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Mercedes 1935AK

Verena & Wolfi: Seit 2011 auf Weltreise im Mercedes 1935AK

Dies ist der 22. Teil meiner Artikelserie über Reisemobile.

Ich möchte dir Reisende und ihre Reisemobile vorstellen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Fahrzeuge.

Bevor wir uns für den Kurzhauber entschieden haben, haben wir lange überlegt, welches Reisemobil wohl das beste für uns wäre. Wir haben uns viele unterschiedliche Varianten angesehen, haben Vor- und Nachteile abgewogen… es ist gar nicht so einfach bei der Fülle der Möglichkeiten eine Entscheidung zu treffen.

Falls du dir auch gerade überlegst welches Reisemobil für dich in Frage kommt, könntest du dir den Gastartikel von Henning durchlesen: Wie du das Wohnmobil findest, das zu dir passt.

Oder du besuchst eines der großen Reisemobil- und Globetrottertreffen. Dort triffst du Reisende mit ihren Reisemobilen, kannst dir einiges ansehen und mit den Leuten ins Gespräch kommen. Eine Übersicht über die Treffen und Termine gibt es auf der Webseite der Deutschen Zentrale für Globetrotter.

Oder du abonnierst Keine Eile und verpasst keines der Interviews mehr, die es in nächster Zeit zum Thema Reisende und ihre Reisemobile geben wird.

Ich freue mich sehr, für mein 22. Interview Verena & Wolfi Gritsch – Gritschontour – gewonnen zu haben.

Die Reisenden

Verena & Wolfi Gritsch

Mercedes 1935AK
Verena und Wolfi

 

Wir sind Verena & Wolfi Gritsch mit unserem Vierbeiner Apollo aus Österreich.

Seit nun 5 Jahren leben und reisen wir im und mit unserem Amigo, einem Mercedes 1935AK. Derzeit sind wir gerade in Usbekistan.

Unsere Reisegeschichten, sowie den Umbau vom Schneepflug zum Wohnmobil könnt ihr unter Gritsch on tour nachlesen.

Das Reisefahrzeug

Mercedes 1935AK

Mercedes 1935AK
Mercedes 1935AK in Ladakh/Nordindien

 

Steckbrief des Mercedes 1935AK

Hersteller: Mercedes

Modell: 1935AK

Baujahr: 1992

Kilometerstand: Beim Kauf 445.000. Motorüberholung und komplette Fahrzeugrestaurierung 2009. Seither 86.200

Hubraum: 14,6 Liter

Leistung: 420 PS

Allrad: permanent

Zulässiges Gesamtgewicht: 19.000 kg auf 11.990 kg typisiert

Zuladung: 990 kg

Sitzplätze: 4

Führerscheinklasse: C

Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h

Reisegeschwindigkeit: 30 – 80 km/h

Kraftstoff: Diesel

Preisklasse: > 50.000 Euro

Verbrauch auf 100 km: 27 Liter in den letzten 5 Jahren, Ladakh und Mongolei 35 Liter

Kfz-Steuer: 0 Euro

Versicherung: 0 Euro

TÜV: 0 Euro

Reparaturen: ca. 300 Euro pro Jahr

Wohnraumgröße - 5
Wirtschaftlichkeit - 6
Zuladung - 6
Unabhängigkeit - 7
Ersatzteilpreise - 7.5
Reparatur- und Wartungsfreundlichkeit - 8
Weltreisetauglichkeit - 8
Verfügbarkeit von Ersatzteilen - 8.5
Fahrkomfort - 10
Geländegängigkeit - 10
Zufriedenheit mit dem Fahrzeug - 10

7.8

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Die Vergabe von Punkten dient nicht dazu, die Fahrzeuge dieser Interviewreihe objektiv miteinander zu vergleichen. Sie bezieht sich auf das hier beschriebene individuelle Fahrzeug und auf die ebenfalls individuellen Gewohnheiten und Bedürfnissen seiner Bewohner und kann nur einen groben Überblick über die Eigenschaften dieses Reisemobils geben.

Warum habt ihr euch gerade für den Mercedes 1935AK entschieden?

Wir hatten vorher einen Steyr mit LAK II-Aufbau, doch die Ersatzteilversorgung wurde immer schwieriger. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einem Mercedes gemacht.

Wichtig war für uns ein großes Fahrerhaus (wg. Hund, hin und wieder Guide, mehr Platz….).

Im Internet wurden wir dann fündig und im Vergleich zu anderen Modellen, mit kleineren Motoren, war er sehr günstig.

Der OM442 Motor ist einer der meist gebauten von Mercedes und weltweit im Einsatz. Euro 1 und damit keine Elektronik war uns auch sehr wichtig.

Den LAK tauschten wir gegen einen Kühlkoffer, da uns eine seitliche Türe wichtig war, somit waren wir flexibler beim Innenausbau.

Kommt ihr mit der Zuladung hin?

Ja natürlich!

Schraubt ihr selbst, oder lasst ihr schrauben?

Soweit es geht, schrauben wir selbst.

Hattet ihr Vorkenntnisse, oder unterwegs schrauben gelernt?

Learning by doing!

2009 haben wir den Amigo komplett zerlegt und restauriert, bei der Motorüberholung mit einem pensionierten Kfz-Meister hat Wolfi viel gelernt.

Wo schraubt ihr (auf der Straße/Schrauberhalle/Werkstatt, o. ä.)?

Überall, wo es sich gerade anbietet.

Was braucht ihr zum Schrauben (Hammer oder Notebook)?

Schraubenzieher und Schraubenschlüssel 🙂

Wie hoch ist der Reparatur- und Wartungsaufwand?

Wir haben den Amigo im Vorfeld gründlich erneuert, um auf Reisen nicht allzu viel reparieren zu müssen. Dadurch ist der Aufwand minimal. Alle paar Tausend Kilometer Abschmieren und alle 10 – 15.000 km Motoröl und Dieselfilter wechseln.

Mercedes 1935AK
Mercedes 1935AK am Otres Beach/Kambodscha in der Strand Werkstatt

 

Welche Umbauten habt ihr Mercedes 1935AK vorgenommen?

  • Am Basisfahrzeug führten wir eine Umrüstung auf Parabelfedern und auf 14.00R20 Einzelbereifung durch.
  • Sowie eine Einspritzpumpenmodifikation durch Rüdiger Schramm.
  • Den Zwischenrahmen haben wir mit einer Schraubenfederlagerung ausgestattet.
  • 800 Liter Tankkapazität
  • und einen Druchgang vom Fahrerhaus zur Wohnkabine gebaut.
  • Eine Reserveradhalterung für 2 Kompletträder, Edelstahlstaukästen für Werkzeug, Öle, Schmiermittel und Gas wurden angebracht.
  • Eine Klimaanlage am Fahrerhaus wurde montiert.
  • Die Wohnkabine ist ein ehemaliger Kühlkoffer, den wir saniert und selbst ausgebaut haben.
Mercedes 1935AK
Der Mercedes 1935AK bekommt neue Reifen in Thailand

 

Welche waren sinnvoll?

Fast alle.

Was kann man sich sparen?

Die Klimaanlage am Fahrerhaus ist eindeutig zu schwach. Das Fahrerhaus ist dafür zu groß und die Temperaturen in Asien sind einfach zu hoch.

 

Der Mercedes 1935AK als Reisemobil

Der Ausbau des Mercedes 1935AK

 

Selbstausbau

Wohnfläche: 10,2 qm

Wie viele Personen reisen mit: 2

Größe Frischwassertank: 300 Liter

Größe Abwassertank: 2 x 20 Liter

Solarpanele: 480 Watt

Batterien: 200 Ah

Generator: 850 Watt

Stromverbrauch pro Tag: 50 – 60 Ah

Kühlschrank: Isotherm 125 Liter Kühlfach + 40 Liter Tiefkühlfach

Heizung: Webasto Luftheizung + Wasserheizung

Dusche: ja

Sonstiges: Echtglasfenster, Backofen, Vakuumtoilette, Warmwasserboiler, Markise

 

Mercedes 1935AK
Der Mercedes 1935AK von Innen: Küche, Schlafzimmer und Esszimmer

 

Mercedes 1935AK
Der Mercedes 1935AK von Innen: Esszimmer, Badezimmer, Durchgang

 

Wie lange habt ihr den Mercedes 1935AK schon?

Seit 2009.

Lebt ihr dauerhaft im Fahrzeug oder nur für die Dauer einer Reise?

Wir leben seit 2011 dauerhaft im Amigo und so soll es auch bleiben.

Wie lange habt ihr am Fahrzeug geschraubt und es ausgebaut bis ihr eingezogen, bzw. losgefahren seit?

1,5 Jahre.

Mercedes 1935AK
etwas zu weich am kleinen Khar Nuur/Mongolei…

 

Warum reist ihr mit dem eigenen Fahrzeug?

Für uns ist es die beste Art zu Reisen, weil man sein eigenes Zuhause überall mit dabei hat (eigenes Bett, eigene Toilette und Dusche……)

Das schöne ist, dass man sich abseits der Touristenpfade bewegen kann und autark ist.

Das Gefühl von Freiheit und Unabhängikeit wollen wir nicht mehr missen.

Wohin reist ihr? Wohin seid ihr schon gereist mit dem Mercedes 1935AK?

Momentan sind wir in Usbekistan.

Wir sind über die Türkei, nach Iran, Pakistan, Indien, Nepal. Myanmar, Thailand, Malaysia, Kambodscha, Laos, China, Mongolei, Russland, Kasachstan, Kirgistan gereist.

Weiter geht es nach Kasachstan, Russland, Georgien in die Türkei nach Österreich, wo wir uns ein paar Monate aufhalten wollen, um Familie und Freunde zu besuchen.

Danach ist der afrikanische Kontinent geplant.

Als Probefahrt haben wir 2011 eine Verabschiedungsrunde durch Österreich, Schweiz und Deutschland gemacht.

Wie viele Kilometer fahrt ihr pro Jahr mit dem Fahrzeug?

14.500 km, heuer werden es mehr…

Wie lang war eure bisher längste gefahrene Strecke?

Mit Sicherheit eine Tagesetappe in China von ca. 450 km.

Wo übernachtet ihr normalerweise?

1% Campingplätze

9% Wohnmobilstellplätze

90% Freie Plätze

Wie lange seit ihr mit dem Mercedes 1935AK “autark”?

Bis zu 2 Wochen, dann brauchen wir wieder Wasser.

Wie oft wurdet ihr schon Opfer eines Gasüberfalls? Und wie reagiert ihr darauf?

Zum Glück noch nie, so etwas passiert doch eher in Europa.

Mercedes 1935AK
Notreparatur nach Unfall in Laos

 

Nennt 4 Punkte, die an eurem Mercedes 1935AK einfach geil sind

Die ganze Kiste ist geil!

Nennt 3 Punkte, die euch voll nerven

Klo entleeren…

Was ist verbesserungsfähig?

  • vielleicht ein etwas größeres Dachfenster
  • evt. einen Ölöfen für kältere Gebiete
  • der SMEV Gasherd ist nach 5 Jahren zu entsorgen
Mercedes 1935AK
Imprägnierung unsere Markise

 

Würdet ihr das gleiche Fahrzeug wieder kaufen?

Ja!

Welches Fahrzeug wäre eine Alternative? Warum?

In Europa wäre ein kleineres Fahrzeug in der Größe von einem Sprinter handlicher.

Für Australien und Neuseeland würden wir vor Ort ein Fahrzeug kaufen.

Hattet ihr vorher schon andere Fahrzeuge? Welche?

Unsere erste Reise mit eigenem Fahrzeug war 2002 mit einem Mercedes Puch G nach Westafrika.

Dort sahen wir den ersten zum Wohnmobil umgebauten Lkw und dachten uns: “Das ist es!”

Unser nächstes Reiseziel war Indien und dafür wollten wir ein größeres Fahrzeug, um etwas mehr Privatsphäre zu haben. So tauschten wir den G auf einen Steyr 991 mit Allrad und LAK-Kabine. Mit diesem Fahrzeug waren wir 2 Mal für einige Monate in Indien.

Unser Traum war es immer, ohne Zeitlimit unterwegs zu sein. Somit wurde die Idee geboren, zu Hause alles zu verkaufen und von nun an nur noch auf Reisen zu sein. Dafür wollten wir aber einen Mercedes Lkw, denn für diesen gibt es nahezu weltweit Ersatzteile, was für den Steyr leider immer schwieriger wurde.

Den LAK tauschten wir gegen einen Kühlkoffer ein, denn wir wollten etwas mehr Luxus in Form von Platz im Inneren haben, wenn wir permanent im Lkw wohnen. Mit der Schräge am Dach und der Türe hinten, waren wir mit unseren Ideen von einem passenden Aufbau, zu sehr eingeschränkt.

Habt ihr mit dem Mercedes 1935AK euer Traumreisemobil gefunden?

Derzeit ja.

Wenn wir älter werden, wollen wir auf ein etwas kleineres Fahrzeug umsteigen.

Möchtet ihr sonst noch etwas über euer Reisefahrzeug erzählen, wonach ich nicht gefragt habe?

2014 in Kambodscha haben wir von Bleibatterien auf Lithiumzellen umgerüstet, dadurch hat sich die Stromkapazität verdoppelt und der verbrauchte Stauraum, sowie das Gewicht halbiert.

Vielen Dank an Verena & Wolfi!

Möchtest du noch mehr von Verena & Wolfi und ihrer Reise erfahren, dann schau mal auf ihrem Blog vorbei!

 

Weitere Interviews aus der Interviewreihe Reisefahrzeuge

Sabine und Burkard Koch im Interview über ihr Reisemobil den Steyr 12M18

Andre Bonsch im Interview über sein Reisemobil den Mercedes Benz Vario 814 D

Sabine Hoppe und Thomas Rahn im Interview über ihr Reisemobil den Mercedes Kurzhauber LA 911 B

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Silvia und Christoph über ihren Mercedes 815

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Über Steffi

Mein Name ist Steffi. Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort. Bevor ich zum „Leben auf Rädern“ kam, bin ich mit dem Fahrrad gereist. Davor lebte ich in einem Haus, hatte einen ganz normalen Job bei einer Bank  - der ganz normale Wahnsinn... Schnell habe ich festgestellt, dass das nicht alles sein kann. 2002 nahm ich ein Jahr Auszeit und bin so auf den Geschmack gekommen. Seit 2007 bin ich wieder unterwegs und mein Leben hat sich komplett geändert. Folge mir via Feedly und Bloglovin´

4 comments

  1. Andrea Heum

    Cooler Bericht, euch noch eine gute Reise!

  2. Helge Schacht

    Leute ihr nacht das richtig,warum sollte man sich das leben hier versauen ,

  3. Martin Glaeser

    Verena&Wolfi nebst Hund habe ich zufällig 2014 (oder 2013? ) am Strand von Karon in Phuket/Thailand getroffen.
    Und angesprochen.
    Denn es gibt ja nicht so viel Laster mit Österreichischem Nummerntaferl in der Gegend.
    Wünsche weiterhin eine gute und sichere Reise. Und dem Laster noch viele pannenfreie km .

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