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Work and Travel mal anders: Wie du als Digitaler Nomade Australien bereisen kannst

Dani und ihr Freund Paul reisen, leben und arbeiten in Australien als digitale Nomaden.

Dani und kommt ursprünglich aus dem Windecker Ländchen im Rheinland. Daher hat sie auch ihre Frohnatur und die Liebe zum Karneval. Obwohl sie ihre Heimat liebt, hatte sie schon immer großes Fernweh und wollte die Welt entdecken. Schon in ihrem BWL-Studium hat sie das Online-Marketing für sich entdeckt, da ihr damals schon klar war, dass sie ortsunabhängig leben möchte.

In diesem Interview erzählt Dani aus ihrem Leben als Digitale Nomadin in Australien.

 

Digitale Nomaden Australien

Wo und wie lebst du?

Seit April 2014 lebe ich mit meinem Freund als Permanent Residents in Australien und wir dürfen hier unbegrenzt leben und arbeiten.

Die meiste Zeit leben wir in einem VW Bus, genauer gesagt einem T4 in der Langversion. Den haben wir in Sydney gekauft und dann nach meinem Plan ausbauen lassen. Jetzt haben wir alles, was wir so zum Leben brauchen im Bus. Und es ist praktisch und schnell zugänglich verstaut.

Wo und wie reist du?

Wir haben jetzt viel Zeit in Far North Queensland verbracht, aber unser Herz schlägt für WA. Deshalb hat Paul sich in Perth ein Projekt besorgt, dort ist er auch schon seit Ende Februar. Und ich reise nun alleine mit Lori, unserem Campervan, hinterher.

Normalerweise lassen wir uns treiben und entscheiden spontan, wo wir als nächstes hinfahren. Diesmal habe ich ein festes Ziel und freue mich darauf ein paar Monate in Perth zu leben. Trotzdem habe ich die Reise nicht durchgeplant und überlege mir immer erst am Morgen, wo ich denn heute hinfahre. Ich liebe diese Freiheit, deshalb ist es auch toll alleine zu reisen.

In einem Artikel habe ich darüber geschrieben Warum du auch unbedingt mal einen Solo-Roadtrip machen solltest, erst Recht als Frau.

Ich mache was, wann und wie ich es will. Toll!

Und anders als die meisten Backpacker in Australien, mache ich mir nicht den Stress immer kostenlos zu übernachten zu müssen. Es ist zwar noch möglich, aber mit ziemlichem Aufwand verbunden. Diese Zeit investiere ich lieber anderweitig. Deshalb bevorzuge ich Nationalparks, Campingplätze oder unterwegs auch Rastplätze, die oft wunderschön gelegen sind.

Womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?

Ich selbst betreibe 2 Blogs welt kopfunter und Migrevolution , aber Einnahmen habe ich so gut wie keine und kann also nicht davon leben. Und in Australien sowieso nicht, hier sind die Lebenshaltungskosten sehr hoch.

Deshalb haben Paul und ich 9bit concept gegründet, um als Freelancer im IT und Marketing zu arbeiten. In diesen Bereichen kann man ganz gut Geld verdienen, was uns ermöglicht auch mal mehrere Monate am Stück nicht zu arbeiten.

Ein Traum sind natürlich ortsunabhängige Projekte, die bekommen wir aber eher noch aus Deutschland. Unser Ziel ist aber ein Online-Business zu führen und der Zeit-gegen-Geld-Falle zu entkommen. Dafür haben wir schon einige Ideen und sind in die StartUp-Szene in Australien eingetaucht. Dort sehen wir gute Chancen, mal sehen was die Zukunft so bringt.

 

Digitale Nomaden Australien

 

Wir haben festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist Arbeiten und
Reisen unter einen Hut zu bekommen.

Wie empfindest du das?

Wie alles im Leben hat es seine guten und schlechten Seiten. Es ist ein Traum mit der Aussicht aufs Meer zu arbeiten oder einfach vorm Bus zu sitzen. Der Garten sieht jeden Tag anders aus und vor allem hat man einen Gärtner der sich drum kümmert und die Toilette putzt auch jemand anderes. Man hat ständig neue Nachbarn und lernt so öfter neue Menschen kennen. Wenn es uns nicht gefällt fahren wir einfach weiter. Wir sind gerne in der Natur. Das lieben wir so sehr.

Doch gleichzeitig sind wir natürlich dem Wetter ausgesetzt. Wenn ein Sturm heran zieht, verwandelt sich der Traum in einen Alptraum. Dann heißt es aufhören zu arbeiten, zusammen packen und sich zu zweit in den Bulli quetschen.

Sitze ich vorm Bus bin ich ständig abgelenkt und komme kaum zum Arbeiten. Dann ist da ein hübscher Vogel, der fotografiert werden will, oder die Nachbarn wollen was quatschen, oder, oder, oder. Ich bin wesentlich produktiver im Co-Working-Space, einem Café oder einer Bibliothek.

Und an Reisetagen ist es noch schwerer. Jetzt wo ich alleine fahre, bin ich abends nach ein paar Stunden Autofahren einfach durch.

 

Digitale Nomaden Australien

Wo liegen deiner Meinung nach die Herausforderungen beim Arbeiten „von unterwegs“?

Zu Zweit stehen wir vor einem weiteren Problem, wir sind ein bisschen aneinander gekettet. Da unser Zuhause auch gleichzeitig unser Auto ist, ist es schwer sich getrennt von einander zu bewegen. Das heißt meistens sind wir zusammen und 24/7 kann auf Dauer anstrengend sein.

Wir haben gelernt, dass es für unsere Beziehung besser ist, Pausen einzulegen. Nein, keine Beziehungspausen, sondern Camping-Pausen. In Cairns war es am Ende sehr tropisch und draußen alles andere als angenehm. Deshalb sind wir dort für ein paar Wochen in ein Apartment gezogen. Das hat uns richtig gut getan, wir waren unabhängig voneinander und Paul konnte zum Kunden fahren, auch wenn ich z.B. Migräne hatte. Diese Probleme haben wir aber auch nur in Städten, wo die Campingplätze außerhalb liegen und es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, um zum Kunden zu kommen.

Außerdem muss man anpassungsfähig sein, denn wenn sich deine Umgebung immer wieder ändert muss man sich schnell zurecht finden. Sonst findet man keine Zeit zum Arbeiten. Am schwierigsten ist es sich zu fokussieren. Ich bin so neugierig und will immer was neues sehen und die Gegend erkunden. Ich will ins Wasser und Spaß haben. Doch das geht nicht immer. Manchmal verlassen wir den Campingplatz nicht, weil wir was abarbeiten müssen.

Wie lange bist du im Schnitt an einem Ort?

Das ist sehr unterschiedlich. In Cairns waren wir jetzt über ein halbes Jahr, aber auch dort sind wir herumgereist und waren 1 bis 3 Wochen auf den unterschiedlichen Campingplätzen. Am liebsten sind wir 1 Woche an einem Platz, dann kann man sich einrichten und eine Routine entwickeln. Machen wir einen Roadtrip von A nach B sind wir oft nur eine Nacht an einem Ort oder halten nur zum Schlafen.

 

Digitale Nomaden Australienq

 

Hast du einen bestimmten Workflow entwickelt, der an jedem Ort gleich ist?

Ja ich habe eine schlechte Angewohnheit, noch im Bett checke ich mit dem Handy meine Emails und Social Media Kanäle. Leider muss ich das wegen der Zeitverschiebung früh morgens und abends machen. Danach wäre Yoga angesagt, klappt leider nicht immer. Nach dem Frühstück und einem Kaffee, kommt der Gang zum Waschhaus. An einem Reisetag ist dann um 10 Uhr Checkout-Time. Aber im Endeffekt sieht jeder Tag anders aus. Abhängig vom Wetter und der Location.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Hmm, ich habe keinen Alltag, bei mir sieht jeder Tag anders aus. An Reisetagen drehe ich seit neuestem Videos und schneide sie abends. Bleibe ich länger als eine Nacht, versuche ich andere To-Dos zu erledigen.

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Mein Arbeitsplatz ist auch nie gleich. Meistens sitze ich im Campingstuhl an unserem großen Tisch. Wir haben ein kleines Vordach und können sogar Seitenwände aufbauen, so haben wir eine Art Wohnküche. Insgesamt wohnen wir damit auf 11qm. Neuerdings baue ich einen Stand-Up-Desk aus einer Icebox und dem Küchentisch. Ansonsten sitze gerne in Cafés oder Bibliotheken, oder wo es sonst Wifi, Strom und Schatten gibt.

Internet ist für uns digitale Nomaden ja sehr wichtig. Aber ich glaube wir übertreffen alles. In unseren Bus hat Paul einen Wlan-Router eingebaut, dieser ist mit 4G-USB-Stick ans mobile Internet angeschlossen. 25GB für $175 von Telstra. (Ja auch Internet ist in Australien teuer.) Natürlich steht auf dem Dach die größte Antenne, die wir finden konnten. Zusätzlich haben wir einen 4TB-Server* und einen Raspberry-Pi* im Auto. So können wir unsere Daten synchronisieren und speichern ohne ins Internet zu gehen. Ziemlich nerdisch, oder?

Was findest du toll an deinem “Life-Work-Style”?

Es ist ein Gefühl von absoluter Freiheit und ein Leben im Paradies. Hier sagt man sich gerne morgens früh im Waschhaus: „Another day in paradise!“ oder „It is beautiful today, but perfect the next day!“

Außerdem habe ich niemanden der mir sagt, was ich wann und wo zu tun habe. So kann ich mir meine Zeit frei einteilen. Auf der anderen Seite ist es eine große Herausforderung sich selbst jeden Tag in den Hintern zu treten.

 

Digitale Nomaden AustralienWas wünscht du dir, was könnte besser oder anders sein in deinem Arbeitsalltag?

Ich bin ziemlich chaotisch und manchmal wäre bessere Planung angebracht. Ich arbeite nämlich oft länger als ich mir vornehme und muss lernen Prioritäten zu setzen.

Und ich wünsche mir ein automatisch ein- und ausfahrbares Vordach. Aber wer weiß, in Perth steigen wir vielleicht wieder auf etwas mehr offroad-taugliches um. Mal schauen.

Wie reagieren andere, wenn sie erfahren, dass du im Wohnmobil lebst und arbeitest?

Hier in Australien verstehen die meisten, warum wir das machen. Denn hier haben viele den Traum einmal ihr eigenes Land zu bereisen. Die Grey Nomads sind hier überall zu finden, dass sind australische Rentner, die im Wohnwagen oder Wohnmobil durch Australien ziehen. Doch in Deutschland denken viele, wir machen immer noch „nur“ Urlaub. Naja, meine Bilder verleiten ja auch dazu, an Urlaub zu denken. Und viele warten darauf, dass wir uns endlich eine feste Wohnung nehmen. „So kann man doch nicht dauerhaft leben!“. Ich denke, man muss für diesen Lebensstil gemacht sein, sonst kann man es schwer nachvollziehen.

Und dass es geht, zeigen wir jeden Tag. Du ja auch! Ich bin jedenfalls sehr glücklich. Auch wenn wir wenig Platz haben, fühle ich mich mittlerweile in Wohnungen eher eingesperrt. Ich muss einfach draußen sein.

Ausführlich habe ich darüber in meinem Artikel Die Wahrheit über unser Leben ohne Wohnung  geschrieben.

Hast du Tipps für Menschen, die auch auf Rädern arbeiten wollen?

Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass Leben und Arbeiten auf Rädern nichts mit Urlaub zu tun hat. Aber um dich herum, machen die meisten Menschen Urlaub, und du musst arbeiten. Dafür braucht man ziemlich viel Disziplin, das ist auf jeden Fall meine größte Schwäche.

In diesen Augenblicken denke ich immer daran, dass die anderen nach ihrem Urlaub ja wieder nach Hause müssen und ich bleibe hier, im Paradies.

Erfahre mehr über Dani und ihr Leben aus Digitale Nomadin in Australien:

Dies war ein weiteres Interview aus der Reihe „Arbeiten auf Rädern“.

Wenn du noch mehr darüber erfahren möchtest, dann lies auch diese Interviews:

⇒Bulli-Office: Wie Carina durch Südamerika reist und unterwegs arbeitet

⇒Das Wohnmobil als Rolling Office: In diesem Interview erzählt Carsten von seinem Leben als Digitaler Nomade mit Wohnmobil

⇒ Landrover-Office: So finanzieren sich Ellen und Jonas eine zeitlich unbeschränkte Weltreise

⇒ Work. Travel. Surf: So findest du die perfekte Surf-Work-Ballance

Abenteuer Arbeiten – Wie Nima durch Spanien reist und von unterwegs arbeitet

 

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Über Steffi

Mein Name ist Steffi. Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor ich zum „Leben auf Rädern“ kam, bin ich mit dem Fahrrad gereist. Davor lebte ich in einem Haus, hatte einen ganz normalen Job bei einer Bank  - der ganz normale Wahnsinn... Schnell habe ich festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahm ich ein Jahr Auszeit und bin so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 bin ich wieder unterwegs und mein Leben hat sich komplett geändert. Folge mir via Feedly und Bloglovin´

5 comments

  1. Wirklich ein tolles und informatives Interview! Dankeschön!
    Das wär dann vielleicht unser nächster Schritt – digitale Nomaden sind wir schon (in Asien) und unsere Reisefahrzeug steht in Uruguay. Mal schauen, ob sich das vereinbaren lässt:))

  2. Wirklich sehr interessanters Interview, das zeigt, dass Work and Travel nicht immer klassisch mit Working Holiday Visum und Erntejobs sein muss.
    Trozdem eine Frage. Glaubt ihr, dass diese Art von Work and Travel auch für Leute geeignet ist, die mit einem Working Holiday Visum nach Australien reisen?

    • Hi Jo!

      Natürlich kann man das auch mit einem WHV machen. Am einfachsten wäre es, wenn du schon in Deutschland ein Gewerbe hast und deine Kunden einfach remote von Australien aus betreust. Dafür würde sogar ein normales Touristenvisum reichen, da du ja keine australischen Dollars verdienst. Aber es gibt auch die Möglichkeit sich in Australien selbstständig zu machen und australische Kunden zu gewinnen. Das WHV gibt dir einfach die Möglichkeit in Australien legal Geld zu verdienen, wie ist dir überlassen. Ich hoffe, dass konnte dir etwas weiterhelfen.
      Cheers, Dani

  3. Danke Steffi, für das tolle Interview. Es hat echt Spaß gemacht deine Fragen zu beantworten.

    Ganz liebe Grüße aus Perth,

    Dani

  4. Sehr interessantes Interview ☺!

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