mit Allrad.

Wenn man z. B. die Baikal-Amur Magistrale fahren will (ein Track im Norden des Baikal nach Osten an den Amur Fluss), dann bitte volles Offroad Equipment.

Sprich: Winde, Bergegurte, Sandbleche, usw.

Für die Strecke Moskau – Ulan-Ude reicht ein normaler 4×4, entweder mit Wohnkabine, so wie ich es hatte, oder mit Dachzelt, je nach Komfortbedürfnis.

Gibt es (gute) Werkstätten und Ersatzteile in Russland?

Toyota ist die Marke in Russland! Wer keinen Lada fährt, der fährt Toyota.

Es gibt in allen größeren Städten Werkstätten. Daneben gibt es unzählige kleine Werkstätten die mit viel Einsatz und “Hammer und Meißel” einen Wagen reparieren können.

Reifenbuden gibt es an fast jeder Straßenecke, die flicken schnell und günstig (eigene Erfahrung).

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Hast du noch weitere Tipps für eine Reise durch Russland?

Lerne Russisch! Alle Strassenschilder sind auf kyrillisch. Außer in den ganz großen Städten spricht kaum jemand Englisch.

Und die Russen finden es fantastisch wenn man wenigstens etwas russisch spricht. Beim Einkaufen im Magazin ist es unerlässlich, sonst bekommt man am Tresen nix.

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Wo hast du dich vor der Reise informiert? Gibt es Blogs, Reiseführer, Karten, Bücher, etc. die du empfehlen kannst?

Karten gibt es bei “Karten Götze”.

Reiseführer sind sehr dünn gesät, so ist der Reiseführer Baikal einige Jahre alt und nicht aktuell.

Es gibt Russische Militär Karten, daneben einige Navisoftware, die Russland dabei haben.

Ich hatte außer dem Reiseführer Baikal nichts dabei.

Ein paar Blogs gibt es im Netz, allerdings nicht viel und nicht aktuell

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Reisebericht

Michas Roadtrip mit dem Allrad Wohnmobil zum Baikal in Russland

Auf zwei Reisen bin ich insgesamt 8 Monate in Russland gewesen, alleine, mit einem Allrad Wohnmobil. Es gäbe sicher sehr viel zu erzählen, von Orten und Menschen – und doch gibt es einen Ort, eine Begegnung die über allem steht:

Der Baikal See

Über viele Jahre habe ich alles verschlungen was es zum Baikal zu lesen und zu sehen gab.

Da war Detlev Henschel, der 1.700 km um den See mit dem Kajak ist. Da waren Herta und Werner Beck, die 12 Monate in einer Jurte am Ufer des Baikal gelebt haben und da war Sylvian Tesson, der 6 Monat in einer Hütte am Westrufer gelebt hat, den ganzen Winter durch.

Dazu unzählige Dokus und Videos – ich wusste alles!

673 km lang, 82 km breit, 1.640m tief. So viel Wasser, dass die gesamte Erdbevölkerung davon 50 Jahre trinken könnte. Der älteste Süßwassersee der Welt. 336 Zu-, aber nur einen Abfluss, usw.

2015 war es dann soweit, ein grosser Traum sollte nun Wirklichkeit werden:

Die Reise an den Baikal See

Mitte April treffe ich mich mit Jutta und Wolfgang Richter, einem Pärchen aus Süddeutschland und wir fahren bis Moskau zusammen. Dann fährt jeder alleine. Ich die südliche Magistrale und komme so über Kurgan, Omsk, Novosibirsk bis nach Krasnojarsk, als ich plötzlich eine WhatsApp von einem Freund bekomme: Du Micha, wenn Du in Irkutsk bist, besuche doch bitte meine Schwiegereltern, sie würden sich sehr freuen, bleibe ein paar Tage und spanne aus!

WAAAS? SO kurz vor dem Ziel, 100 km vor dem Baikal soll ich für ein paar Tage mit mir unbekannten Menschen auf einer Datscha zubringen? Es kämpft in mir. Einerseits kann ich es Tomas nicht abschlagen, dazu kommt, dass es sicher eine tolle Erfahrung wäre, andererseits bin ich so kurz vor der Erfüllung eines Traumes.

Aber dann, ich reise und mache keinen Urlaub, kann mir also Zeit lassen und muss nicht hetzen. Also, beschlossen, ich fahre auf die Datscha.

Dank der gutem Beschreibung stehe ich bald vor dem kleinen Häußchen und dann…

Kennt Ihr das? Wenn man Menschen zum ersten Mal sieht und es einfach passt? Man weiß, dass man sich versteht und mag? Soja und Alexej sind so ein Pärchen, sie strahlen unendliche Güte und Liebe aus, nehmen mich mit in ihr Reich und es gibt – Tee – was sonst.

Mein Russisch ist ziemlich schlecht, ich kann nur Substantive, also Tee, Brot, Butter. Aber keine ganzen Sätze oder gar Zeiten. Soja hat eine unendliche Geduld mit mir zu reden. Zum Glück gibt es aber noch die Nachbarn Sascha und Galina. Sie war Deutschlehrerin und mit ihr als Übersetzerin geht vieles einfacher. Weil ich so warm und herzlich aufgenommen bin, fällt es mir leichter nicht an den nahen Baikal zu denken.

Am Nachmittag hat Aleksej die Banja, das russische Waschhaus, geheizt und kommt in die Datscha: Mischa, Banja builbuilbuil, sagt er und grinst verschmitzt.

Die Banja ist ganz am Ende des langen Grundstücks und ich wundere mich, wie die beiden über 70 jährigen das alles alleine in Schuss halten. So eine Waschhaus hat jeder auf seinem Grundstück, denn das was wir als Bad kennen, gibt es nicht.

Meist ist es eine Holzhütte mit zwei Räumen. Im Vorraum wird sich umgezogen und zwischen den Waschungen Pause mit Tee gemacht. Die Banja ist wieder etwas neues für mich, aber Aleksej lacht und meint, er würde mir das schon zeigen.

Ein Holzofen erwärmt einen Wasserbottich (builbuil…..). Ein Fass mit kaltem Wasser steht daneben. Mit einer Kelle mischt man Wasser in eine Schüssel und wäscht sich. Zunächst ohne Seife, denn die Haut muss erst weich werden.

Als ich genug aufgewärmt und eingeweicht bin, kommt Aleksej mit den Birkenzweigen. Diese werden ganz jung geschnitten und getrocknet, kurz ins heiße Wasser gelegt und dann wird geschlagen.

Aleksej prügelt auf mir rum. Die Haut ist sehr schnell tief rot. Dann Pause, Tee trinken. 2 Gang, das Spiel wiederholt sich. Am Ende wäscht man sich mit Seife ab und ist wie neu geboren. Banja ist klasse.

Am zweiten Tag kommt Andrej, der Sohn, zu Besuch. Er spricht etwas Englisch und wenig Deutsch. Wir wollen fahren, nach Listwjanka an den Baikal See. Ich bin total nervös und aufgeregt.

Zwar hatte ich mir eine Begegnung mit Väterchen Baikal anders vorgestellt –  alleine und in Ruhe. Aber das ist nun alles egal.

Die knapp 100 km vergehen wie im Flug und dann – halten wir an der Angara. Die Angara ist der einzige Abfluss des Baikal und dort wo sich Fluss und See trennen liegt ein großer Stein mitten im Wasser.

Eine Legende besagt, dass der alte Baikal seine einzige Tochter Angara über alles liebte. Als sie sich eines Tages zu ihrem Geliebten Jenissei flüchtete, warf der Vater aus Zorn einen großen Stein nach ihr. Dieser auch Schamanenstein genannte Fels ragt bei Listwjanka aus dem Wasser und markiert die Grenze zwischen Baikal und Angara.

Dann geht es aber endlich an das Ufer. Ich steige aus, gehe über den Steinstrand ans Wasse, falle auf die Knie trinke Wasser aus der hohlen Hand. Tränen laufen mir übers Gesicht. Ich nehme meine Umgebung nicht mehr wahr, alles ist nur noch Baikal und ich!

Als ich wieder zu mir komme, nimmt Andrej mich in den Arm – er hat verstanden – ich bin am Heiligen Meer, so nennen die Russen den See, angekommen. Ich habe von ihm getrunken, bin von ihm betrunken.

Wir kaufen frisch geräucherten Omul. Einen Fisch, den es nur dort gibt. Essen mit den Fingern und trinken Wasser direkt vom Ufer.

Ich mag mich nicht trennen, doch irgendwann müssen wir los.

Listwjanka ist ein stark touristisch geprägter Ort – keiner wo ich normal lange bleiben würde und doch komme ich kaum weg hier. Nach drei Tagen fahre ich weiter, habe viel gelernt, meine Sprachkenntnisse verbessert und auch Tipps bekommen, wo der Baikal seine schönsten Ecken hat, nenne meine lieben Gasteltern Mama und Papa.

Und so mache ich mich auf an das Ostufer des heiligen Meeres.

Unterwegs treffe ich dann wieder die Richters, meine Freunde aus den ersten Tagen der Reise, und wir beschließen noch eine Weile zusammen zu reisen.

Das Ostufer begrenzt die Republik Burjatien. Die Burjaten sind asiatische Russen, also mongolischer Abstammung. Sie sind so ganz anders als Russen – haben weniger Distanz, kommen auf einen zu und reden los. Das wollen wir kennen lernen und natürlich die südseeartigen Sandstrände des Ostufers.

Aus: Wir bleiben mal 2-3 Tage – werden 5 Wochen.

Meine Reisepartner ziehen bald weiter, ich bleibe. Andere Reisende kommen und fahren wieder, ich bleibe.

An den Ufern des Baikal ist es kühl. Das Wasser hat maximal 10 Grad, aber ich bade jeden Nachmittag. Tagsüber mache ich Holz, zünde gegen Abend das Feuer an und sitze der Sonne gegenüber, schaue ihr beim Untergehen zu.

Menschen kommen in mein „Camp“. Russen und Burjaten. Alle sind neugierig, was denn der einsame Mann mit dem komischen Auto hier will.

Und ja, der Toyota Land Cruiser mit seiner Wohnkabine ist ganz oft ein Öffner für ein Gespräch.

Da ist der alte Wanderer mit dem schweren Rucksack, der alleine um den Baikal geht. Da sind Jugendliche, die ihr Englisch ausprobieren. Eine Deutschlehrerin mit ihren Töchtern. Drei Jugendliche, die mit mir Einkaufen fahren.

Und da ist mein Nachbar Ljoscha mit Frau und Sohn Mischa. Sie verbringen den gesamten Jahresurlaub am Ufer und so lernen wir uns kennen, oft kommt Ljoscha abends an mein Feuer und wir reden. Er fragt viel nach Deutschland, versteht die Politik in Europa nicht. Verständigt wird sich aus einem Russisch-Englisch-Mix, aber wir verstehen einander. Eine wunderbare Freundschaft entsteht, bereichernd für beide.

Und immer wieder sitze ich am Ufer, am Strand und mache nichts, stundenlang. Höre nur den Wellen und Möwen zu, atme die frische Luft.

Wasser kommt aus dem See, Lebensmittel kaufe ich in Ust-Bagusin (45 km) im Supermarkt. Ich lebe. Ich lebe am Ufer des heilgen Meeres. Keine Spur meiner Krankheit. Ich bin gesund. Seid 11 Jahren leide ich an BiPolaren Depressionen, bin deswegen Erwerbsunfähig geworden. 8 Monate Psychiatrie habe ich insgesamt hinter mir, wollte nicht mehr leben. Hier, in Russland, hier am Baikal bin ich gesund. Keine Spur einer Depression.

Durch das Holzschlagen und Sägen bin ich fitter geworden, habe wieder Lust mich zu bewegen. Das kann man an jedem anderen See erleben? Mag sein, ich habe es am magischen Baikal erlebt, das alleine zählt.

Dann muss ich ausreisen. Mein Visum für die ersten 90 Tage läuft ab, ich muss das Land Richtung Mongolei verlassen. Dort bleibe ich nur 10 Tage – es zieht mich an den großen See zurück. Dort, an dem Platz, wo ich die 5 Wochen verbracht habe ist es jetzt übervoll. Russland hat Ferien.

Also fahre ich etwas weiter südlich ans Ostufer und lasse mich für weitere zwei Wochen nieder.

Dann verlasse ich das Heilige Meer mit dem Gefühl einen Freund gefunden zu haben – einen Freund fürs Leben.

Ich komme wieder Väterchen Baikal! Ich werde wieder an deinem Ufer sitzen. Feuer machen. Aus Dir trinken. Denn Du hast mich gesund gemacht.

Vielen Dank Micha, für das Interview, den Reisebericht, die Infos, Tipps und die Bilder!

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Über Steffi

Mein Name ist Steffi. Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor ich zum „Leben auf Rädern“ kam, bin ich mit dem Fahrrad gereist. Davor lebte ich in einem Haus, hatte einen ganz normalen Job bei einer Bank  - der ganz normale Wahnsinn... Schnell habe ich festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahm ich ein Jahr Auszeit und bin so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 bin ich wieder unterwegs und mein Leben hat sich komplett geändert. Folge mir via Feedly und Bloglovin´

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